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Predigt - Sag mir wo ist der Himmel? - Dort, wo Vergebung geschenkt wird!

Text: Matthäus 22,1-14  Die königliche Hochzeit

Liebe Gemeinde!

"Papa. sag mir, wo der Himmel ist?"
"Natürlich über uns, wo denn sonst!"

"Aber ich meine den doch gar nicht! Ich will wissen, wo ist Gottes Himmel?"
"Gottes Himmel ist über allen Himmeln."

"Wirklich soweit weg, Papa? Das mag ich gar nicht glauben!"
"Da hast du eigentlich Recht. Hm, hm..."

"Papa, was sagt denn dein Jesus dazu?"
"Jesus sagt: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!"

"Was heißt das denn, nahe herbeigekommen?"
"Also, das ist wohl so... Am Besten ich erzähle dir ein Gleichnis von Jesus erzählen. Es steht bei Matthäus 22,1-14.
Willst du mit lesen?"

1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen.
4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!
5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft.
6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie.
7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.
8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.
9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.
10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.
11 Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an,
12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte.
13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein.
14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

"Papa, wie kann man so eine Einladung ausschlagen!?! Hochzeitsfeier für Jesus! Das bedeutet: feiern bis zum Abwinken. Trinken und Essen, was und wie viel man will. Da möchte ich dabei sein."

"Da kannst du auch dabei sein. Nur, das ist leider die schmerzliche Erfahrung, alle sind herzlich eingeladen, aber keiner kommt."
"Wenn ich so eine Einladung bekomme, dann sage ich nicht nein!"

"Wirklich? Und wie war das mit dem Kindergottesdienst? Da war dir das Schwimmbad wichtiger!"

"Aber, Papa, das ist doch eine ganz andere Sache! Das hat doch nichts mit Gott zu tun?"

"Da bin ich anderer Meinung: Gott lädt durch Menschen ein zu seinem Fest, eben in den Gottesdienst."

"Nee, da ist es oft so langweilig. Immer dieselben Lieder. Und die Geschichten habe ich auch schon mehr als einmal gehört."

"Aber ihr habt auch tolle Sachen gemacht. Da hast du richtig Spaß daran gehabt."

"Du meinst, so was Tolles, findet nicht alle Tage statt."

"Richtig! Doch so ein Fest bringt neuen Schwung und schenkt neuen Lebensmut. Darum vergleicht Jesus das Himmelreich oft mit einem Hochzeitsfest."

"Will Jesus damit sagen: Das Leben bei Gott wird anders aussehen, als es sich viele unter uns heute vorstellen können?"

"Genau so ist es: ausgelassener, fröhlicher, trotz aller Ewigkeit kurzweilig. Tränen gibt’s nur, weil herzlich gelacht wird. Alle sind eingeladen, wirklich alle. Es gibt kein Auswahlverfahren. Auf der Einladung steht nur: Bringt gute Laune und Lust zum Feiern mit - und legt alles ab, was euch davon abhält oder daran hindert!"

"Aber, warum bleiben dann die Menschen weg?"

"Die ersten christlichen Gemeinden haben diese Erfahrung gemacht, dass diese Einladung nicht bei allen gut ankam oder auch nicht ernst genommen wurde."

"Weil sie lieber ins Schwimmbad gehen wollten?"

"Zum Beispiel. Sie haben damals wie heute immer neue Ausreden. Das kennst du doch auch: Wenn der kommt, dann gehe ich nicht hin. Das ist so ein Blödmann!"

"Klar, habe ich schon selbst gemacht. Es ist auch viel besser, wenn die richtigen Typen zusammen kommen."

"Das ist bei Gott anders. Da gehört jeder dazu, ob er mir sympathisch ist oder nicht. Vor Gott gilt kein Ansehen der Person."

"Papa, meinst du das ernst? Jeder Blödmann ist willkommen?"

"Natürlich, Gottes Einladung geht an jeden Menschen. Gott lässt keinen vor der Tür stehen. Vielmehr gilt: Feiert und macht euch keine Gedanken darüber, neben wem ihr sitzen werdet. Feiert und stört euch nicht daran, wer noch alles eingeladen ist. Feiert, als sei der Himmel schon auf Erden."

"Das kann doch keine schöne Feier geben? Da würde ich auch nicht hingehen. So ein Fest - niemals!"

"Niemals? Also Jesus erzählt, dass die Leute von der Straße einfach gekommen sind. Sie haben sich schlicht darüber gefreut, dass sie so geachtet werden. Sie müssen nichts mitbringen. Selbst das Festgewand wird ihnen gestellt."

"Das verstehe ich nicht mit dem Festgewand!"

"Erinnerst du dich an die Bibelarbeit auf dem Kirchentag. Der Vater empfängt den heimkehrenden Sohn mit offenen Armen und legt ihm ein Festgewand an. Es ist das Zeichen: Du bist willkommen. Alles was zwischen uns stand, ist vergeben."

"Aha, darum werben als die Knechte des Königs."

"So ist es. Und die Knechte des Königs das sind die Jünger, die Apostel, ein jeder Christ eben, also auch du und ich."

"Du meinst, auch ich soll andern mit offnen Armen begegnen anstatt mich zu wehren und zurückschlagen?"

"Ja, so meine ich es. Dann können wir mit allen feiern, so wie das Gleichnis es erzählt."

"Ich soll den ersten Schritt machen, die Hand ausstrecken? Undenkbar!“

„Undenkbar? Da will ich dir von einer Frau erzählen. Sie heißt Eva Moses Kor. Sie und ihre Zwillingsschwester wurden während der Nazi-Diktatur vom KZ-Arzt Mengele gequält und zu menschenverachtenden Studien benutzt. 117 Mitglieder ihrer Familie sind von den Nazis ermordet worden. Und sie vergibt. Nicht nur Mengele, auch den anderen. Und das sind keine leeren Worte, die sie spricht. Einem ihrer Peiniger ist sie begegnet, dem Mengele-Freund Hans Münch, ebenfalls KZ-Arzt. Von Angesicht zu Angesicht hat sie ihm vergeben. Frau Kor sagt, sie tut das um ihrer selbst willen. Erst, als sie vergeben konnte, fühlte sie sich selbst nicht mehr als Opfer. Sie war befreit. Kaum jemand versteht diese Frau - selbst ihr Ehemann nicht. Sie sagt, er habe noch einen weiten Weg vor sich ..."

"Das ist wirklich ein weiter und schwerer Weg. Muss ich ihn auch gehen?"

"Solch ein Weg liegt wohl vor jedem Menschen. Er führt zu dem Fest, zu dem Jesus uns einlädt, und das uns deutlich macht: Gott ist nicht der Richter, der nach unseren Maßstäben urteilt. Gott kommt uns mit offenen Armen entgegen."
"Aber erzählt Jesus nicht, dass einer nicht mit offenen Armen empfangen wird, ja sogar hinausgeworfen wird?  Warum wird dem Mann nicht vergeben?"

"Das ist schwer zu verstehen. Eine einfache Antwort weiß ich darauf auch nicht. Er hat sich nicht mit einem Festkleid ausstatten lassen. Das weist darauf, er wollte nur mal reinschauen, so ganz unverbindlich, ohne die Bereitschaft, Gottes Güte an andere weiterzugeben."

"Und die Folge ist dann Heulen und Zähneklappern?"

"Ja. Doch der Gott, dem wir vertrauen dürfen, gleicht dem Gastgeber, bei dem alles möglich ist - auch, dass Böse und Gute, Täter und Opfer miteinander feiern!"

"Wie du das so sagst, klingt es wirklich toll. So könnte es ein tolles Fest geben."

"Die Frage ist, ob wir dieser Einladung in unserem Leben schon jetzt folgen, diesen Festsaal der Versöhnung schon jetzt betreten und schon jetzt ein Stück Himmel auf Erden feiern können und nicht einfach ohne Anteilnahme nur dasitzen."

"Papa, du meinst also, der Himmel ist da, wo Menschen aus der Vergebung neu leben und handeln lernen?"

"Genau so sehe ich es. Dann ist der Himmel mitten unter uns. Schon jetzt!"

"Find ich prima. Dann lass uns gehen. Und alle, wirklich alle mitnehmen, denen wir auf dem Weg dorthin begegne."

"Amen."

Erstellt: 5.6.2005
Zuletzt aktualisiert: 2.4.2011 20:12 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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