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Predigt und Liturgie - Passionszeit

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen

Liebe Gemeinde, in der der Passionszeit geht es nicht nur um die Nachfolge von Jesus Christus, sondern auch um die ernsten Konsequenzen, die mit dieser Nachfolge verbunden sein können. Der Evangelist Lukas berichtet uns im Evangelium, dem heutigen Predigttext, davon, dass Jesus nach Jerusalem aufbricht. Zweimal hat er sein bevorstehendes Leiden und Sterben angekündigt, doch die Jünger und auch viele andere haben nur die großen Taten und Wunder vor Augen, die Jesus getan hat.

Viele sind unsicher und zögern und manche wissen nicht, wie sie sich entscheiden sollen. Allerdings will Jesus Klarheit schaffen. Entscheidung ist notwendig, doch niemand soll ihm mit falschen Vorstellungen nachfolgen. Menschen, die dem Herrn nachfolgen wollen, lassen sich problemlos auch in unseren Tagen finden. Begeisterte und ebenso unentschlossene Menschen begegnen uns auch in unseren Gemeinden. Etwas von dem einen oder dem anderen entdecken wir vielleicht auch bei uns.


Doch hören wir hierzu noch einmal den Predigttext nach der Übersetzung der Guten Nachricht aus dem Jahr 1997.

Text: Lk 9, 57 - 62
57 Unterwegs sagte jemand zu Jesus: »Ich bin bereit, dir zu folgen, ganz gleich, wohin du gehst«!
58 Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann«.
59 Zu einem anderen sagte Jesus: »Komm, folge mir«! Er aber antwortete: »Herr, erlaube mir, dass ich erst noch hingehe und meinen Vater begrabe«.
60 Jesus sagte zu ihm: »Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben! Du aber geh hin und verkünde, dass Gott jetzt seine Herrschaft aufrichten will«!
61 Ein anderer sagte: »Herr, ich will ja gerne mit dir gehen, aber lass mich erst noch von meiner Familie Abschied nehmen«!
62 Jesus sagte zu ihm: »Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, den kann Gott nicht gebrauchen, wenn er jetzt seine Herrschaft aufrichten will«.      Amen
(Gute Nachricht 1997)


Drei Menschen stehen vor der Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Doch zuvor will sich ein jeder auf seine Weise dazu bereit machen. Und Jesus sagt jedem etwas Besonderes und doch das Gleiche. Denn Jesu Nachfolge schließt das Außergewöhnliche ein, welches man bereit sein muss zu tun. Einer vernimmt den Ruf Jesu: „Komm, folge mir!“ Obwohl dies doch eine Zumutung ist, erklärt sich dieser generell dazu bereit. Allerdings bittet er noch um ein wenig Aufschub, da er sich zu Hause verabschieden will. Dies gebietet nicht nur der Anstand und die Höflichkeit, nein, sondern auch die Liebe zu unseren Nächsten.

Und trotzdem wird ihm diese nahe liegende Bitte von Jesus abgeschlagen. Ganz schön hart, liebe Gemeinde, das passt so gar nicht in das Bild, das wir von Jesus haben und das uns vertraut ist. Jesus schneidet jede weitere Diskussion mit der Aufforderung zur sofortigen, radikalen, ja rücksichtslosen Entscheidung ab: »Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, den kann Gott nicht gebrauchen, wenn er jetzt seine Herrschaft aufrichten will«.

Nun sind wir aber alle verschieden. Eine Jede und ein Jeder von uns hat einen anderen Lebenslauf, andere Voraussetzungen, andere Fähigkeiten und andere Gaben. Deshalb kann unser Weg in der Nachfolge auch sehr unterschiedlich sein. Nachfolge bedeutet nicht, dass alle gleich sein müssen oder gar das gleiche tun müssen. Es heißt aber, dass wir einen Herrn haben und ein Ziel. Unser Lebensweg geht auf ihn zu und am Ende werden wir bei ihm sein.
Heute wird über die Nachfolge Jesu Christi kaum noch gesprochen. Vielleicht auch deshalb, weil diesem Wort etwas Düsteres anhaftet. Nachfolge bedeutet nicht in erster Linie, Jesus in den Tod zu folgen, nein, sondern ins Leben. Es heißt, dem Ruf, der Einladung zu einem Leben mit Gott im Sinne und Geiste Jesu Christi zu folgen.

In unserem Predigttext werden drei Gespräche geschildert. Sie alle drei haben einen Grundgedanken, der sie verbindet. Um Jesu Nachfolge können wir uns nicht bemühen oder gar bewerben. Wir können sie auch nicht aufgrund eines Beschlusses aufnehmen. In die Nachfolge Jesu müssen wir berufen werden und zwar von ihm selbst. Oder anders ausgedrückt, nur wenn eine Berufung Jesu vorliegt dann gibt es Nachfolge.

Wenn es so ist, dass man von Jesus berufen sein muss und sich selbst nicht um die Nachfolge bemühen kann, dann fragt man sich doch: Beruft Jesus auch heute noch? Wenn ja, wen beruft er und wie beruft er? Wir alle, die wir getaufte Christen sind, wurden mit der Taufe berufen, unser Leben im Sinn und Geiste Jesu Christi und nach dem Willen und den Zusagen Gottes zu leben und ebenso auch unsere Nächsten für den Glauben und die Liebe zu begeistern. Nachfolge heißt ja, sich aufmachen, aufbrechen und sich von einem anderen den Weg zeigen zu lassen.

Mit Jesus ans Ziel kommen kann nur, wer ihm nachfolgt. Wer sich andauernd an alten Dingen festhält und immer wieder aufhalten lässt, wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, den kann Gott nicht gebrauchen. Wer vergangenen Zeiten nachtrauert, der verliert das Ziel aus den Augen und den, der vorangeht.

Wir dürfen mit Jesus neu aufbrechen ohne zurückzusehen.
So lange wir auf ihn sehen und hören, kann uns von dem neuen Weg mit Jesus eigentlich nichts abhalten. Auch nicht alte Schuld, früheres Leid, und Enttäuschungen der Vergangenheit. Sicher, oft sehen wir das Ziel noch nicht und Hilfe ist noch nicht in Aussicht. Aber Nachfolge hat auch mit Vertrauen zu tun. Und zwar mit dem Vertrauen: Herr, der Weg, den du mich führst, auf den du mich leitest, der ist gut und führt zum Ziel.

Jesus, liebe Gemeinde, zeigt uns, dass zu einem menschlichen Leben in dieser Welt und vor Gott mehr gehört. Jesus zeigt uns, dass wir uns selbst zurückzunehmen haben, unsere Nächsten im Blick haben und auch das Leiden auszuhalten haben. Den Weg, den uns Jesus anbietet, liebe Gemeinde, der uns zum ewigen Leben führt, auf dem sind wir alle auch schon ein Stück gegangen; es ist der Weg der Nachfolge. Wer zum ewigen Leben gelangen will, der sehe von sich ab, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Jesus nach. Es ist mit Sicherheit kein bequemer und leichter Weg.

Wer diesen Weg von uns mitgeht, muss wissen, was er oder sie tut. Ganz klar heißt es: Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen.
Das Kreuz auf sich nehmen, das heißt auch seine eigene Schuld einzugestehen, sich selber gegenüber ehrlich zu sein und nicht um jeden Preis Recht haben wollen. Das Kreuz auf sich nehmen, das heißt auch verzeihen können, wenn mein Nächster schuldig geworden ist. Das Kreuz auf sich nehmen, das heißt, die eigenen Wünsche und Lebensvorstellungen zurückzustellen oder gar zu verändern, wenn diese meinen Nächsten schaden. - Verlust ist Gewinn.

Man opfert und wird reich dabei, man gibt sich hin und findet sich selbst. Ja, wir sind für unsere Nächsten da und spüren Erfüllung wie nie zu vor. Schritt für Schritt vertraut man sich der Führung Gottes an und man merkt, dass Gott es besser bedacht hatte als wir. So schenke uns Gott, dass wir in den kommenden Wochen der Passionszeit ein Stück mehr vom Weg Jesu begreifen und erfahren dürfen, der vom Tod zum Leben führt.   Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus      Amen

Liturgie

Wochenspruch:

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Lukas 9,62

Kyrie

Herr,
dir zu folgen
ist nicht leicht.
Was du sagst
und was du tust
ist uns oft fremd,
widerspricht dem,
was wir denken,
was wir fühlen,
was wir für richtig halten.
Darum scheitern wir auch immer wieder daran,
die Wege zu gehen,
die du uns aufgezeigt hast.
Dabei liegt nur in ihnen die Zukunft,
die Leben verspricht.
Kyrie Eleison ...

Kollektengebet

Herr,
wir blicken oft zurück.
Doch du blickst nach vorn.
Wir sehen auf das Vergangene,
doch du siehst unsere Zukunft.
Wir wollen erkennen,
dass du uns eine neue Zukunft versprichst,
eine Zukunft,
die jeglichen Ballast abgelegt hat
und frei ist für das wahrhaftige Leben.
Das bitten wir dich,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
lebst und regierst
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Fürbitten

Herr,
hilf uns,
dass wir uns nicht gefangen nehmen lassen von dem,
was hinter uns liegt,
sondern uns befreien lassen von dem,
was du für uns bereit hältst.
Hilf uns,
dass wir nicht damit aufhören,
dir zu folgen,
auch wenn es uns nicht immer leicht fällt.
Hilf uns,
dass wir miteinander umgehen als Menschen,
die deine Zukunft noch vor sich haben.
Hilf uns,
dass wir niemandem deine Zukunft absprechen.
Hilf uns,
dass wir deine Zukunft nicht aus den Augen verlieren,
auch wenn uns der Alltag daran hindern will.
Hilf uns,
dass wir Menschen Mut machen,
die für sich keine Zukunft mehr sehen.
Hilf uns,
dass wir Menschen trösten,
die Vergangenem nachtrauern.
Hilf uns,
dass wir mit dir
das Antlitz dieser Erde verwandeln.

Erstellt: 13.4.2009
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:58 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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