Predigt "Offene Türen"
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen
Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, auch Apokalypse genannt, ist ein Bericht über Visionen des christlichen Predigers Johannes, die ihm auf der Insel Patmos zuteil wurden. Auf dieser Insel vor der Küste Kleinasiens lebt er in der Verbannung.
Johannes, über den wir nichts Näheres wissen, lebt in einer Zeit, die von Unterdrückung geprägt ist. Gemeinden drohen den Glauben an Christus zu verlieren. Doch er ist zum Schweigen verurteilt. Denn der Machthaber in Rom kann sich Aufrufe zur revolutionären Veränderung, zum Widerstand gegen die Staatsgewalt im Mittelmeer-Raum nicht leisten.
Auf der Insel Patmos hatte Johannes viele Visionen, die er niedergeschrieben hat. Oftmals für uns unverständlich und so benötigen wir schon einige Zeit, wenn wir das Aufgeschriebene verstehen wollen. Die ersten Christen entdeckten einiges darin, was den Glauben an Christus und die Hoffnung von Christen zum Ausdruck bringt.
Visionen helfen eine neue Identität finden, weil sie uns Anteil am Leben des anderen geben. Wir kennen Augenblicke, in denen uns die Sehnsucht überkommt, wirklich sehen und schauen zu können. Mehr zu sehen, als wir augenblicklich mit unseren Augen wahrnehmen können. Wir ertappen uns auch dabei, wie schnell wir wegsehen, übersehen und durch einen anderen Menschen hindurch sehen.
Offb 15, 2 - 4
2 Ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, das mit Feuer vermischt war. Auf diesem Meer sah ich alle die stehen, die den Sieg über das Tier erlangt hatten und über sein Standbild und die Zahl seines Namens. Sie hielten Harfen in den Händen, die Gott ihnen gegeben hatte.
3 Sie sangen das Lied, das Mose, der Diener Gottes, verfasst hatte, und das Lied des Lammes:
»Herr, unser Gott, du Herrscher der ganzen Welt,
wie groß und wunderbar sind deine Taten!
In allem, was du planst und ausführst,
bist du vollkommen und gerecht,
du König über alle Völker!
4 Wer wollte dich, Herr, nicht fürchten
und deinem Namen keine Ehre erweisen?
Alle Völker werden kommen
und sich vor dir niederwerfen;
denn deine gerechten Taten
sind nun für alle offenbar geworden.«
Gute Nachricht 1997
Welche bildlichen Vorstellungen tauchen vor Ihrem Inneren auf, wenn Sie an Meer oder Wasser denken? Woran erinnern Sie sich, wenn sie die Worte: gläsern oder Kristall hören?
Das sind Gedanken und Bilder, die uns fremd sind. Ja, unverständlich und schwer zu verstehen. Gläsernes Meer mit Feuer vermengt. Was ist das? Das Tier, was mag damit gemeint sein?
Das Tier und seine Darstellung, hat viele Namen. Auch hier steckt für mich etwas dahinter, was nach ausgeliefert sein, klingt. Gerade in den Psalmen werden häufig von Menschen, die in bedrohlichen Situationen sind, Tiere benannt, die diese Menschen bedrohen und verfolgen.
Da gibt es den Sieg über Kräfte und Einflüsse dieser Zeit, die uns einreden wollen, es gäbe keinen Gott. Und wir spüren, dass Gottes Macht von ihnen nicht anerkannt ist und seine Gebote nicht gehalten werden und seine Zukunft nicht geglaubt wird. Welche tiefe Demütigung des Menschen in seiner Würde, welche Verletzung, welche Not und Erschütterung, welche Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Wahrheit sprechen sich hier aus?
Krumme Wege, Sackgassen und Abwege sind die Wege derer, die das Sagen haben, die an den Schaltstellen der Macht sitzen. Die Herren dieser Welt leben auf Kosten von uns Menschen, für die sie eigentlich zu sorgen haben.
Erahnen wir die Herausforderung für unsere Zeit?
Da gibt es den Sieg über Schwäche, Behinderung und Krankheit. Manche von uns sind wirklich sehr angegriffen und beeinträchtigt.
Warum muss ich dieses Leiden leben? Warum wurde mir diese lebenslängliche Last auferlegt? Wie reimt es sich mit Gottes Liebe zu mir, dass er mir das Glück der Ehe und Partnerschaft versagt oder dieses Unglück beschieden hat, von dem ich mich nie mehr erholen werde?
Du musst leiden, weil eben kein Gott nach dir sieht. Du bist krank, weil in dieser Welt und in deinem Leben alles dem Zufall überlassen ist.
Verfolgung, Folter und Tod, das war damals die Situation der Christen. Ihnen will Johannes sagen: Die Schrecken der Gegenwart sind schlimm, aber sie sollen nicht für ewig sein.
Dem ungerechten Gericht des Kaisers steht das gerechte Gericht Gottes gegenüber. Noch ist das strafende und zugleich heilende Gericht Gottes verborgen, aber am Ende soll es offenbar werden.
Es wartet die Erlösung, dann sollen sie alle singen, wie einst das Volk Israel gesungen hat, als es sicher die Jahre der Bedrückung und die Flucht aus Ägypten überstanden hatte: Herr, unser Gott, du Herrscher der ganzen Welt, wie groß und wunderbar sind deine Taten!
Nach einer langen Durststrecke von Not und Leiden werden alle einmal das Loblied von der Freiheit und der Erlösung singen.
Wir Christen sind, so denke ich, die freiesten Menschen aller Zeiten unter allen Regierungen. Denn das erste Gebot gebietet und erlaubt uns kritischen Abstand, gegenüber jeder Form von Macht und Gewalt, die gegen Menschen ausgeübt wird, zu nehmen.
Doch wen oder was fürchten wir? Den Verlust unserer Privilegien mehr als den Schaden unseres Lebens? Den Verlust unseres Ansehens mehr als die Bedrohung der Schöpfung?
Gott will, dass es uns gut geht in unserem Leben. Er will, dass wir zufrieden und fröhlich durch das Leben gehen können. Damit ist nicht ein „Spaßmacherdasein“ gemeint, sondern die fröhliche Zuversicht, dass wir von Gott getragen und behütet werden.
Jederzeit können wir mit unseren Sorgen und Nöten zu Gott kommen. Seine Tür steht für uns immer offen. Er hört uns, er versteht unsere Gedanken und auch unseren Kummer.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen