Predigt "Rückblick 2008"

Text: Jesus Christus spricht:  Ich lebe und ihr sollt auch leben Johannes 14,19

Liebe Gemeinde!
Wir wollen heute Abend das alte Jahr bedenken und Gott danken für alles, was in diesem Jahr an Gutem und Schönen erleben durften, aber auch an Bitterem und Schweren erleiden mussten. Wir wollen dies sowohl für uns Einzelne, aber auch für die Gemeinschaft als Ganzes tun.
Die Jahreslosung aus dem Johannes Evangelium hat uns begleitet:  Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

1. So freue ich mich immer wieder darüber, dass Eltern für ihre Kinder die Taufe wünschen. So zünde ich diese Kerze für alle 15 Getauften /W 11/G 4) an. Ich wünsche ihnen, den Eltern und Paten, dass  der Taufspruch wie ein Wegweiser sein möge.

2. In diesem Jahr wurden 27 junge Menschen (19 W / 8 G)  konfirmiert. Ich habe ihnen versucht zu vermitteln, dass die Bibel wie eine Schatzkiste ist. In ihr  finden sich Gottes Worte für Zeit und Ewigkeit. Ich wünsche ihnen, dass ihr Denkspruch ein guter Wegweiser werde und bleibe.

3. Drei Paare (2 W / 1 G)  ließen sich trauen. Es waren sehr intensive Gespräche und es bleibt zu wünschen, dass sie im Wort Gottes den Routenplaner erkennen. Dankbar waren und sind wohl die vielen Ehepaare, die in diesem Jahr ihre Goldene Hochzeit, ihre Diamantene und ein Ehepaar in Guldental ihre Eiserne Hochzeit  feiern durften. Sie sind ein besonderes Zeitzeichen christlichen Glaubens. „Wohl erprobt sich die Liebe in der Treue; aber sie vollendet sich erst in der Vergebung.“ (Werner Bergengruen)

4. 10mal in W und 11mal in G haben wir in diesem Jahr Abschied von Gemeindegliedern nehmen müssen. Dankbar bin ich für die gute Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und Sozialstationen. Bewegend und erschütternd bleibt der Tod eines Zweiundzwanzig jährigen. Die Verzweiflung und seelische Not der Eltern bleibt. Viele durften nach einem Erfüllten Leben die Augen schließen. So zuletzt in G frau L.F. und in W Frau G.K.
Für sie und alle vom Tod Betroffene zünde ich eine weitere Kerze an.  „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Röm 14,6)

5. Immer wieder kehren Menschen stillschweigend der Kirchengemeinde den Rücken. Es mag vielleicht an der zu zahlenden Kirchensteuer oder dem besonderen Kirchgeld liegen. Oft aber liegt eine tiefe Enttäuschung zugrunde. Es wird nichts mehr von der Kirche erwartet. 7 W und 5 G haben den endgültigen Schritt vollzogen. Ungezählte andere haben sich zurückgezogen in ihren Groll. Es bleibt die Frage, was haben wir als Gemeinde versäumt, dass Menschen den Zugang zur Kirche als Organisation, den Zugang zum Glauben verloren haben.
Zugleich gab es in W 4 Eintritte. Menschen, die jahrelang der Kirche den Rücken gekehrt hatten, sind der Gemeinschaft wegen wieder eingetreten. Sie haben neu ihre geistliche Heimat entdeckt. Für sie alle zünde ich eine weitere Kerze an.

6. Im Gemeindeleben fanden im Februar die Presbyteriumswahlen statt. Dankbar bin ich allen, die sich zur Kandidatur bereit erklärt haben; denn das neue Wahlgesetz ist unrealistisch und praxisfern. Das trotz alledem ein Weg gefunden wurde, vor Ort zu wählen und damit die Verantwortung in jedem Gemeindereich, in W wie in G zu stärken, dafür bin ich dankbar. Die alten wie die neuen Mitglieder haben sich den umfassenden Anforderungen bereitwillig gestellt. Das sie mit Freude ihr Amt weiterhin ausüben, dafür zünde ich eine weitere Kerze an.

7. Die Chöre haben auch in diesem Jahr unzählige Auftritte gehabt. In Gottesdiensten, bei Jubiläen, in Konzerten und auf der Landesgartenschau in Bingen. Sie haben mit ihrer Stimme, mit ihrem Instrument dazu beigetragen, dass die gute Botschaft weiter getragen wird. Es bleibt zu wünschen, dass sich dadurch andere Gemeindeglieder ansprechen lassen, ihre Stimme in die Chöre einzubringen. Vielleicht finden Sie im neuen Jahr mal Zeit, um bei einer Probe mitzumachen. Kinderchor, Kirchenchor und Posaunenchor freuen sich darauf. Aus Dankbarkeit und in der Bitte um Unterstützung zünde ich die Kerze an.

8. Den gesellschaftlichen Wandel spürt vor allem unser Kindergarten  in Guldental. War vor einigen Jahren noch eine Schließung angedacht, so stellen sich heute ganz andere Probleme: Aufnahme von Kleinkindern unter 2 Jahren, die Übermittagsbetreuung, ein warmes Mittagessen. Damit ist kein Personalabbau mehr angesagt, sondern Personalaufstockung notwendig. Und das zu einer Zeit, wo  es schwierig scheint, geeignetes Personal zu finden. Für die Kinder und ihre Erzieherinnen, für die engagierten Eltern, für die Mitwirkenden im Förderkreis und Elternausschuss zünde ich die Kerze an.

9. Den vielen Ehrenamtlichen unserer Gemeinde gilt ein besonderer Dank, ob als Mitwirkende/r im Gottesdienst, bei den Treffpunktgottesdiensten oder zuletzt am 2. Weihnachtsfeiertag, ob als Spender/in von Blumen für die Kirche, ob als Austräger/in  des Gemeindebriefes, oder in den verschiedenen Gemeindekreisen. Nicht immer erfahren sie den gebührenden Dank. Darum hat sich der Dankeschönnachmittag als ein kleines jährlich wiederkehrendes Zeichen etabliert. In diesem Jahr gab es einen musikalischen Dank. Persönlich möchte ich allen „Stillen“ in unserer Gemeinde danken: Die für ihre Kirchengemeinde eintreten, auch wenn sie sich oft Kritik gefallen lassen müssen. Die ohne große Worte hie und da anpacken, ohne dass ich es bewusst registriere. Die einfach ihre Hände falten und für unsere Gemeinde beten, vertrauend auf das Wort Jesu: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Mt.7,7)

10. Die Ökumene vor Ort ist auch in diesem Ort auf vielfältige Weise mit Leben gefüllt worden. Die gemeinsamen Gottesdienste an Oster- bzw. Pfingstmontag, die Kerbegottesdienste, am Weltgebetstag der Freuen, die Bibelwoche, der ökumenische Kreuzweg in Guldental und das Gemeinschaftskonzert am 3. Advent in Windesheim legen davon ein beredetes Zeugnis ab. Leider wird  der ökumenische Arbeitskreis sich wegen Mangel an Interessierten nicht mehr treffen. Alles hat seine Zeit, sagt schon der Prediger. Doch dankbar bleibt mir in Erinnerung, welch wichtigen Beitrag dieser Arbeitskreis für das gegenseitige Kennenlernen der Konfessionen in ihrer Vielfalt beigetragen hat. Dafür zünde ich diese Kerze an.

11. Dankbar bin ich für die vielen Unterstützer aus unserer Gemeinde des Projektes Kinderfamilien in unserem Partnerkirchenkreis Rubengera (Rwanda) und für die Unterstützung der Partnergemeinde in Lublin. Bewundernswert, wie Frau S.I. trotz ihrer schweren Erkrankungen die diakonische Arbeit mit ihren Frauen begleitet und ausbaut. Auch die Spenden und Kollekten für die Aktion Brot für die Welt haben gezeigt, dass uns als Einzelne wie als Gemeinde der Blick für den „fernen Nächsten“ nicht verloren gegangen ist. Dass es  für die Ärmsten immer wieder hell werde und es Lichtblicke der Hoffnung gebe, darum zünde ich eine Kerze an.

12. Auch für das kommende Neue Jahr schenkt uns Gott seine Verheißung.
Das bedeutet nun gerade nicht, auf Freiheit und Freiheiten zu verzichten, sich Wege vorschreiben zu lassen und keine selbstständigen Entscheidungen mehr treffen zu dürfen. Im Gegenteil! Wer sich von ihm durchs Leben führen lässt, wird bald merken, dass uns mehr Möglichkeiten gegeben werden, als sie uns eine Optionsgesellschaft bieten kann. Denn der Glaube findet auch dort noch Wege, wo die Vernunft in eine Sackgasse geraten ist. Es gibt kein verlässlicheres Navigationssystem, das uns durchs Leben bringt, als das lebendige Wort Gottes. So lege ich Ihnen allen die Jahreslosung für 2009 aus Lukas 18,27
ans Herz: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Amen

Erstellt: 21.1.2009
Zuletzt aktualisiert: 15.4.2010 14:25 Uhr
Redakteur: Simone Schreiner