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Predigt - Neues Jahr

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Liebe Gemeinde, ein neues Jahr hat begonnen und einige ganz hart gesottene Menschen leiden wohl immer noch an Katerschmerz. Doch ab morgen sind die schönen Festtage vorbei und dann hat uns der Alltag wieder.

Und wie es dann so ist, in den ersten Januarwochen, wird dann geplant. Dieses oder jenes Projekt muss angefangen oder vollendet werden. Diese und jene Probleme müssen angepackt und gelöst werden.

Es ist Tradition zu Beginn eines neuen Jahres einander Gutes zu wünschen. Und weil es nicht nur eine Floskel ist, sondern auch einen guten und ebenso tiefen Sinn hat, soll es auch ehrlich sein und von Herzen geschehen. Was wünschen wir unserer und unserem Nächsten zum Neuen Jahr?

Wünschen wir „Prosit Neujahr", also „Zum Wohl"? Wünschen wir „einen guten Rutsch", der hoffentlich nicht auf die Nase geht? Wünschen wir ein „Gutes Neues Jahr", ein "Gesegnetes Neues Jahr"? oder ein "Gesundes Neues Jahr"? Oder formulieren wir unsere Wünsche ganz individuell, je nachdem, wer vor uns steht und was er oder sie braucht?

Der häufigste Wunsch für das Neue Jahr dürfte wohl die Gesundheit gewesen sein. Ja, die wünscht man sich selber und unseren Nächsten, die Hauptsache ist doch, gesund zu sein. Die Gesundheit ist das Wichtigste, so denken viele von uns. Gesundheit, ja, die kann ich gebrauchen. So höre ich es immer wieder, wenn ich Besuche im Rahmen unseres Besuchdienstkreises mache.

Wir alle wissen ja nur zu gut, dass zum Leben auch Krankheit und Leiden gehören. Gerade bei älteren Menschen, wo ich oft hinkomme, ist die Krankheit ein ständiger Begleiter.

Auch wenn ich jemandem Gesundheit wünsche und auch wenn er oder sie es gerne hört, die Krankheit, die kann ich nicht wegwünschen und es wird auch meinen Nächsten nicht vor neuer Krankheit bewahren.

Ja, liebe Gemeinde, ein neues Jahr hat begonnen - wirklich ein neues? Oder sind nicht von dem alten Jahr her, so viele Probleme ungelöst geblieben, so dass wir nicht frohen Mutes in dieses Jahr 2010 hineingehen? Sind jetzt nicht bei Vielen von uns die Sorgen noch viel näher? Gibt es heute nicht sehr viele Gründe, die uns zutiefst erschrecken?

Etwa die Angst, zu kurz zu kommen, breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus. Die kriegerische Gewalt hat in einem Maße zugenommen, so wie wir dies, noch vor wenigen Jahren, nicht gedacht hätten.

Und die Rentner müssen den Gürtel enger schnallen und den jungen Menschen mangelt es an beruflichen Lebensperspektiven. Und die Armut der Dritten Welt ist auf einmal in Sichtweite gerückt.

Ja, was ist überhaupt wahres, sinnvolles und zufriedenes Leben? Jugendliche schauen die Generation ihrer Eltern an und fragen: Soll das alles sein?

Schule, Beruf, Heiraten, Kinder kriegen, arbeiten und keine Zeit mehr für die eigenen Kinder haben. Menschen mittleren Alters fragen dann, wenn z. B. die Kinder aus dem Haus sind, oder eine Ehe zu kriseln beginnt, soll das nun alles gewesen sein und so bis zum Ende weitergehen?

Und alte Menschen fragen sich, was bleibt denn nun, wenn ich eins nach dem anderen hergeben muss, was mir einmal wichtig war, die Kinder, die Arbeit, den Partner und die Gesundheit.

Wo ist wahres und sinnvolles Leben und worin besteht es? Eine fertige, endgültige Antwort gibt es nicht. Doch um mit dieser Frage ein wenig weiter zu kommen, dazu lädt der heutige Predigttext, den wir bereits in der Epistel hörten, ein.

1. Joh 5,11-13

11 Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und wir erhalten dieses Leben durch seinen Sohn.

12 Wer den Sohn Gottes hat, hat auch das Leben. Wer aber den Sohn nicht hat, hat auch das Leben nicht.

13 Ich habe euch diesen Brief geschrieben, damit euch aufs neue bewusst wird: Ihr habt das ewige Leben, so gewiss ihr euch zu seinem Sohn Jesus Christus bekennt.

Gute Nachricht 1997

Mein Vater ist tot. Ich habe meine Mutter nicht mehr. Vater und Mutter verlassen uns. Wir werden unsere Kinder auch verlassen. Und unsere Kinder werden ihre Kinder verlassen. Wir können einander nicht ewig haben.

Den Sohn aber, liebe Gemeinde, Jesus Christus, den kann man ewig haben, heute und immer. Darum auch redet die christliche Gemeinde ständig davon, dass er auferstanden sei. Er ist tatsächlich auferstanden. „Auferstanden von den Toten“, das bekennen wir Christen und Christinnen jeden Sonntag in aller Welt.

Warum geben wir Christen dieses Bekenntnis nicht auf?

Sokrates ist tot. Den können wir nicht mehr haben. Mozart ist tot. Den können wir auch nicht mehr haben. Goethe ist tot. Den können wir ebenfalls nicht mehr haben.

Aber den Sohn, den können wir haben. Wer lebt, den kann man haben. Der Sohn Gottes lebt. Haben wir ihn?

Wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht. Wer aber den Sohn hat, der hat das Leben. Der hat den Tod hinter sich. Zwar sterben wir noch, das wird uns nicht erspart. Aber der Tod hat uns dann nicht, sondern das Leben hat uns.

Wenn wir einwenden, warum es denn die Kirche einem so schwer mache mit der Botschaft von Ostern, so bitte ich euch, liebe Gemeinde, ihn haben zu wollen. Denn einen Toten, den kann man nicht haben.

Aber den Lebendigen, den können wir haben, aber wie? Und wenn wir versuchten, das „Haben und Wollen“ so zu formulieren: „Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglauben“! Ja, liebe Gemeinde, so hätten wir ihn schon.

Tatsache ist, dass eine Jede und ein Jeder von uns einen solchen Text anders hört. Und gerade bei schwierigen Texten wäre es wichtig, dass sich Gemeinde zusammensetzt und mit einander spricht.

Was hast du gehört? Welche Worte, welche inneren Bilder sind bei dir hängen geblieben? Welche Vielfalt von Eindrücken und Ideen gibt es hier und heute Morgen im Gottesdienst?

Unsere Leistungsgesellschaft ist längst auch zum Seelsorgefall geworden. Es geht nur noch um Arbeitsplätze, um Einsparungen, um Kürzungen, um gerechte Rentenfinanzierung und um den richtigen Weg zu mehr Wirtschaftswachstum und mehr Gerechtigkeit.

Unweigerlich fragt man sich dann doch, wofür leben wir überhaupt noch? Und aufgrund welcher Gewissheiten leben wir noch? Und wer oder was sind wir eigentlich in diesem gigantischen Gewebe, das wir Leben und Kosmos nennen? Und das wir mit technischen Mitteln einigermaßen versuchen zu beherrschen, aber nie in den Griff kriegen.

Wofür leben? Was ist der Sinn? Und woher nehme ich eigentlich die Kraft, dieses Lebens, vorausgesetzt, es gibt einen Sinn, sinnvoll zu leben. Wie lebe ich denn in Wahrheit, hier und heute?

Nicht mehr alt werden, sondern ewig jung bleiben wollen. Keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sondern Makellosigkeit haben. Niemals leiden, sondern immer glücklich sein. Ist das das Leben, das wir anstreben?

Betrachten wir uns doch einmal die etlichen Werbeanzeigen in Illustrierten genauer, da wird einem doch der Eindruck, das Leben zu erhalten, suggeriert.

Leben heißt jung und attraktiv sein und auch bleiben. Leben bedeutet erotisch und anziehend sein. Leben ist ausgerichtet auf glücklich sein und frei zu sein. Leben ist geprägt von materiellem Reichtum und Konsum. Leben ist ausgerichtet auf Leistungsfähigkeit und Erfolg.

Hier muss ich auch an die Selbstmordattentate in Afghanistan und im Irak denken. Sie sind ohne ein finsteres Gottesbild nicht denkbar. Im Grunde geht es um eine geistige Auseinandersetzung, wer Gott in Wahrheit ist.

Und was ist das menschliche Leben in Wahrheit? Was ist sein Sinn?

Wir müssen schlank sein und dürfen nicht alt werden. Falten sind verpönt und schlechte Laune unerträglich. Fitness- und Sonnenstudios profitieren ebenso wie die Schönheitschirurgen. Pillen werden geschluckt, die uns das jugendliche Aussehen erhalten sollen. Bücher werden gelesen, wie man ein glückliches Leben führt bzw. wie man reich wird.

Eines allerdings können wir allerdings von diesem neuen Jahr jetzt schon sagen, jeder Tag wird eine jede und einen jeden von uns der Ewigkeit näher bringen. Liebe Gemeinde, ich denke, es hat mit uns selbst zu tun, ob wir uns dem ewigen Tod oder dem ewigen Leben nähern. Gott bietet uns das ewige Leben an.

Und Gott, liebe Gemeinde, möchte schon dabei ernst genommen werden und das Vorrecht in unserem Leben eingeräumt bekommen. Ja das Vorrecht in unseren Gedanken und das Vorrecht auch in unseren Gefühlen.

Was wollen wir mehr auf dem Weg in die Zukunft? Wir dürfen gewiss sein, dass der Weg in die Zukunft zu Gott geebnet ist. Ich wünsche uns allen, dass wir alle diesen Weg zu Gott finden und dass wir uns auf diesen Weg, den Jesus vorangegangen ist, einlassen können.

Möge das neue Jahr durch Gottes Geist, ein für uns alle gutes und segensreiches Jahr sein. Jesus selber geht an der Seite, er ist der, der für uns betet und unseren Glauben stärken will. Was wollen wir mehr?

Kein Geschäft und kein gesellschaftliches Ereignis können so wichtig sein, dass wir dem Höchsten nicht die schuldige Ehre erweisen und am wirklichen Leben vorbei leben. Jeden Tag nähern wir uns der Ewigkeit und darum lasst uns dafür Sorge tragen, dass wir unserem Herrn weiter entgegengehen Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 11.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 24.4.2011 20:16 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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