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Predigt und Liturgie - Rückblick 2009

Jahresende – Jahreswende

Text:

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Lukas 18, 27

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich!
Joh 14,1

Liebe Gemeinde!
Heute Abend stehen wir an der Grenze zwischen zwei Jahren. Eine gesetzte, künstliche Grenze, denn eigentlich ist der Wechsel von heute zu morgen ja auch nicht anders als der Wechsel von gestern zu heute oder jeder andere Tageswechsel. Aber dieser Wechsel hilft uns, in der Gleichförmigkeit der Alltagsroutine einmal im Jahr innezuhalten und bewusst sowohl zurück als auch nach vorne zu blicken. Wovon war das vergangene Jahr geprägt? Welche Bilder sind haften geblieben? Die Jahresrückblicke in den Medien erinnern uns an: die Diskussion um Schweinegrippe und Impfstoffe; die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise mit den Kämpfen um Arbeitsplätze; die vielen politischen Wahlen im In- und Ausland, mit deren Folgen wir uns nun auseinandersetzen müssen; der Tod des "King of Pop" Michael Jackson; die gescheiterte Klimakonferenz; Menschen, die am Leben in unserer Gesellschaft gescheitert sind und auf je eigene Weise fatale, leidvolle Schlüsse daraus gezogen haben, wie der siebzehnjährige Tim, Amokläufer von Winnenden, oder der Fußballnationaltorwart Robert Enke, der Selbstmord beging ...

Auch als Gemeinde ziehen wir Bilanz, addieren die Zahl der Getauften, der Ausgetretenen, der Verstorbenen usw. Doch das Wichtige sind nicht die Zahlen. Es geht nicht darum, dass "unterm Strich die Bilanzen stimmen". Wichtig sind die ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, die mit jeder einzelnen dieser Zahlen verbunden sind. Denn als christliche Gemeinschaft sind wir dazu berufen, einander auf den Lebenswegen zu begleiten und Anteil zu nehmen, so wie Jesus Anteil am Schicksal der Menschen genommen hat.

Begleitet hat uns die Jahreslosung aus dem Lukasevangelium: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Es ist eine Einladung sich Gott anzuvertrauen, besonders an den Grenzen des uns Menschenmögliche. Es ist eine Einladung zu jener Glaubenszuversicht, die einer mal so ausdrückte: Wo uns die Tür zugeschlagen wird, da öffnet Gott eine Fenster.

So durften wir uns  im Januar am Dankenachmittag für Ehrenamtliche von dem ökumenischen Männerkochkurs mit einem graßartigen Menü verwöhnen lassen. Mittlerweile gibt es einen zweiten Männerkochkurs. In diesem Rahmen wurde besonders den beiden Küstern gedankt, die trotz 50% Kürzung ihrer Arbeitsstunden weiterhin sehr getrau und gewissenhaft ihren Dienst tun. Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Die Tauferinnerungsgottesdienste gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil und erfreuen sich für Kinder, Eltern und Paten einer großen Beliebtheit. Den ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die ihren sonntäglichen Dienst so treu und gewissenhaft tun, sei daher nochmals zu danken, insbesondere für die vielen phantasievollen Anregungen, Glauben weiterzugeben. Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

So haben sich die diesjährigen Konfirmanden und Konfirmandinnen mit dem Thema. „Der Gerechtigkeit ein Gesicht geben“ sehr intensiv und ernsthaft auseinandergesetzt und davon in ihrem Vorstellungsgottesdienst überzeugend berichtet. Einige haben nach ihrer Konfirmation den leeren Jugendraum in Windesheim wieder neu her- und eingerichtet und beim 2. Jugendgottesdienst im Dezember mitgewirkt. Schon der 1. Jugendgottesdienst im Januar hatte gezeigt, dass junge Menschen ansprechen und bewegen lassen. Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

So haben die Frauenhilfen in beiden Gemeindeteilen mit ihrem Angeboten dazu beigetragen, dass unsere Gemeinde lebendig bleibt und in vielfältiger Weise Impulse gesetzt, z.B. mit dem Osterfrühstück. Der ökumenische Seniorenkreis Windesheim trägt in seiner Weise dazu bei, dass Senioren sich hier zuhause fühlen. Unser Besuchskreisdienst schien aus Alters- und Krankheitsgründen zu schrumpfen und doch fanden sich einige Gemeindeglieder bereit, sich zu engagieren, anderen ihre zeit zuschenken. Einige ältere Gemeindeglieder besuchen regelmäßig darüber hinaus die Menschen des Seniorenzentrums Langenlonsheim.  Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Unser Kirchenchor lebt und wirkt weiterhin mit großem Einsatz zur Freude vieler in den Gottesdiensten mit. Unser Posaunenchor hat mehr als je zuvor Auftritte in unserer Gemeinde und darüber hinaus wahrgenommen, oftmals persönliche, familiäre Angelegenheiten zurückgestellt. Schade, dass sich Menschen nicht bewegen lassen, ihre Singstimme einzubringen oder die Bereitschaft ein Instrument zu spielen. Woran liegt es?
An so vielen anderen Verpflichtungen? An dem Mangel an Zeit? An der Angst zu versagen? Dass die wenigen Aktiven sich nicht  entmutigen lassen, ist ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen. 

Viel Zeit und Kraft wurde und wird von Gemeindegliedern aufgewandt, schöne Gottesdienste vorzubereiten und durchzuführen. Die Treffpunktgottesdienste behören dazu, wie die Festgottesdienste zur Konfirmation und Jubiläen aller Art, der Eventgottesdienst des Posaunenchores in Windesheim oder der Lampiongottesdienst im Guldentaler Kirchengarten, die Andachten für Kleinkinder alle zwei Monate und im Kindergarten. Die seit letztem Jahr erstmals eingeführten Samstagabendgottesdienste haben Zuspruch gefunden. Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.
Der Kindergarten Guldental hat sich in diesem Jahr gewandelt zur Kindertagesstätte und bietet Ganztagsplätze mit warmen Mittagessen an, hat sich geöffnet für Kinder unter 2 Jahren und hat ein hoch motiviertes Team, das in den letzten beiden Monaten trotz vielfacher Krankheitsbedingter Ausfälle den Betrieb aufrechterhalten konnte. Auch hier sei den sehr aktiven Eltern, dem Elternausschuss und dem Förderkreis  einmal besonders gedankt für ihr ehrenamtliches Engagement an Zeit, Phantasie, Ideen und Kraft.
Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Dem Presbyterium als Leitungsorgan sei herzlich gedankt, dass  es gelingt, trotz angespannter Finanzlage, die Gebäude in Ordnung zu halten, die wenigen Mittel sinnvoll einzusetzen, das ökumenische Gespräch fördert (Bibelwoche, Gottesdienst, Kirmes), die diakonische Verantwortung über die Kirchturm hinaus (Lublin, Rumänienhilfe) wahrnimmt und  sich verantwortlich weiß, dass der Gottesdienst die Mitte der Gemeinde ist. Es ist dankbar für alle Unterstützung durch die Gemeindeglieder. Ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Im Sommer dieses Jahres habe ich einen Gottesdienst über das Gleichnis von den anvertrauten Talenten gehalten. Am Ausgang habe ich drei Briefumschläge in der Hand gehalten und die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher gebeten, sich einen zu nehmen, falls sie Mut haben, sich der darin enthaltenen Aufgabe zu stellen.

Die Aufgabe lautete: 
„Liebes Gemeindeglied,
vielen herzlichen Dank, dass Sie den Umschlag mitgenommen haben
und damit Ihre Bereitschaft bekunden, mit dem anvertrauten  Geld zu „wuchern“,
wie das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern bei
Matthäus 25,14-30 erzählt.
Sie können mit dem Ihnen anvertrauten Geld machen, was Sie wollen,  einzige Bedingung ist: im Silvestergottesdienst am 31.12.09 mögen Sie bitte erzählen, was Sie mit dem Geld gemacht haben.
Gott segne Sie und Ihre Gedanken, Worte und Werke.“

In den Umschlägen befanden sich 5, 10 und 20 Euro. Nun bitte ich diejenigen nach vorn, um von ihrer Aktion zu berichten.
In Windesheim: Ein Gemeindeglied bat mich, dass ich aus nachvollziehbaren Gründen für es spreche. Es hat das Geld verwendet, um als Zeitschenker zu wirken.

Gemeindeglieder berichten.

Ich danke herzlich für Ihre Bereitschaft sich dieser Aufgabe gestellt zu haben, für Ihren lebendigen Bericht und sehe darin ein gutes, ein hoffnungsvolles Zeichen.

Gemeindeglieder berichten nicht.

Ich verstehe, dass man manchmal nicht an alles denken kann, aus vielerlei Gründen heute nicht anwesend ist. Doch ich vertraue darauf, dass das anvertraute Geld einen guten Zweck erfüllt hat. Gott möge diejenigen segnen und ihre Geldverwendung anderen zum Segen gereichen.

Zuletzt bitte ich um Nachsicht, wenn ich nicht alle Gemeindekreise aufgezählt und gewürdigt habe, z.B. die stillen Beterinnen und Beter für unsere Gemeinde, z.B. die treuen Gemeindeglieder, die Sonntag für Sonntag die Gottesdienste besuchen und in ihrer Art und Weise Gemeinde mitbauen und somit ein Stück Glauben leben: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Wenn wir heute Nacht das Neue Jahr begrüßen  – ob still und zurückgezogen, ob in großem Kreis und laut mit Böllerschüssen, so gehen wir über die Jahresschwelle in der Gewissheit, dass Gottes Wort uns auch weiterhin begleitet. Jesus spricht es einem jeden und einer jeden persönlich zu: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! Amen.

Liturgie

Spruch

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Lukas 18, 27

 

Kyrie

Gott, unsere Gedanken haben wir heute auf das vergangene Jahr gelenkt: Stunden, Tage, Wochen, Monate, die nun hinter uns liegen; Alltagsroutine, besondere Augenblicke, verpasste Chancen, offene Fragen, Abschied, Neuanfang, Erfolge, Misserfolge ...
Was ist aus unseren Vorsätzen geworden? Bei dir, Gott,
können wir alles ablegen - das Gelungene und das Misslungene.
Bei dir hat alles seinen Ort.

Zuspruch

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich!
Joh 14,1

Kollektengebet

 

Gott, das Jahr 2009 liegt nun fast hinter uns, ein Jahr das wir aus deiner Hand nehmen durften. Du hast uns geleitet, hast uns heute Abend zu dir geführt. Nun gibt es fast nichts mehr, was wir diesem Jahr noch hinzufügen könnten; Was war, steht nun fest;
wir können es nicht mehr verändern: Gutes und Schlechtes,
Schönes und Hässliches, Freudiges und Trauriges.
Doch wir dürfen gewiss sein, dass du, Gott, bei all unseren Erfahrungen mit uns warst. Und wir dürfen gewiss sein,
dass du uns auch im nächsten Jahr nicht von uns weichen wirst.
Denn du hast uns versprochen, dass du immer bei uns sein wirst,
ob im Licht oder in der Finsternis. Lass deine Nähe, deine Liebe
in diesem Gottessdienst für uns
lebendig und spürbar werden.

Fürbitten

Gott, hilf uns Abschied nehmen vom alten Jahr!
Lass uns in deine Hände hineinlegen alles,
was misslungen ist. Nimm in deiner Liebe bei dir auf
unsere Schuld, unsere Unzulänglichkeiten, unseren Ärger, unsere Lieblosigkeit, unseren Frust, unsere Hartherzigkeit.
Schenke uns deinen Frieden, dass wir nicht mit dem hadern angesichts des Schweren, das war.
Lass uns in deine Hände hineinlegen alles, was gelungen ist.
Nimm in deiner Liebe bei dir auf unsere Freude, unseren Dank,
unser Glück, unsere Erfolge, unsere Hilfsbereitschaft, unsere Warmherzigkeit. Schenke uns deinen Frieden, dass wir nicht wehmütig werden angesichts des Guten, das war.
Gott, öffne uns für das neue Jahr, dass wir mit Zuversicht
in die unbekannte Zukunft blicken; dass wir das hoffen nicht verlernen oder neu erlernen; dass wir darauf vertrauen können,
dass du bei uns bist und deine Liebe niemals endet.

Segen

Der Herr
voller Liebe wie eine Mutter und gut wie ein Vater,
Er segne dich er lasse dein Leben gedeihen, er lasse deine Hoffnung erblühen, er lasse deine Früchte reifen.
Der Herr behüte dich er umarme dich in deiner Angst,
er stelle sich vor dich in deiner Not.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
wie ein zärtlicher Blick erwärmt,
so überwindet er bei dir, was erstarrt ist.
Er sei dir gnädig wenn Schuld dich drückt,
dann lasse er dich aufatmen und mache dich frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich
er sehe dein Leid, er tröste und heile dich.
Er gebe dir Frieden das Wohl des Leibes,
das Heil deiner Seele, die Zukunft deinen Kindern. Amen.

Erstellt: 10.1.2010
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:57 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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