Predigt "Tag ohne Schrecken?"

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herren Jesus Christus.

Der Predigttext steht im 23. Kapitel des Evangeliums nach Lukas:
33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.
36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig
37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!
38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!

Karfreitag, Tag ohne Schrecken
Harte Sätze in einer harten Sprache. Karfreitag hat für uns seinen Schrecken verloren. Wir sind gewohnt Karfreitag schon mit der Osterbrille zu sehen. Nur noch drei Tage dann ist Ostern, das Fest der Auferstehung. Und in den Geschäften werden wir ja auch schon seit kurz nach Karneval darauf vorbereitet.

Die Passionszeit, die Zeit des Leidens und der Zweifel verkauft sich halt nicht so gut, wie bunte Eier und Schokoladen-Osterhasen.
Und was ist mit uns?
Lassen wir uns noch auf Karfreitag ein?
Der Sohn Gottes am Kreuz, weit ab von aller Herrlichkeit ganz tief unten.

Das ist schwer auszuhalten, schwer zu verstehen. Karfreitag ist aber nicht allein ein Tag des Gedenkens der Schmerzen Jesu, sondern auch ein Tag des Zweifels.

Zweifel
Der Zweifel steht in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche nicht besonders hoch im Kurs. Heute muss man doch wissen wie es weitergeht, den richtigen Weg für sich und andere kennen; und am besten schon jetzt planen, wie man in 30 Jahren leben will. Da scheint kein Platz für Zweifel. Aber den Zweifel zuzulassen ist wichtig, ja lebenswichtig für uns.

Haben nicht gerade die Menschen Jesus ans Kreuz gebracht, die immer wussten was richtig und falsch ist, und auch keine scheu davor haben es anderen zu sagen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die die Thora und die Gesetze genau kannten, konnten mit Jesus nicht leben. Ein solcher Mensch der die alten Regeln und Traditionen in Frage stellt ist gefährlich. Besser man tötet ihn bevor er dem ganzen Volk den Kopf verdreht.  Nach dieser Logik handeln die Menschen, die das Wort Zweifel schon lange aus ihrem Kopf verband haben.

Zweifel im Haus unseres Lebens
Doch das Zulassen von Zweifeln ist wichtig für unser Leben. Wenn wir uns unser Leben wie ein Haus vorstellen, dann haben Zweifel eine wichtige Funktion in diesem Lebenshaus.

Zweifel kratzen an unseren Grundmauern dieses Hauses. Den intakten Grundfesten können Zweifel nichts anhaben, jedoch da wo das Mauerwerk löchrig geworden ist, wo die Steine nicht mehr zusammenpassen, frist der Zweifel sich durch, und bringt alte Mauern in uns zum Einsturz. Und das ist gut so.

Denn wenn wir unser Lebenshaus erfolgreich gegen Zweifel absichern, dann mit dem Erfolg, dass wir nicht merken, dass unsere Haus nur noch aus Fassade besteht, unsere Grundmauern aber schon lange faul und morsch sind. Der Zweifel, ob ihr bisheriges Leben alles ist, lässt die Jünger alles aufgeben und Jesu nachfolgen.

Selbst Jesus zweifelt im Garten Gethsemane, ob er den eingeschlagenen Weg bis zum Ende gehen kann. Denn Zweifel eröffnen neue Perspektiven und Möglichkeiten. Dort wo altes abgebrochen ist, kann neues Entstehen; neue Fundamente gelegt werden, die mehr Halt und Kraft bieten als die alten, an denen der Zweifel genagt hat.

Unser Lebenshaus besteht dann nicht nur aus Fassade sondern aus erneuerten Fundamenten, die unser Leben tragen. Von einem solchen Menschen erzählt auch die Passionsgeschichte, Menschen die ihren bisherigen Lebensweg in Zweifel ziehen. Die bereit sind ihre Hoffnung auf ein neues Fundament zu gründen.
In der Bibel heißt es weiter.

39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
 40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?
 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!
 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
 45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei.
 46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!
 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.
 49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft regiere und bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Erstellt: 6.4.2005
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 11:03 Uhr
Redakteur: Simone Schreiner