Predigt - Ungeduld
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.
Liebe Gemeinde, Geduld – Geduld! Ach ja, Geduld ist eine schöne bürgerliche Tugend. Doch manchmal reißt mir der Geduldsfaden. Manchmal bin ich mit meiner Geduld am Ende.
Ewig warten, das kann man schließlich nicht. Denn irgendwann wollen wir auch einen Erfolg sehen, ja, eine Bestätigung. Einmal ist Schluss mit der Geduld.
Ich denke, dass wir alle ähnliche verzweifelte Situationen kennen. Geduld ist eine schöne bürgerliche Tugend, aber sie hat auch ihre Grenzen.
Im Jakobusbrief, unserem heutigen Predigttext, geht es aber nicht nur um unsere bürgerliche Geduld bzw. Ungeduld mit meinen Kindern, mit meiner Frau, vielleicht auch mit der Gemeinde.
Im Jakobusbrief geht es vielmehr um Geduld bzw. Ungeduld in einem ganz großen Rahmen. Es geht nämlich um die Frage, wann denn Christus, so wie die Bibel es uns verheißt, noch einmal wiederkommen werde, um dem Recht und der Gerechtigkeit auf der Erde zu neuem Glanz zu verhelfen.
Sollen wir darauf geduldig warten, oder ist, was die Zukunft unserer Welt betrifft, auch Ungeduld angesagt?
Jak 5, 7 - 87 Liebe Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus, bis der Herr kommt! Seht, wie der Bauer voller Geduld auf die kostbare Frucht der Erde wartet. Er weiß, dass sie zum Wachsen den Herbstregen und den Frühjahrsregen braucht.
8 Auch ihr müsst geduldig ausharren! Fasst Mut; denn der Tag, an dem der Herr kommt, ist nahe.
Gute Nachricht 1997
Liebe Gemeinde, diese Worte gelten ungeduldigen Christen. Sie hatten sich zu Jesus bekannt, hofften allerdings seit Generationen auf seine Wiederkehr. Für sie war die innige Sehnsucht nach Gerechtigkeit am Ende der Zeit damit verbunden. Doch bisher warteten sie vergebens. Da beginnt es zu kriseln.
Die Jugend will ihr Leben jetzt und heute leben, die Jugend will sich nicht endlos vertrösten lassen. Und alte Menschen werden müde in ihrer Hoffnung, die sich bisher nicht erfüllt hat.
Geduld, liebe Gemeinde, ist schwer zu lernen und es scheint als wenn es immer schwerer wird. Und warum sollte ich überhaupt geduldig sein? Lebkuchen und Glühwein im Sommer, warum denn eigentlich nicht?
Wenn ich den Sommer im Winter will, dann gehe ich halt ins Sonnenstudio oder zu Weihnachten fliege ich in die Karibik.
Doch bei dem Wort: Geduld, werden wir immer wieder bei unseren eigenen Schwächen gepackt. Wie schwer fällt es uns, Geduld unserem Nächsten und unserer Nächsten gegenüber zu haben. Wie schnell urteilen wir über andere Menschen ohne sie selbst zu hören, wie leichtfertig reden wir oft über andere anstatt mit ihnen zu reden, auch wenn es vielleicht unbequem und lästig ist. Wir suchen doch immer wieder den bequemeren Weg.
In diesen Wochen im Advent, warten wir Christen auf Weihnachten, zweieinhalb Wochen sind es noch. Zwei Kerzen brennen schon und zwei Kerzen sind noch am Adventskranz zu entzünden, bis die Kerzen des Weihnachtsbaumes unsere Räume erhellen.
Das geduldige und gespannte Warten der Kinder und auch manch ungeduldige Aufgeregtheit gehen dann zu Ende. Ja, das geduldige und gespannte Warten von uns allen findet dann ihre Erfüllung in Freude und wird vielleicht mit großen Geschenken und Momenten belohnt.
Zahlreich sind Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen. Da kann die Geduld schon einmal knapp werden. Doch wie oft heißt es dann: Sei doch nicht so ungeduldig, übe dich in Geduld, denn Geduld ist eine Tugend.
Wer von uns kennt diese Mahnungen nicht, die einem schon von Kindesbeinen an überdrüssig wurden. Immer warten, beim Einkaufen in der Schlange stehen, Geduld und Warten auf ein neues Auto oder Haushaltsgerät. Ja, geduldig sein bei der Erziehung der Kinder, geduldig sein mit dem Partner oder Partnerin und ihren bzw. seinen Launen.
Da reißt uns doch manchmal der Geduldsfaden, das ist zuviel. Warten, abwarten, sich gedulden, wie haben Menschen unter diesen Forderungen und Mahnungen gelitten. Und in letztlich nicht haltbaren Lebenssituationen erweisen sich warten und abwarten dann noch als eine Dummheit.
Geduld, liebe Gemeinde, schenkt unseren Nächsten die Freiheit, sich auf eine Weise zu entwickeln, auch einmal Fehler machen zu dürfen um dann daraus zu lernen, zu wachsen und stark zu werden.
Aber nicht nach der Devise: Ich bin sowieso der King und bin immer besser als die anderen, sondern ich nehme mich selbst zurück und schenke meinen Nächsten und damit natürlich auch mir neue Chancen für die Zukunft.
Wir stehen im Advent. Es ist eine Zeit der Besinnung auf den kommenden Herrn Jesus Christus. Aber wie bereiten wir uns auf seine Ankunft vor?
Seid geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn ist nahe. Das, liebe Gemeinde, ist der Aufruf zur Geduld in jeder Lebenssituation, die uns beschwert. Wir müssen uns klar machen, dass wir das, was unsere Seele betrifft, nicht einfach so beiseite schieben können, wie einkaputtes Auto.
Die Seele, sie ist ein Ort, der Raum braucht, der Geduld, ja, hoffnungsvolle Geduld braucht. Der Herr ist nahe, das ist nicht nur eine zeitliche Aussage der alten Christenheit, nein, ich vertraue darauf, dass das Kommen des Herrn das Kommen in unser Leben beschreibt.
Ja, mit Geduld müssen wir das annehmen, was auf uns zukommt, ja, dass Gott jemand ist, der Leben erneuert und verändert, der Tod und Trauer überwindet.
Warten wir mit dem Bauern. Er lehrt uns innezuhalten und zurückzutreten von der Erde, sowie Maß zu nehmen und dann beherzt zur Tat zu schreiten. Warten wird so zur Zeit der Bewahrung des Guten. Wir werden bewahrt, wir erhalten Raum und Zeit geschenkt, wir sind vom Druck entlastet, hier und heute alles zum Ziel bringen zu müssen.
So wie ein Bauer auf die kostbare Frucht seiner Ernte geduldig wartet, so können auch wir auf unsere Hoffnung hin leben. Durch Jesus Christus hat Gott uns seine Begleitung versprochen. Er will den oft schweren Weg durch unseren Alltag mitgehen. Er will geduldig am Haus unseres Lebens bauen. Er gibt uns die Zusage seiner Nähe.
Der kluge Bauer wartet ab. Er kennt die Wechselspiele der Natur mit warm und kalt und ebenso hell und dunkel. Er weiß, dass in der Natur alles wunderbar geordnet ist, auch wenn die intelligentesten Naturwissenschaftler nicht alle Merkmale bis heute erklären können.
Doch der kluge Bauer kann warten, weil er Vertrauen hat. und wenn es nötig ist greift er zwischendurch auch ein. Und so können auch wir in unserer wechselnden Gegenwart, Gott vertrauen, dass er alles zu einem guten Ende führen wird.
Der Herr der Welt kommt gewiss. Jesus Christus ist schon auf dem Weg zu uns.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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