Predigt "Staunen und danken"

Verkündigung

Spiel improvisiert von Konfirmanden

Reporter:  Ich möchte mich Ihnen vorstellen. Ich bin ............., der rasende Reporter und habe heute einen besonderen Auftrag erhalten. Ich soll herausbekommen weswegen das Brot etwas ganz besonderes ist.
Fragen wir mal einen Schüler: Gel, dir geht es doch so, dass du lieber Schokolade als Brot isst? Oder was nimmst du mit in die Schule?
Schülerantwort: .............

Reporter: Wie geht es Ihnen! Was essen Sie lieber?
Gemeindeglied: ..................

Reporter:  Wissen Sie wie lange die Menschen schon Brot essen?
Was schätzen Sie denn?
Gemeindeglied: ..................
Reporter:  Wir fragen mal unsere Spezialisten. Wir haben keine Mühen gescheut, ein paar Brotexperten zu uns zu holen. Wir fragen sie mal:
1.   Vor zweitausend Jahren begannen die Ägypter Brot zu backen.
Reporter:  Schon so richtiges Brot? Oder nur so trockenes Zeug?
1. Nein schon richtiges Brot. Durch Zufall entstand der Sauerteig:
Ein liegen gelassenes Stück Teig für die Fladenbrotherstellung war in Gärung übergegangen und wurde trotzdem gebacken. Das Gebackene war von innen her aufgelockert und besser zu kauen. Seither war das Brot mit Sauerteig die große Delikatesse und das wichtigste Essen.
Reporter:  Und wie kam es zu uns?
2.   Wir haben das Brot den Israeliten zu verdanken. Von den Ägyptern ist es 170 v. Chr. über  Israel und Griechenland nach Rom gekommen.  Brot war das besondere Essen. In unseren Breiten gab es dagegen noch lange Getreidebrei zu essen. Man musste erst richtig sesshaft sein und Getreide anbauen. Das Brot hat sich bei uns erst vor 1000 Jahren endgültig durchgesetzt.
Reporter:  Aber warum ist denn das Brot etwas Besseres?
3.  Es hängt damit zusammen, dass man beim Brot länger satt bleibt. Durch das Backen werden die Körner verträglich und sogar Vitamine sind enthalten. Brot und Wasser, davon kann man lange leben ohne größere Mangelerscheinungen. Vor allem kann man es immer wieder essen, ohne es über zubekommen. Mit Schokolade geht das nicht.
4.   Die alten Leute wissen noch wie es roch, wenn im Backhaus Brot gebacken wurde. Im Ofen gebacken, mit Holzfeuer angeheizt, da schmeckte es unerreicht. Vor allem dann wenn man Hunger hatte. Brot, das gab es nicht jeden Tag frisch, sondern es wurde dann in Keramikgefäßen aufbewahrt. Man konnte es wieder aufbacken. Sogar wenn es ganz hart war, dann wurde es in Bier, Milch oder Kaffee eingeweicht und gegessen.
Reporter:  Aber heute ist doch das Brot nicht mehr etwas Besonderes!
5.   Weltweit ist das Brot sogar auf dem Vormarsch! Heute gibt es weit über 150 Brotsorten. Vor 30 Jahren gab es nur 10 Sorten. Und in den Ländern wie Indien und Lateinamerika isst man viel mehr Brot als früher!
Reporter:  Das hätte ich nicht gedacht.

Guldental: Kindergartenlied

Predigt

Das Staunen will der Erntedanktag uns neu lehren. Das Staunen über das Alltägliche – so wie im Anspiel die Geschichte des Brotes in seinen vielfältigen Variationen uns staunen lässt. Das Staunen führt zu der Erkenntnis wie der Apostel an seinen Mitarbeiter Timotheus schreibt:

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.
(1.Tim4,4)

Das Staunen will der Erntedanktag uns neu lehren. Das Staunen über das Alltägliche – so wie das Brot in seinen vielfältigen Variationen. Das Staunen führt zum Danken wie der Apostel an seinen Mitarbeiter Timotheus schreibt:

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut…
(1.Tim4,4)

Es mag uns angesichts des Gammelfleischskandals in einem anderen Sinn staunen lehren, nämlich etwas befremden, wenn die Antwort so positiv und unzweideutig gegeben wird: "alles, was Gott geschaffen hat, ist gut". Müssen wir heutzutage nicht ein dickes Fragezeichen dahinter setzen? In einer Welt, in der uns gentechnisch veränderter Mais oder/und Reis untergejubelt wird, in der wir nicht sicher sein können, ob Dolly nicht auch noch Geschwister auf der Weide nebenan stehen hat, in der sich der Mensch in die Schöpfung als Schöpfer einzumischen droht, zielt da dieser Satz nicht ins Leere? Ja, was Gott geschaffen hat, mag gut sein, aber was ist mit dem, was der Mensch schafft, was durch seine Hände gegangen ist? Ist das noch gut? Ist das noch Schöpfung, die Gottes Gütesiegel verdient?
Nun bleibt der Verfasser des Briefes nicht bei dieser einen Aussage stehen, im Folgenden erläutert er sie. Und jetzt wird es spannend.

Nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.
(1.Tim,4,5)

Nun könnte man fragen, was das mit unserem Gammelfleisch zu tun hat. Ich denke, sehr viel! Denn der Skandal hinter dem Skandal ist doch eigentlich, wie gedankenlos wir Menschen mit unseren Nahrungsmitteln umgehen. Wer macht sich denn bei dem, was auf den Tisch kommt, noch Gedanken darum, welchen Weg es genommen hat, woher es stammt, durch welche produktiven Hände es gegangen ist? Ich bin mir sicher, dass, wer sich ab und zu einmal die Zeit nimmt, darüber nachzudenken, auch das Danken wieder lernen wird. Denn erst die gedankenlose Selbstverständlichkeit, mit der wir in den Supermarkt gehen und hinnehmen, dass die Preise ins Bodenlose fallen, bereiten ja den Boden dafür, dass sich Unternehmer und Unternehmen gezwungen sehen, es mit den Vorgaben des Veterinär- und Gesundheitsamtes nicht so genau zu nehmen. Muss man dann nicht dankbar dafür sein, dass es auch jene gibt, die verantwortungsvoll mit unserer Gesundheit umgehen, in dem sie auf die Qualität ihrer Ware achten?

Im Timotheusbrief ist sogar von Heiligung die Rede! Etwas, das wir im Zeitalter der Fastfoodketten und Fertigpackgerichten wohl kaum mit unseren täglichen Mahlzeiten verbinden. Und dennoch ist auch da etwas dran. Was mir heilig ist, ist mir auch wertvoll. Und mit dem, was mir wertvoll ist, pflege ich anders umzugehen. Für selbstverständlich nehme ich es jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Ich achte darauf, schon beim Einkauf. Ich bin mir sicher, dass dies mehr Wirkung bei den schwarzen Schafen der Nahrungsmittelindustrie zeigen würde als sämtliche Vorschriften und Kontrollgänge durch die Tiefkühlhäuser unseres Landes.
Martin Luther sagte einmal:

"Welcher Mensch eine einzige Wohltat Gottes ohne Danksagung genießt, der ist gleich einem, der Gott bestohlen hat."

Wir ChristInnen feiern an diesem Sonntag Erntedanktag. Weil wir wissen, wem unser Dank letztlich zu gelten hat. Machen wir uns an diesem Tage also bewusst, dass uns Gott die denkbar besten Voraussetzungen geschaffen hat, um seine Schöpfung genießen zu können. Und achten wir darauf, dass uns niemand die Freude an seinen Gaben verdirbt. Denn wir Menschen sind zwar frei in dem, wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen. Doch tragen wir Verantwortung dafür, dass jede nächste Generation und auch wir selbst durch unser Handeln keinen Schaden nimmt. Denn was er geschaffen ist, ist gut. Und so soll es auch bleiben. Darum lasst uns nun einstimmen in den Dank an Gott. Amen.

Erstellt: 22.10.2006
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 12:15 Uhr