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Predigt und Liturgie - Taufe Jesu

Text: Matthäus 3,13-17
13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen.
16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
17 Und siehe, eine  Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn,  an dem ich Wohlgefallen habe.

Liebe Gemeinde!
Mit der Taufe verbinden wir gewöhnlich den Vorgang, durch den ein kleines Kind wenige Wochen oder Monate nach seiner Geburt in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wird. Es ist die Zusage Gottes an jede/n Einzelne/n: „Du bist meine geliebte Tochter. Du bist mein geliebter Sohn.“  So ist die Taufe wie ein Siegel, das nie gebrochen werden kann. Das allerdings ist kein Freifahrtsticket in die Sorglosigkeit. In den Taufgesprächen treffe ich immer wieder auf den – verständlichen – Wunsch von Eltern, die in der Taufe ihres Kindes eine Art Lebensversicherung abschließen wollen. Doch dem ist nicht so. Wer getauft wird, wird nicht vor Krankheiten geschützt, wird nicht vor Gefahren gewarnt, wird nicht den Grausamkeiten der Welt entfliehen können, wird nicht schneller, besser lernen oder auf Anhieb einen Job erhalten. Nein, das Taufkleid ist kein Supermancape, an dem alle Probleme einfach abprallen. Niemanden werden durch die Taufe die Wunden erspart, die das Leben schlagen kann. Und dennoch gilt: In der Taufe verspricht uns Gott, dass wir nicht allein durchs Leben gehen. So heißt es in einem Tauflied:

Es heißt, dass einer mit mir geht,
der's Leben kennt, der mich versteht,
der mich zu allen Zeiten kann geleiten.
Es heißt, dass einer mit mir geht.
Sie nennen ihn den Herren Christ,
der durch den Tod gegangen ist;
er will durch Leid und Freuden mich geleiten.
Ich möcht', dass er auch mit mir geht.
(EG 209,3-4)

Und darum wird bei jeder Taufe der Taufbefehl Jesu verlesen. Er endet mit der einzigartigen Zusage. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Nun berichtet der Evangelist Matthäus, dass Jesu sich als Erwachsener von Johannes am Jordan taufen ließ. Johannes verkündet das nahende Gericht Gottes, ruft zur Buße und Umkehr auf. Er muss wohl sehr großen Zulauf gehabt und viel Zustimmung erfahren haben. Für ihn war die Taufe ein Zeichen des Gerichts. Die zerstörerische  Lebensweise, in der wir leben, verdiene wie einst in Noahs Tagen ausgetilgt zu werden. Die Erde ist in  einer neuen Flut rein zu waschen.
Seitdem wir Menschen leben, kämpfen wir gegen die Natur und gegeneinander und haben gelernt, uns durchzusetzen. Dabei herausgekommen ist eine Gesellschaft mit wachsendem Wohlstand und wachsender Gewalt. Es ist, wie wenn das Erbe der Evolution und die Jahrtausende der Steinzeit uns nach wie vor bestimmen würden. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, hat einmal ein Philosoph gesagt.

Zugleich wächst immer wieder neu die Hoffnung auf ein ganz anderes Leben. Sollte es nicht möglich sein, noch einmal von vorn zu beginnen, erneuert und vermenschlicht?  Darum tauft Johannes, da er zu glauben scheint, dass Menschen gut sein können, einfach wenn man sie dazu aufruft, und wenn sie dann beschließen, ein anderes Leben zu führen.
Wenn Jesus sich von Johannes taufen lässt, muss er Johannes wohl zugestimmt haben. Doch für Jesus ist die Taufe mehr als nur die öffentliche Demonstration des guten Willens, dass man von nun an auf dem Weg des Rechts vor Gott gehe, denn er sagt:

„Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“

Was ist damit gemeint?
Jesu Taufe macht deutlich: Er stellt sich zu den Menschen, die die Sehnsucht nach einem anderen Leben verspüren. Paulus beschreibt es so:

„Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm  Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“
(Phil 2,6-7)

Jesus solidarisiert sich mit uns.

Jesu Taufe macht deutlich: Es geht nicht nur um einen ethischen Neuanfang, wie er jetzt in der globalen Finanzkrise gefordert wird. Es geht um eine Grundsatzfrage: Wem glaube? Genauer nachgefragt: Welchem Gott traue ich? Später wird Jesus sehr direkt sagen:

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
(Matthäus 6,24)

Jesu Taufe macht deutlich: Er lässt sich ohne Wenn und Aber, ohne alle Angst auf Gott ein. Er versteckt sich nicht aus Scham und Schuldgefühl wie einst Adam und Eva im Paradies, als sie Gott kommen hörten. Er stellt sich Gott. Er weicht nicht aus. Jesus vertraut darauf, dass Gott nicht aburteilt, sondern vergibt.

„Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.“

, wie es in einem Kirchenlied heißt.

Jesu Taufe macht deutlich: Gottes Gerechtigkeit vollzieht sich nicht nach unseren Maßstäben, die Gerechtigkeit stets als Ausgleich oder Wiedergutmachung versteht. Gottes Gerechtigkeit besteht darin, dass er unerwartet, unverdient Versöhnung und Friede schenkt.

Jesu Taufe macht deutlich: Er ist Gottes Sohn. Hier berühren sich Himmel und Erde. In ihm und mit ihm ist der Himmel geerdet und die Erde himmlisch. Die Welt wird nicht geistlos weiter dahin vegetieren. Gottes Geist wirkt – schon hier und heute – nicht erst irgendwann in einem neuen Leben nach dem Tod. Dafür steht die Taube. Wie einst Noah am Ende der Sintflut erkannte, dass Leben wieder möglich ist, als die Taube mit dem Ölzweig zurückkehrte, so offenbart sich hier der Himmel. Darum sagt Kurt Marti:

„Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist, wenn die Liebe das Leben verändert.“
(EG 153,5)

So nimmt uns die Taufe hinein in das neue Leben, das mitten in  und um uns beginnt, wo wir Jesus folgen.
Denn Gott selbst kommt uns entgegen und sein Segen fällt begütigend und warm herab wie Regen über dürstendes Land. Er schenkt uns die Fähigkeit, geistlich zu leben und begeistert zu sein über die Schönheit der Menschen ebenso wie über die Schönheit der Welt.

Denn Gott selbst kommt uns entgegen und bringt Segen statt Fluch, Verstehen statt Gewalt, Liebe statt Machtgier.
Denn Gott selbst kommt uns entgegen und ruft uns immer wieder neu in seine Nachfolge, dass auch wir zu Menschen seines Wohlgefallens werden. Amen.

Liturgie

Wochenspruch: Röm 8,14

Luthertext: "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder."

Kyrie

Himmlischer Vater,
oft fühlen wir uns allein und hilflos.
Gerade in Zeiten,
in denen das Leben tiefe Wunden schlägt,
sind wir uns unseres Glaubens nicht mehr sicher.
Wir fragen uns:
Bist du noch da?
Bleibst du an unserer Seite?
Hältst du uns?
Kyrie Eleison ...

Kollektengebet

Himmlischer Vater,
im Sakrament der Taufe
schenkst du uns Anteil an deiner Herrlichkeit.
Wir dürfen uns Schwestern und Brüder Jesu nennen,
uns als deine Söhne und Töchter fühlen.
Der Himmel steht und offen.
Dafür danken wir dir
und bitten dich:
keinen Ort,
keinen Atemzug,
keinen Schritt,
keinen Gedanken,
kein Herzschlag
soll es geben,
der ohne dich ist.
Im Namen Jesu Christi,
unseren Bruder und Menschenfreund,
der mit dir uns dem Heiligen Geist
lebt und regiert,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Fürbitten

Himmlischer Vater, wo du bist
berühren sich Himmel und Erde.
Darum bitten wir dich:

  • um deinen himmlischen Frieden im Nahen Osten, im Gaza-Streifen, in Israel,
    überall dort, wo sich Menschen feindlich gegenüberstehen.
  • um deine himmlische Hoffnung für die Menschen, die verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte sind.
  • um deine himmlische Liebe zu den Kindern, die unter den Entscheidungen und Launen von Erwachsenen zu leiden haben.
  • um deine himmlische Gerechtigkeit für die Verstummten und Niedergedrückten, die um ihr Recht auf ein würdiges Leben kämpfen müssen.
  • um deine himmlische Phantasie für PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen, die nach Möglichkeiten suchen,
    unseren Lebensstandard verantwortungsvoller und zukunftsorientierter zu erhalten.
  • um deine himmlische Kraft für die HelferInnen,
    die sich um das Wohl anderer sorgen und kümmern.
  • um deine himmlische Herrlichkeit für die Betrübten und Lebensmüden,
    die nach einem Grund zum Leben suchen.
Erstellt: 21.1.2009
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:59 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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