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Predigt - Über die Freude

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herren Jesus Christus.

Liebe Gemeinde.

Heute habe ich keinen Predigttext für sie. Sondern ich möchte mit ihnen nachdenken über den Humor und das Lachen.

1. Karneval

1.1. Umfrage

Wie stehst du eigentlich zum Karneval. Diese Frage wurde mir in meinem Studium oft gestellt. In Wuppertal und Heidelberg sind diese Bräuche nicht ganz so verbreitet, wie in meiner Heimat am Niederrhein. Ja ich mag Karneval oder auch Fasching, wie er hier eher genannt wird. Ich mag ihn, obwohl ich selbst kein aktiver Jeck bin, solange er bodenständig ist und nicht in reine Alkoholexzesse und platte Pointenjagd verkommt.
Wenn ich nun heute unter ihnen eine Umfrage starten würde wie sie zum Karneval steht, würde ich sicher unterschiedlichen Antworten bekommen. Ich würde aber vermuten das die Antwort: "Mit Karneval kann ich nichts anfangen." eine der häufigeren währe.
Die evangelische Kirche hat sich mit dem Karneval schon immer etwas schwer getan und so ist es auch kein Zufall, dass die Hochburgen des Karnevals wie Köln und Mainz katholische Bischofsstätte sind.

1.2. Karneval und Kirche?

Aber hat Karneval eigentlich überhaupt etwas mit der Kirche zu tun?
Darüber lässt sich streiten.
Die einen sagen: Ja. Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi und als Vorbereitung auf den Osterjubel setzt die Fastenzeit ihren ernsten Akzent, deshalb ist es nur natürlich, dass vor den Bußwochen die Lebensfreude überschäumt. Von daher verwundert es auch nicht das die Hochburgen des Karnevals im Schatten der großen Kathedralen liegen.
Nein, winken die anderen ab. Aus vorchristlicher Zeit stammt der Mummenschanz. Im Evangelium steht es anders:

"Wehe euch, wenn ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und klagen."
(Lk 6,25)

Statt dem Karnevalstrubel mitzumachen sollte sich ein echter Christ lieber auf die Fastenzeit vorbereiten.
Ich möchte mit ihnen heute nicht das für und wider des Karnevals diskutieren, sondern der Frage nachgehen warum das Lachen, der Humor ja sogar die Freude einen so schweren Stand in der Kirche hat. Dazu möchte ich sie einladen zu einem kleinen Spaziergang durch die Kirchengeschichte um dem verlorenen Lachen auf die Spur zu kommen.

2. Hat Jesus gelacht?

2.1. Jesus selbst

Gehen wir zuerst zu den Anfängen unserer Kirchen, gehen wir zu Jesus selbst. Kein einziges Mal heiß es in der Bibel von Jesus, er habe gelacht. Jedoch kann ich mir Jesus nicht ohne einen guten Schuss Humor vorstellen. So werden seine Hörer doch über manche Wendungen geschmunzelt haben, die uns heute schon so geläufig sind, dass wir ihren Witz gerne überhören. "Der Balken im eigenen Auge", "Das Kamel, das durch ein Nadelöhr geht" sind doch Vorstellungen die einem gewissen Witz nicht entbehren. Urteilen sie selbst: Ist es möglich, dass Jesus gelacht hat, der der so oft mit allen möglichen und unmöglichen Leuten zusammen getafelt und ihnen viele Liter Wein spendiert hat und von Zuschauern deswegen als Schlemmer und Zecher, als Kumpan der Zöllner und Sünder gescholten worden ist".Ich denke: Ja Jesus hat gelacht, denn er war ein Mensch voller Liebe, der sich den anderen nicht verschlossen hat.

2.2. Jüdische Witz

Hinzu kommt noch das der Witz aus der jüdischen Tradition, in der auch Jesus stand nicht wegzudenken ist. Mir fällt dazu eine kleine Anekdote ein:Eines Tages kommt ein Mann zum Rabbi um sich bitter über seinen Nachbarn zu beschweren. Der Rabbi hört ihm geduldig zu und sagt zuletzt: "Recht hast du, ganz recht." Zufrieden geht der Kläger fort. Bald darauf stürzt der Nachbar herein und erzählt dieselbe Geschichte andersherum. Auch ihn entlässt der Rabbi mit den Worten "Du hast ganz recht". Wie er fort ist kriecht unter dem Tisch der kleine Sohn des Rabbis hervor und tadelt seinen Vater. "Aber Papi, du kannst doch nicht beiden recht geben." "Du hast recht." sagt bekümmert der Rabbi.3. Lachen in der Kirchengeschichte

3.1. Im Namen der Rose (oder die Gefahr des Lachens)

Wenn wir nun weiter auf die Kirchengeschichte blicke, finden wir wenige erheiternde Augenblicke. Oft ist die Geschichte finster oder zumindest sehr ernst. Humor und Lachen kommen in ihr so gut wie gar nicht vor. Ja im Gegenteil das Lachen wird gerade bekämpft. Am schönsten macht dieses Umberto Eco in seinem Buch "Im Namen der Rose" deutlich. Hier wird ein hochbetagter und gebildeter Mönch zum Mörder, um zu verhindern, dass ein Buch in dem Aristoteles das Lachen lobt und rechtfertigt allgemein bekannt wird. Fürchtet doch der Mönch das dieses Buch das ideologische Angst- und Einschüchterungssystem des mittelalterlichen Christentum zum Einsturz bringen könne. Nur Angst, glaubt er, veranlasse die Menschen, ein gottgefälliges Leben zu führen, während das Lachen ein Merkmal der menschlichen Schwäche und Sündhaftigkeit sei. Und mit dieser Meinung steht dieser Mönch in der Geschichte der Kirche bei weitem nicht alleine da.

3.2. Komische Heilige

Aber es gab auch andere Menschen der Kirchengeschichte. Sie stellen zwar eine kleine Minderheit da, aber es gab sie. Besonders herausgreifen möchte ich Philipp Neri genannt Pippo. Er lebt im 16 Jahrhundert und die Menschen nannte ihn einen "komischen Heiligen" Dieser Titel störte ihn keineswegs, sondern man erzählte sich, dass sein Herz ein solche Hitze ausstrahlte, dass man mitten im Winter die Fenster weit öffnen musste, wenn er den Raum betrat. Auch heute gibt es sie noch diese komischen Heiligen. So könnte der katholische Priester Ernst Heller ein Nachfahre dieses Pippo sein. Er sieht seine Aufgabe als "Clown Gottes" die Frohe Botschaft unter die Menschen zu bringen. Dieser Clown Gottes scheint vor nichts zurück zu schrecken. Nach einer Anekdote sprach er mit dem Papst über das Problem des mangelnden Priesternachwuchs, obwohl es doch hervorragende Männer und Frauen in der Kirche gebe. Er fragt den Papst: Ob er nicht doch das Zölibat aufheben könne. Der Papst schlug ihm vor, intensiv zu beten damit sich die Lage ändere. Darauf antwortete Heller: "Sie, Heiliger Vater, müssen aber handeln." Hier scheint sich eine alte Wahrheit zu bestätigen: "Man soll die Wahrheit heiter sagen, denn dem Clown hört man lieber zu als dem Prediger."

3.3. Luthers Himmel

Damit sie nun nicht denken nur die katholische Kirche hätte den Humor gepachtet noch eine kleine Anmerkung von Martin Luther. Der auch in seinen Tischreden und Schriften immer ein Freund der deutlichen Sprache war und eine Menge offenen und versteckten Humor sprechen lässt. Luther konnte und wollte sich einen Himmel in dem mit Leib und Seele gelacht werden nicht vorstellen. Er soll dazu gesagt haben, er wolle erst gar nicht in einen Himmel in dem nicht gelacht wird.

4. Was ist eigentlich Humor

Aber. Was ist eigentlich Humor?Humor ist immer spitz und scharf. Jedoch kann diese Schärfe unterschiedlich eingesetzt werden. Humor hat wie eine Münze zwei Seiten oder besser wie eine Klinge. Eine schmerzhafte und verletzende Seite und eine lebendige und befreiende Seite. Doch wenden wir uns zuerst der verletzenden Seite des Humors zu.

4.1. Die verletzende Seite des Humors

Humor, Witz und Freude sind dort verletzend wo sie auf Kosten anderer gehen. Wo Witze nur dazu gebraucht werden um alte Vorurteile zu transportieren. Wo gerne wieder vom Neger und der Türkenoma gesprochen wird. Witze bei denen, wenn man ein wenig nachdenkt, das Lachen im Hals gefriert.Noch verletzender sind nur noch die Witze über Schwächen von Menschen in meiner eigenen Umgebung. Doch Witz ist schon zu viel gesagt; hier geht es eher um ein lustig machen über andere. Und wenn man genau hinschaut geht es meistens nicht um den kurzzeitigen Lacherfolg sondern es ist eine der besten Techniken um von meinem eigenen Unvermögen abzulenken. Auf diese Art von Humor kann und soll die Kirche aus guten Grund verzichten.

4.2. Die befreiende Seite des Humors

Die andere Seite des Humors ist seine lebendige und befreiende Seite. Diese Seite ist nicht weniger spitz und scharf und er kann auch verletzen, jedoch ihre Spitze und Schärfe zielt auf etwas anderes. Es geht nicht allein um einen schnellen Lacherfolg sondern um ein neue Sichtweise auf die Dinge unseres Alltags. Lassen sie mich dieses an einem kleinen Beispiel illustrieren:In einer Schule die von Nonnen geleitet wird fragt die Oberschwester die Schüler: "Was ist braun, springt von Ast zu Ast und hat einen puschliegend Schwanz?" Darauf hin meldet sich Peter und sagt: "Eigentlich wollte ich sagen, das kann nur ein Eichhörnchen sein, aber wie ich den Laden hier kenne ist das wieder das kleine liebe Herr Jesulein." Sie merken hier geht es nicht darum Nonnen oder deren Schularbeit in Misskredit zu bringen, sondern einen Finger in eine Wunde zu legen. Das man Jesus doch auch da lassen sollte wo er hingehört und das es bereiche gibt, wo uns Herr Jesus nicht von Baum zu Baum springt. Aber entschuldigen sie ich fange schon an eine Pointe zu erklären und das ist ja bekannter weise der Tod im Topf.

5. Frohe Botschaft statt Drohbotschaft

Nun mögen sie denken jetzt redet er schon so lange übers lachen, aber wo ist den die Verbindung mit dem Glauben? Warum sollte man in einem Sonntagsgottesdienst, wo es meist wenig zu lachen gibt, mal abgesehen von den Versprechern des Pfarrers, über das Lachen nachdenken.Ich denke Lachen ist ein wichtiges Thema für unsere Kirche. Weil Lachen unserer Botschaft entspricht. Wie lange wurde den Menschen Angst gemacht mit der Botschaft der Bibel? Die Botschaft der Bibel wurde zu einer Drohbotschaft, die von Verboten und Geboten nur so wimmelte und immer den richtenden Gott im Nacken hatte. Aber Evangelium heißt "Frohe Botschaft" oder genauer gesagt "froh machende Botschaft". Der Kern unserer Botschaft ist: Das Gott uns Menschen liebt, das er unser Vater ist und uns nicht loslässt, sondern immer das beste für uns will. Und wenn wir diese Botschaft nicht nur im Kopf haben sondern in unser Herz dringen lassen, dann können wir befreit auflachen. Dann erkennen wir was im Leben wirklich wichtig ist und über was wir getrost lachen können. Paulus macht es uns vor, zum Beispiel befragt er im ersten Brief an die Korinther schelmisch den Tod: Tod wo ist dein Sieg? Tod wo ist dein Stachel? Und sagt uns damit: "Selbst der größte Gegner der Tod kann uns nichts mehr anhaben, ja mehr noch als Christen können wir dem Tod ins Angesicht lachen, denn Gott hat den Tod in Jesus Christus überwunden."

6. Macht die Fenster auf

Und dieses Lachen und diese Freude über das Geschenk Gottes an uns, ist deutlich mehr als ein paar tolle Tage im Februar. Diese Freude dieses Lachen soll uns unser ganzes Leben begleiten. So dass man merkt worauf unsere Freude basiert und wir vielleicht ein wenig wie der "komische Heilige" Philipp Neri werden, dessen Herz eine solche Wärme ausstrahlte das die Menschen im Winter die Fenster aufmachen mussten.Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Christus Jesus.Amen.

Erstellt: 8.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 4.4.2011 11:41 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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