Predigt - Palmsonntag 2011
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.
Mit dem heutigen Sonntag, liebe Gemeinde, beginnt in unseren Kirchen die Woche mit dem Gedenken an die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus.
Zwei Tage waren es nur noch bis zum Passahfest und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohenpriester und Theologen suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List zu überwältigen und zu töten. Dies darf allerdings nicht während des Festes geschehen, damit es bloß keinen Volksaufstand gibt.
Jesus, er hielt sich gerade im Haus des Simons, des Leprakranken, auf. Was hier geschieht, das berichtet uns der heutige Predigttext.
Mk 14, 3 - 9
3 Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf.
4 Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander.
5 »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.
6 Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7 Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch.
8 Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
9 Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«
NGÜ 2009
Liebe Gemeinde, stellen wir uns doch einmal vor, wir wären damals in Bethanien mit dabei gewesen. Jesus, der Wanderprediger aus Galiläa, hat mit seinen Leuten ein bescheidenes Quartier in der Nähe Jerusalems gefunden.
Man sitzt gerade beim Essen. Ein Arme-Leute-Gericht ist aufgetragen. Es geht bescheiden zu im Hause Simons, im Haus eines einfachen Mannes, der einmal aussätzig gewesen war. Ja, man sitzt zusammen und isst.
Und dann kommt ungefragt in diese Männerrunde eine Frau und gießt Öl im Wert eines Jahresgehaltes auf Jesus. Die Jünger protestieren und dieser Protest scheint verständlich.
Was soll diese Verschwendung? Hätte es nicht eine kleine Menge auch getan? Muss es die ganze Flasche sein? So eine Verschwendung!
Was hätte ein frommer und mildtätiger Mensch mit dem Geld, das dieses Öl gekostet hat, Gutes tun können?
Hat diese Frau nicht all die Armen gesehen, die wegen der vielen Festpilger die Straßen bevölkern? Warum beschwert sich Jesus nicht darüber?
Als Rabbi, dem der Wille Gottes am Herzen liegt, hätte er doch protestieren müssen. Es hätte ihm zumindest peinlich sein müssen. Dieses Öl hätte man für mehr als dreihundert Silberstücke verkaufen und das Geld den Armen geben können.
Auch uns, wenn wir an die Aktionen: „Helft uns leben“ oder „Brot für die Welt“ um nur zwei Beispiele zu nennen, ist eine solche Argumentation, wie der der Jünger einleuchtend.
Ist das nicht Gotteslästerung, mit solch einer Kostbarkeit Jesus zu ehren, oder hätte man den Erlös vom Verkauf des Öles den Armen geben müssen?
Ist es eigentlich korrekt, Spenden zu sammeln um Kirchen zu sanieren, oder muss man alles den Armen geben? Warum geben wir unsere Kollekte für die Pflege der Kirchenmusik in unserer Gemeinde, oder muss man alles den Armen geben? Warum investieren wir so viel in unsere Gemeindefeste, oder muss man alles den Armen geben?
Über Verschwendung und Geiz bei unseren Mitmenschen, darüber können wir uns ganz schön aufregen. Wenn wir aber mal verschwenderisch sind oder gar vom Geiz befallen sind, dann ist das alles für uns nicht so schlimm. Wir handeln doch in einer guten Absicht.
Als die Frau aber die ganze Flasche des kostbaren Öls über Jesu Kopf schüttet, da kam Protest. Ein paar Tropfen hätten doch auch gereicht. Den Rest hätte sie doch versilbern können und den Armen schenken sollen. So denken nicht nur die anderen, sondern wir auch.
Die Frau aber, in unserem Predigttext, hat ganz andere Gedanken. Für sie ist es ganz wichtig Jesu gegenüber ihre Dankbarkeit und ebenso ihre Liebe zu zeigen. Und deshalb ist sie so verschwenderisch. Und Jesus?
Zwei Dinge sagt er dazu. Erst einmal stellt er sich auf die Seite der Frau: Sie hat erfasst, dass Jesus nicht mehr lange da ist. Jede Begegnung mit ihm ist die letzte Begegnung. Jedes Wort ist das letztes Wort. Jede Freundlichkeit ist die letzte Freundlichkeit. Jede Zärtlichkeit ist die letzte Zärtlichkeit.
Der Augenblick zählt mehr als das Nachdenken. Das warme, lebendige Gespür für eine Situation zählt mehr als die kühle, rechnende Vernunft.
Die Tat der Liebe ist wichtiger als das Geld. Und Liebe ist nun einmal großzügig und grenzenlos. Wer liebt, schaut nicht aufs Geld. Wer liebt, handelt auch unvernünftig.
Jesus ruft nicht zur Verschwendung auf. Er ruft nicht auf, das Leben immer nur spontan und mit dem Herzen zu leben. Er ruft nicht auf, den Verstand auszuschalten und unvernünftig zu handeln.
Jesus, er ruft auf, den Augenblick zu erfassen. Wenn gerade ein Mensch wichtig ist, dann ist anderes nicht so wichtig. Wenn gerade die Liebe wichtig ist, dann zählt anderes nicht. Wenn gerade Zuwendung dran ist, dann ist kühles Rechnen nicht ausschlaggebend. Dann kann es sein, dass auch einmal Verschwendung dran ist.
Nicht die Verschwendung von Energie, oder von Natur, von Wasser, von Rohstoffen oder von Lebensmitteln, was sowieso ja schon oft geschieht. Nein, sondern die Verschwendung von Liebe, von Zuwendung, von Zeit, von Aufmerksamkeit und von Zärtlichkeit usw.
Jesus, nein, er protestiert nicht. Er tritt für diese Frau ein.
Selbstverständlich, liebe Gemeinde, sollen auch die Armen versorgt werden. Jesus hatte sich immer für die Armen, die Hungrigen, sowie für die Durstigen und ebenso für die Mühseligen und Beladenen eingesetzt.
Hier gab es für ihn kein: Entweder die einen, oder die anderen, nein, für Jesus galt immer: sowohl als auch. Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Jetzt aber ist die Stunde, für Jesus Gutes zu tun.
„Denn mich habt ihr nicht mehr lange bei euch.“
Die Frau, sie salbt Jesus und mit ihrer Tätigkeit bestätigt sie uns zugleich, dass er der ersehnte Messias ist. Allerdings weiß sie nicht, dass ihr Handeln die vorweggenommene Totensalbung von Jesus ist.
Sie hat getan, was sie jetzt noch tun konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für das Begräbnis gesalbt.
Was auch immer die Jünger bewegt hat, gegen diese verschwenderische Frau zu protestieren, zum Schluss steht sie gerechtfertigt da. Sie handelt aus ehrlichem und reinem Herzen. Ja, sie verehrt Jesus und empfängt von ihm ungeahnte Anerkennung.
Überall in der Welt, wo in Zukunft die Gute Nachricht verkündet wird, wird auch berichtet werden, was sie getan hat. Ihr Andenken wird uns immer lebendig bleiben.
Ja, liebe Gemeinde, diese Frau, Markus nennt nicht mal ihren Namen, hat getan, was sie tun konnte. Warum? Nun, weil sie, so denke ich, erst an sich etwas hat tun lassen.
Und auch wir können erst dann tätig werden, d. h. uns zu Jesus hinwenden, wenn wir etwas an uns haben tun lassen. Wie soll dies geschehen? Nun es ist Jesus, der uns den Rücken frei macht und uns die Lasten der Sünden abnimmt und auch vergibt.
Wenn wir unsere Lasten schleppen, so kommen wir nicht weit. Vielleicht schleichen wir nur noch so dahin, brechen ab und sinken vor dem Ziel zusammen.
So sind wir nun mal. Wir verteilen das Gewicht unserer Lasten, je nach Bedarf mal auf die eine oder andere Seite unseres Lebens und scheuen nicht davor zurück unsere Nächste und unseren Nächsten mit einzubeziehen.
Unter diesen Umständen, liebe Gemeinde, können wir nichts tun, was wir eigentlich machen könnten. Viele Menschen warten darauf, dass wir etwas täten. Aber dazu kommt es bei uns nicht, da wir mit unseren Lasten viel zu viel zu schleppen haben.
Warum halten wir an unseren Lasten so krampfhaft fest? So können wir doch niemals das tun, was wir eigentlich tun könnten, uns zu Jesus hinwenden, in seiner Nachfolge stehen und unser eigenes Leben in seinem Geiste gestalten.
Ja, liebe Gemeinde, in seinem Geiste gestalten, so dass unser Leben nicht nur für uns ganz alleine da ist, sondern auch für unsere Nächste und unseren Nächsten.
In der Gegenwart leben. Mit den Gedanken da sein, wo man gerade ist. Nicht schon wieder weit voraus bei den Sorgen von morgen. Oder weit zurück bei dem, was nicht mehr zu ändern ist. Heute leben, jetzt leben, den Augenblick erfassen. Die Augen aufmachen, wach sein und aufmerksam sein.
Und dann den Menschen wahrnehmen, mit dem man gerade zu tun hat. Spüren, wer einen gerade braucht. Zeit haben für ihn und für sie.
In unserem Predigttext wird uns Jesus menschlich sehr nahe gebracht. Er ist Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Er speist mit den anderen und wird auf seinen Tod vorbereitet, obwohl die Frau nicht daran gedacht hat, Jesus, er ermahnt uns, die Armen in Zukunft nicht zu vergessen.
In dieser Woche sollten wir einfach mal alles beiseite lassen und uns auf die Hauptperson dieser Woche konzentrieren, auf Jesus Christus.
Er ist den Weg des Leidens bis zum bitteren Ende gegangen, damit wir Menschen Frieden haben und Erlösung finden. Wenn jemand Wege aus der Not weiß, dann ist es Jesus Christus. Zu ihm sollen wir jetzt kommen. Ihn sollen wir um Frieden und Gerechtigkeit bitten ja, für alle Menschen in Welt, besonders dort wo der Kriegslärm am lautesten ist.
Diesen Jesus, liebe Gemeinde, den sollen wir verehren. Er ist nicht nur der Anwalt der Armen, der Hungrigen, sowie der Durstigen und ebenso der Mühseligen und der Beladenen. Durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung ist er unser Erlöser.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.
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