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Predigt und Liturgie - Reformation

Reformation:
den Menschen zur Klarheit verhelfen
und die Freiheit des Glaubens erneuern

Text: Die Lutherrose

Liebe Gemeinde!

Was verbinden Sie mit dem 31. Oktober?
Da hat mein Bruder Geburtstag.
Da  machen wir ne Halloweenparty.
Tolles langes Wochenende in diesem Jahr. Nutzen wir zum Wellnessurlaub.
War da nicht was mit Luther und so?
Da gehen wir zur Halloweendisco.
Ein Tag vor Allerheiligen.
Nichts Besonderes.
Da kommen doch die Gruselgestalten und verlangen Süßes oder Saures.
Luthers Thesenanschlag.

Gewiss ist diese kleine Umfrage nicht repräsentativ. Doch macht sie schon deutlich, dass der 31. Oktober im Land der Reformation nicht mehr selbstverständlich mit Luther und seinem Anliegen verbunden wird. Vielmehr breitet sich auch in Deutschland Halloween aus. Immer mehr Gruselfreunde finden Gefallen an diesem Fest. "Süßes oder Saures" - so lautet der Schlachtruf der Kinder, die als Hexen, Geister oder Skelette verkleidet am Vorabend des 1. November durch die Straßen von Haus zu Haus ziehen. Die Bewohner der Häuser kaufen sich frei, indem sie den kleinen Monstern schleunigst eine Handvoll Leckereien aushändigen. Wer sich nicht auslöst, muss damit rechnen, das Opfer übler Streiche zu werden.

Die Reaktionen auf Halloween sind unterschiedlich. Die einen sprechen von einem fantasievollen Spiel, andere von dümmlichem Mummenschanz. Fest steht, dass der Gruselboom die Herzen von Geschäftsleuten höher schlagen lässt. Marketingfachleute haben es geschafft, ihre Schauerprodukte unter die Leute und vor allem an die Kinder zu bringen. Ein Heidenspaß! Schaufenster und Regale lassen sich damit trefflich füllen.

Von Jesus wird berichtet, dass er im Jerusalemer Tempel die Tische und Stände der Händler umstürzte, die dort während des Passahfestes ihre Umsätze machten. Er wollte nicht, dass der Tempel zur "Räuberhöhle" wurde. Die Tempelhändler mögen sich darüber geärgert haben. Aber Jesus ging es darum, dass der Wunsch nach Umsatz nicht über die Seele der Menschen herrscht.

Halloween ist kein christliches Ereignis. Es wird in der Kirche auch nicht gefeiert. Die Vorstellung, dass die Geister Verstorbener als böse Geister wiederkehren, verträgt sich nicht mit dem christlichen Glauben. Für ihn sind die Verstorbenen bei Gott geborgen; sie brauchen nicht umherzugeistern. Der evangelischen Kirche ist auch nicht gleichgültig, dass dieses Spektakel ausgerechnet am 31. Oktober über das Land der Reformation hereinbricht. Wir können den Reformationstag nicht zugunsten  einer Gruselparty aufgeben. Denn die Reformation hat den Menschen aus falschen Abhängigkeiten und den damit heraufbeschworenen Ängsten zur Klarheit verholfen und die Freiheit des Glaubens erneuert.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt" - mit diesem Slogan zogen Ablasshändler zu Luthers Zeiten den Menschen das Geld aus den Taschen. Luther widersprach der Auffassung, dass der Mensch sein Heil kaufen könne. Er rief seine Kirche zur Umkehr. Dem dienten die 95 Thesen, die am 31. Oktober 1517 an der Tür der Wittenberger Schlosskirche zu lesen waren. Er rief die Kirche zu ihrem Ursprung und erneuerte sie.

Es war nicht seine Absicht gewesen, damit eine Kirchenspaltung zu betreiben. Ihm ging es um eine Reformation seiner römisch-katholischen Papstkirche, nicht mehr aber auch nicht weniger. Eine Lehre, die die evangelischen Kirchen daraus gezogen haben, war ein Anspruch, den sie sich selbst zumuteten: ecclesia semper reformanda est - die Kirche muss sich selbst immer wieder reformieren. Sie darf nicht still stehen, nicht in feste Strukturen erstarren und nur Traditionspflege betreiben. Daher gehört es zum protestantischen Verständnis von Kirche, dass sie sich selbst und wie sie ihrer eigentlichen Aufgabe, einen gnädigen Gott zu predigen, nachkommt, immer wieder in Frage stellt. Das zu feiern ist allemal besser als Halloween.

In Ihren Händen halten Sie eine Vorlage, die Lutherrose. Sie ist das Wappen Luthers und versinnbildlicht seine reformatorische Erkenntnis.

Detlev Block (* 1934 in Hannover) ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand, Professor, Schriftsteller, Lyriker und Kirchenlieddichter. Er hat zur Lutherrose einige Gedanken in gebundener Form geschrieben, die nun  zwei Katechumenen vortragen werden.

1. Das Kreuz steht fest und zeichenhaft im Herzen.
Es tötet nicht, denn unter Angst und Schmerzen
hat der Gekreuzigte das Heil gebracht.
Sein Kreuz bringt erst das rote Herz zum Leuchten,
weil nur der Glaube uns lebendig macht.
Er schenkt uns Kraft und ein erhöhtes Haupt.
Man wird gerecht, wenn man von Herzen glaubt.

2. Das Herz mit Kreuz erschreckt kein Weltgetose.
Es schlägt inmitten einer weißen Rose.
Sie zeigt, dass Glaube Trost und Frieden bringt.
Nicht wie die Welt, die um die rote Rose
von zweifelhafter Lust und Ehre ringt.
Die Farbe für den Geist und Engelkreis
ist fröhlich glänzend das erlöste Weiß.

3. Die Rose ist von Himmelsblau umworben.
Es kündet an: Die Zukunft kommt von oben.
Schon ist ein Hauch von ew’ger Freude nah,
vom Atem Hoffnung sind wir schon ergriffen.
Doch noch ist Gottes Reich nicht sichtbar da.
Wir stehen, weil uns das Kreuz am Leben hält,
erwartungsvoll im offnen Himmelsfeld.

4. Mein ist das Kreuz und weiß mich zu erretten.
Mein Herz darf sich in weißer Rose betten
und jetzt schon wie im Himmel selig sein.
Ein Ring aus Gold, wie Gottes Freude kostbar,
fasst diese Seligkeit für immer ein.
Die Traurigkeit der Welt wird klein und stumm.
Vivit! Er lebt! So steht es klar rundum.
Detlev Block (Aus „Erde, atme auf“.)

Luthers Deutscher Messe
Die Lutherrose dürfen Sie als Geschenk mitnehmen und  sich daran erinnern lassen: ein jeder Tag ist ein kleiner Reformationstag. Tagtäglich geht es um die Bewahrung der in Gott verankerten Freiheit. Denn das Reformationsfest ist kein nostalgischer Blick in ein Wittenberger Museum. Vielmehr geht es um rettende Klarheit für heute und morgen.
Dazu ruft uns der Reformationstag auf: Acht zu haben, was im Glauben und Leben wirklich wichtig ist.

So will ich zum Schluss an die zwei berühmt gewordenen Sätze aus Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen" erinnern.

"Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan."

Und:

"Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."

Unter dem Begriff "Freiheit" findet sich im "Deutschen Wörterbuch" von Jakob und Wilhelm Grimm folgender Hinweis:

"der älteste und schönste ausdruck für diesen begrif war der sinnliche ‚freihals’, [...] ein hals, der kein joch auf sich trägt".

In der doppelten These aus Luthers Freiheitsschrift klingt dieser Sinn von Freiheit ebenso deutlich an wie im Bild des Paulus von dem Menschen, der das Joch der Knechtschaft hinter sich hat. Das Privileg des freien Halses gilt Luther als Metapher für die Freiheit der Getauften. Denn sie haben das Privileg, auf Gottes Güte und seine Vergebung zu vertrauen. Sie können für sich und andere beten und mit einer Antwort rechnen. Sie können verletzten und schwierigen Menschen mit Liebe und Achtung begegnen, ohne sie mit Besserungsprogrammen zu überfordern. Die mit dem freien Hals, die Getauften, haben das Privileg, auf unmäßige Ansprüche an sich selbst und andere zu verzichten. Dies alles sind Früchte des Glaubens, die in unserer Lebensgeschichte mit der Taufe ihren Anfang nimmt. Beugt euch vor Gott, sonst vor niemandem auf dieser Welt! Es sei denn für andere. Darum gilt: Kein Rückfall unter das alte Joch alter und neuer Gruselgestalten. Amen.

Liturgie

Orgelvorspiel

Begrüßung mit Verlesung der Abkündigungen

Lied: 673,1-3 Ich lobe meine Gott

Liturgischer Gruß: Im Namen des Vaters....  Der Herr sei mit euch

Gem:   und mit deinem Geist

Psalm 46 unter EG 724 im Wechsel mit der Gemeinde

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.
Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein,
da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.
Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben;
Gott hilft ihr früh am Morgen.
Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen,
das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.
Der Herr Zebaoth ist mit uns,
der Gott Jakobs ist unser Schutz.
Kommt her und schauet die Werke des Herrn,
der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,
der den Kriegen steuert in aller Welt,
der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.
Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!
Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.
Der Herr Zebaoth ist mit uns,
der Gott Jakobs ist unser Schutz. Kommt lasst uns ihn anbeten!

Gem: Ehr sei dem Vater

Eingangsgebet

Wir beten: Ich komme aus der Unruhe des Tages, mit all den Gedanken, die ich mir mache über mein Leben und den Zustand der Welt.
Ich komme mit meinen Sorgen und Ängsten, mit meiner Sehnsucht und Hoffnung.
Hier ist ein Ort der Stille, des Gebets, der Gemeinschaft.
Viele Menschen waren vor mir hier. Sie sind ermutigt und getröstet worden.
Hier kann auch ich aufatmen, meine Unruhe und meine Last ablegen
und darauf vertrauen, dass du, Gott, nahe bist, mich ansprichst und aufrichtest.
Darum rufen wir zu dir. Herr, Gott, erbarme dich.
Gem: Herre, Gott, erbarme dich

Zuspruch:

Der Apostel Paulus erinnert uns als Einzelnen wie als Gemeinde an das Fundament des Glaubens:

„Da wir nun  gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“
(Römer 5,1)

Darum gebt Gott die Ehre!

Gem: Ehre sei Gott in der Höhe

Lobvers: EG 129,1

Freut euch, ihr Christen alle, Gott schenkt uns seinen Sohn;
lobt ihn mit großem Schalle, er sendet auch vom Thron
des Himmels seinen Geist, der uns durchs Wort recht lehret,
des Glaubens Licht vermehret und uns auf Christus weist.

Kollektengebet:

Lasst uns beten:
Wir bitten dich, Herr, für deine Kirche.
Gib ihr den Mut, sich aus deinem Wort zu erneuern.
Hilf ihr, nach dem Weg zu fragen, den du sie führen willst.
Bei dir sollen wir geborgen sein.
Gib uns Zutrauen zu deiner Gemeinde.
Lass uns Menschen begegnen, deren Leben dich bezeugt.
Gib deiner Gemeinde Menschen, die ihr gern dienen.
Du willst alle Tage mit uns sein.
Darum loben und preisen wir Dich, Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist,
der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit

Gem: Amen.

Schriftlesung (vom Lesepult aus)

Wir hören einen Abschnitt aus dem Römerbrief: Kapitel 3, Vers 21- 28

21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.
22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied:
23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,
24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt,
26 die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.
27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.
28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Halleluja. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Halleluja.

Gem: Halleluja
Gemeinde steht auf – Eine/r kommt nach vorne zum Lesepult zur Evangeliumslesung

Evangeliumsankündigung: Das Evangelium steht bei Matthäus 5,1-10

Gem: Ehr sei dir o Herre

Lesung des Evangeliums

Die Seligpreisungen

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3 Selig sind,  die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Gem: Lob sei dir o Christe

Lied: EG 341, 1-4 Nun freut euch liebe Christengemein

Predigt

Lied: EG 362, 1-4 Ein feste Burg ist unser Gott

Glaubensbekenntnis

Lasst uns gemeinsam den Glauben bekennen:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels
und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 678,1-4  Wir beten für den Frieden

Fürbittengebet

Wir stehen auf – Pause – Wir beten
1. Wir bitten dich, Gott, für unsere Kirche
Hilf, dass sie zu einem Ort wird,
an dem dein Wort und deine Liebe lebendig werden.
Wir bitten dich: Erneuere uns.
2. Wir bitten dich für das Miteinander der Völker.
Lass nicht zu, dass Misstrauen und Ungerechtigkeit
unsere Welt spalten.
Wir bitten dich: Erneuere uns.
3. Wir denken an die Schwachen und Kranken.
Hilf ihnen, dass sie sich ihrer besonderen Stärken bewusst werden.
Schenke uns Geduld miteinander.
Wir bitten dich: Erneuere uns.
4. Wir bitten dich, Gott, für alle,
die in Kirche und Gesellschaft kritisch ihre Stimme erheben.
Hilf ihnen, dass sie nicht zerrieben werden.
Lass sie für uns zu einem bleibenden Stachel werden.
Wir bitten dich: Erneuere uns.
5. Wir bitten für uns selbst,
dass wir weder falschen Idealen nachlaufen noch resignieren.
Gib uns durch Dein Wort Weisung und stärke uns auf dem Weg des Glaubens.
Wir bitten dich: Erneuere uns.
6. Und alles, was uns bewegt an Dank und Fürbitte legen wir in die Worte,
die Du uns gelehrt hast: Vaterunser…

Vaterunser

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Lied: EG 395,1-3 Vertraut den neuen Wegen

Orgelnachspiel (Gemeinde bleibt dabei sitzen)

Erstellt: 5.11.2007
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 17:07 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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