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Predigt und Liturgie - Ein Schatz in irdenen Gefäßen

Text: 2. Korinther 4,6-10
6 Denn  Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen  hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
7  Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.
8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.
10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Liebe Gemeinde!

Am vergangenen Mittwoch hingen die Nationalfahnen auf Halbmast und erinnerten an den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Vor genau 65 Jahren befreite die sowjetische Armee in Auschwitz die dort zurückgelassen Insassen. Dieser Ort ist bis heute unauslöschlich im Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Und dieser Gedenktag soll dazu beitragen, sich der Ursachen dieser Gräuel zu erinnern, der vielfältigen Millionen Opfer zu gedenken und verantwortlich heute zu handeln.

Als Christen begleitet uns Gottes Wort als Wegweiser, als Mahnung, als Trost. Hören wir, was der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Korinth schreibt.

Textlesung Vers 6-7

Wir brauchen dieses Licht so nötig wie das tägliche Brot!
Jeder von uns hat dieses Licht empfangen, trägt es in sich und muss es nur für sich aktivieren, in sich scheinen lassen und für die Umgebung sichtbar werden lassen!
Das wird in der Taufliturgie symbolisch zum Ausdruck gebracht. Die Taufkerze wird ja nicht dem Baby überreicht – wie sollte sie denn! Die Taufkerze bekommen die Eltern oder Paten. Dabei sagen wir etwa folgendes: „Empfangt das Licht Christi. Christus, das Licht der Welt, er erleuchte Euer Kind. Es soll als Kind des Lichtes leben. Euch wird dieses Licht anvertraut, damit Ihr euer Kind immer wieder neu in den Lichtkegel von Christus führt!“ Das heißt doch: Wir alle müssen unsere Kräfte aktivieren gegen die Schatten des Todes und der Finsternis im täglichen Leben.
 
Wir leben in unserer ganz normalen, alltägliche Welt mit all dem Jammern und Klagen. Aber denken Sie daran: Keiner ist zum Jammern und Klagen verpflichtet! Wir hören viel von Unzufriedenheit und Krankheit und sind davon auch selbst bedroht. Aber vergessen wir es nicht: Wir selbst wohnen in dem kleineren Teil der Reichen und Gebildeten dieser Erde. Wir alle wissen, dass es Armut, Unbildung und Unterernährung und Kindersterben auch an Hunger gibt. Aber sind wir da aktiv und tun etwas dagegen oder wissen wir nur, dass „man“ etwas tun müsste und könnte. Haben wir den hellen Schein in unseren Herzen, diese Gabe Gottes, irgendwo aktiviert?
 
In einer Geschichte asiatischer Weisheit wird von einem König erzählt, der zwei Söhne hatte in einem Land ohne festgelegte Erbfolge. Er wurde alt und überlegte nun, wem von beiden er seinen Thron und damit das Land anvertrauen sollte. Er stellte beiden die gleiche Aufgabe und gab jedem Geld dazu, nicht sehr viel, aber auch nicht gerade wenig. Er ließ sie die Aufgabe im Abstand von einer Woche erfüllen. Sie hieß: Füllt die große Festhalle des Palastes. Das war der größte Raum weit und breit. Der Ältere begann, hatte eine Woche Zeit und die gute Idee, dass man die Halle mit Reißstroh wohl voll bekommen müsste, wenn nur genug Bauern mit ihren Ochsenkarren die Zulieferung schaffen würden. Alles wurde gut organisiert und er schaffte es. Am Ende der Woche war die Halle voll mit Reißstroh. Als sie wieder ausgeräumt war, kam der jüngere Bruder an die Reihe, der weit weg in einer Burg bewacht wurde, damit er nichts von der Lösung des Bruders mitbekam. Als seine Woche begann, kam er am Montagabend zum Vater, gab das allermeiste Geld zurück und sagte, er sei fertig. Sie gingen in die große Halle, sie war leer. In der Mitte stand eine dicke Kerze und das Licht füllte den weiten Raum. Dieser Sohn bekam den Thron!
 
Solche Weisheit können wir erkennen. Wir können physikalisch erklären, dass eine Kerze einen großen Raum mit Licht füllt. Doch Gottes Licht der Offenbarung ist noch viel mehr.

„Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben.“
(V.6a )

Haben Sie diesen hellen Schein bei sich aktiviert? Haben Sie sich gefragt: „Geht auch von mir etwas Gutes, Lichtvolles, Helfendes und Tröstendes aus? Oder bin ich mit mir selbst beschäftigt und im Gewohnten erstarrt? Erfahren die Menschen um mich herum nur etwas vom Sterben dieser Welt oder auch etwas vom Leben des Auferstandenen und der eigenen Auferstehung?“

Hören wir nochmals auf Paulus. Er beschreibt seine Erfahrung in den nächsten Sätzen in der „Wir-Form“, denn er teilt sie mit anderen – vor allem: mit einem: Jesus.

Textlesung Verse 8-10

Ganz offen: Paulus hat das alles erlebt. Zu jedem Satz kann er eine Geschichte erzählen. In seinen Briefen tut er es auch. Und wenn ein Mensch zu erzählen anfängt, ist es wie eine Offenbarung, es ihm gleich zu tun. Paulus, der große Worte machte, dem das auch vorgeworfen wurde – ein kleiner Mensch. Ja, sogar zu seiner Statur muss das gepasst haben.

Er macht seine Erfahrungen – abzählbar. An den 10 Fingern:  In der einen Hand sind:
Wir sind bedrängt …
Uns ist bange …
Wir leiden Verfolgung …
Wir werden unterdrückt
Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe

In der anderen Hand sind:
Wir ängstigen uns nicht.
Wir verzagen nicht.
Wir werden nicht verlassen
Wir kommen nicht um
Das Leben Jesu wird an unserem Leibe offenbar.  

Beide Hände kann ein Mensch zusammenlegen, beide Hände kann ein Mensch falten,  beide Hände kann ein Mensch öffnen, beide Hände einem anderen reichen …

Sehr beeindruckt hat mich die Lebensgeschichte eines Hamburger Mannes, der aus einer kinderreichen Familie in den frühen zwanziger Jahren aus wirtschaftlicher Not in eine Anstalt für Menschen mit geistigen Behinderungen  gegeben wurde. Dort lernte er lesen und schreiben, wurde wegen seiner schnellen Auffassungsgabe zum „Hilfsjungen“ ernannt. Sehr bald spürte er wie die anderen den neuen härteren Umgangston und Strafen nach 1933. Die Bewohner –auch er - wurden zwangsterilisiert Zur Begründung hieß es: „es diene zum Erhalt der Volksgesundheit.“

Ab 1940 wurden aus seiner Anstalt 629 Menschen deportiert. Da hieß es offiziell: „sie führen auf Freizeit“. Als 1943 seine Freundin mit ihrer Tochter deportiert wird, flieht er aus der Anstalt, gibt sich als Bombengeschädigter aus und finanziert mit dem Geld die Reise nach Wien. Dort tritt er „als feiner Mann“ auf und schafft es tatsächlich seine Freundin und deren Tochter als der  Wiener Vernichtungsanstalt herauszuholen. Aber: entkräftet, krank, ohne medizinische Versorgung sterben beide Frauen auf dem Rückweg nach Hamburg. Dort wird er verhaftet wegen Vortäuschung, ein Bombenopfer zu sein. Nach dem Krieg lebt er ein mehr oder weniger normales Leben, engagiert sich für die Opfer der Zwangssterilisation. 2007 wurde an der Stelle, wo einst Busse Menschen aus der Altsterdorfer Anstalt in den Tod fuhren, eine Erinnerungsschwelle von dem Kölner Stolpersteinkünstler Gunter Deming geschaffen. Da erzählt der mittlerweile 85 Jährige erstmals öffentlich seine Geschichte.

Ein solches Leben verdeutlicht, warum Erinnerung eine Weise ist, Respekt zu bewahren vor denen, die aus ihrem Leben unter sehr schweren Bedingungen, den Schatz des

Glaubenslichtes in aller Trübsal bewahrt haben. Und es lässt uns hoffen, dass eben Schätze in irdenen Gefäßen stecken können. Auch in unserem Leben. Amen.

Liturgie an Septuagesimae (31.01.2010)

Wochenspruch: Daniel 9,18

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

 

Kyrie

Guter Gott,
immer wieder gibt es diese Momente,
in denen uns das Leben vorkommt
wie ein Wettkampf,
bei dem nur die besten ans Ziel kommen
und auf das Siegertreppchen dürfen.
Und oft machen wir dabei die Erfahrung,
dass sich unsere Anstrengungen nicht auszahlen,
dass wir uns umsonst gemüht,
umsonst geschuftet,
umsonst Verzicht geübt haben.
Das frustriert uns.
Hilf du uns,
solche Krisen nicht als ein Scheitern zu verstehen.
Sie sind Teil des Lebens,
das du geschaffen hast.
Und bei dir
braucht sich niemand als Verlierer zu fühlen.
Denn du liebst uns
wie wir sind.

Kyrie Eleison ...

Kollektengebet

Guter Gott,
vor dir sind die Ersten die Letzten,
und die Letzten die Ersten.
Die Hackordnungen,
denen wir Menschen uns unterwerfen,
haben bei dir keine Bedeutung.

Lehre uns,
in diesem Geist einander zu begegnen,
als gleichwertige Geschöpfe,
die sich ihre Würde nicht erkämpfen und erarbeiten müssen,
sondern allein durch deine Liebe liebenswert sind.

Das bitten wir dich,
der du mit dem Sohn und dem heiligen Geist
lebst und regierst
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Fürbitten

Guter Gott,
wie viele Menschen fühlen sich als Verlierer in unserer Gesellschaft?!
Die Arbeitsuchenden,
die Obdachlosen,
viele Kranke,
viele Behinderte,
die Jungs und Mädchen ohne Schulabschluss,
oft auch die Alten und Gebrechlichen,
die Sanften und Sensiblen,
die von zu Hause fliehen mussten
und die hier keine neue Heimat finden,
die ohne Liebe aufwachsenden Kinder,
die Trauernden ...

Und wie viele Menschen fühlen sich als Verlierer in unserer Welt?!
Die Erdbebenopfer auf Haiti,
die Straßenkinder in Brasilien,
die Teppichknüpfer in Indien,
die von Warlords gepeinigten Frauen in Somalia,
die Kindersoldaten in Kolumbien,
die Mütter gefallener GIs in den USA,
die um ihrer Rechte betrogenen Menschen in so vielen Ländern,
die zahllosen Hungernden ...

An sie alle denken wir
und bitten dich,
dass du dich ihrer annimmst.
An sie alle denken wir
und fragen uns,
was wir für sie tun können ...

KURZE STILLE

Hilf uns,
guter Gott,
wenn wir deine Hilfe brauchen,
um helfen zu können.

Erstellt: 2.2.2010
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:56 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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