Predigt "Taufgedächtnis"

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen


Liebe Gemeinde, wir leben in einer Zeit, in welcher die Werte der einzelnen Menschen immer geringer werden. Massenproduktionen, Massenmedien und ebenso Massenveranstaltungen tragen im Wesentlichen hierzu bei.

Ja, unsere Gesellschaft tut alles, um die Einzigartigkeit eines Menschen auszugleichen und seine Individualität durch Zahlen auf einer Chip-Karte darzulegen.
Bitte Pin eingeben, lesen wir, wenn wir unser Handy einschalten. Und am Geldautomaten wird zunächst unsere Geheimnummer verlangt, bevor wir unser Geld abheben können. Unser Foto im Personalausweis oder im Reisepass tut es auch nicht mehr. Die eingestanzten Nummern helfen uns bei unserer Identität auf Ämtern und Behörden.
In der Masse sind wir anonym, wir sind nur eine Nummer in unserer Gesellschaft.

Wenn wir heute am 6. Sonntag nach Trinitatis Taufgedächtnis feiern, dann setzen wir gegen die Zugkraft der Vermassung ein dringend und ebenso ein notwendiges Gegengewicht. Wir glauben an den dreieinigen Gott, der jeden Mann, jede Frau, jedes Kind und jeden Toten beim Namen kennt, unseren Namen.

Hören wir hierzu auch unseren heutigen Predigttext.

Jes 43, 1 - 7
43:1   Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
43:2   Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.
43:3   Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Kusch und Seba an deiner Statt,
43:4   weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner Statt und Völker für dein Leben.
43:5   So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln,
43:6   ich will sagen zum Norden: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde,
43:7   alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe    Amen.


Liebe Gemeinde, Gott hat seine Botschaft durch den Propheten Jesaja an ein ganzes Volk ergehen lassen, ja, an das Volk, das von anderen immer wieder verachtet und verfolgt wurde.

Wenn wir in diesem Gottesdienst an unsere Taufe denken, dann lasst uns an den Zuspruch denken, der an uns persönlich ergeht. Ja, lasst uns zugleich an die Gemeinschaft der Getauften auf der ganzen Welt, der auch wir angehören, denken.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Dieser Bibelvers, liebe Gemeinde, ist vielen Menschen seit ihrer Kindheit vertraut. Viele von uns haben ihn während ihrer Schulzeit im Religionsunterricht auswendig gelernt. Und unzählige Male ist er bei Tauf und Trauergottesdiensten zitiert und ausgelegt worden.

Was der Prophet hier in diesem Text von Israel sagt, gilt seit Jesus Christus allen Gläubigen. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“

Den Namen, den wir tragen, liebe Gemeinde, ist, so denke ich, ein Ausdruck dafür, dass unser Leben etwas Besonderes, etwas Einmaliges und Unverwechselbares ist. Und beim Namen genannt zu werden ist mehr als eine Höflichkeit. Mit meinem Namen werde ich als Person angesprochen und zwar einmalig und unverwechselbar.

Im Zeitalter von Massenproduktion, Massenmedien und Massenveranstaltungen wird der Wert des einzelnen Menschen immer geringer. Was ist schon ein Einzelschicksal in Anbetracht der Menschen, die in den Kriegen zu Tode gekommen sind?

Unser Name, liebe Gemeinde steht stellvertretend für das, was unser Leben ausmacht. Noch nie ist ein Mensch bekannt oder berühmt geworden ohne seinen Namen. Und deshalb bieten viele Menschen ihren ganzen Ehrgeiz auf um Kariere, um sich einen Namen zu machen. Einigen Menschen gelingt das, und noch heute können wir sie nach Jahrhunderten im Lexikon nachlesen.

Die Menschen aber, die durch die Taufe und durch ihren Glauben in ein immer verbundenes Leben mit Jesus Christus hineingezogen worden sind, denen gilt das verheißungsvolle Wort: „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Diese bildhafte Vorstellung, liebe Gemeinde, dass unsere Namen im Buch des Lebens eingetragen werden, soll unterstreichen, dass wir von Gott höchst persönlich ernst genommen werden. Gott nennt uns bei unserem Namen. Damit tritt er auf unsere Seite und nimmt uns in seine Gegenwart auf.

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“ Dies bedeutet auch zugleich: „Ich habe dich erlöst.“

Ein jeder und eine jede von uns weiß aus bitterer Erfahrung, dass es in diesem Leben Mächte und Kräfte gibt, die uns, wenn wir frei sein möchten festhalten. Wie zentnerschwere Gewichte hängen sie an unseren Beinen und wir kommen nicht von der Stelle.

Krankheiten, Katastrophen, Sorgen, Schuldgefühle Selbstsucht und andere Süchte halten uns gefangen. Wie gerne würden wir uns von diesen befreien, aber wir schaffen es nicht. Wir sind auch nicht Münchhausen, der sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen konnte.

Aber, liebe Gemeinde, Gott ist es, der sich dafür verbürgt, dass nicht einmal der Tod uns festhalten kann, wenn Gott uns ruft. Mag in unserem Leben noch so viel dagegen sprechen, für Gott ist dies eine ausgemachte Sache. „Ich habe dich erlöst.“ Wer getauft ist von uns Menschen, der hat die Todeslinie bereits überschritten.

Niemand von uns ist für Gott zu klein oder zu wenig. Gott beugt sich zu jedem einzelnen seiner Geschöpfe: „Du bist mir wichtig; dich wollte ich; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Liebe Gemeinde, das zu wissen ist tröstlich. Aber es verpflichtet uns auch und zwar immer dann, wenn wir in Versuchung geraten, unserem Leben, oder einem ungeborenen Leben ein Ende zu setzen, weil wir mit ihm nicht mehr fertig werden.

Aussagen wie: „Ich gehöre mir selbst“ oder „Ich kann mit meinem Körper machen was ich will“ sind, so denke ich, satanische Aussagen.

Denn bei unserer Taufe hat Jesus Christus uns, einem jeden und jeder von uns die Verfügungsgewalt über unser Leben entzogen. Und er hat uns sogleich sein Wort gegeben, dass uns nichts, auch rein gar nichts aus seiner Hand reißen soll. „Du bist mein!“

Von daher gesehen, liebe Gemeinde, halte ich Menschen, wenn sie sagen: „Mit meinem Leben kann ich machen, was ich will“ arrogant, vermessen und dumm. Wir können uns Gottes Zugriff entziehen, doch seine Nähe, die drängt er uns nicht auf. Aber er wirbt und bietet uns an: „Ich will bei dir sein!“

Und wenn wir es mit der Angst zu tun bekommen und an den Rand der Verzweiflung getrieben werden, dann sollten wir uns an seine Zusage klammern: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“

Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist, egal, was geschieht. Er zieht sich nicht zurück, wie viele von uns meinen. Gott tut alles um uns hoffnungsvoll und zuversichtlich zu machen. Er sucht unsere Gemeinschaft. Er will uns um sich herum haben und wir sollen uns bei ihm wie zu Hause fühlen.

„Wenn ich die Menschen glücklich sehe, bin ich am Ziel. Denn das Glück der Menschen war der Sinn meiner Schöpfung. Und glückliche Menschen brauche ich, um andere glücklich zu machen“ sagt Gott. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Erstellt: 15.7.2007
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 15:16 Uhr