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Predigt - Vom Beten

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herren Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,
"Betet" – Das ist der Name für den heutigen Sonntag. Oder wie er im Kirchendeutsch heißt "Rogate". "Betet" - Ein Befehl knapp und klar und gerade dadurch schwer zu verstehen.

Ich möchte heute mit ihnen heute über das Gebet ein wenig nachdenken. Fangen wir doch an wie der Lehrer Bömmel in dem berühmten Film "Die Feuerzangenbowle" und fragen uns

"Wat ist eigentlich ein Gebet?"

Die Antwort von Lehrer Bömmel würde dann wohl sinngemäß lauten:

"Da stellen wir uns mal janz dumm und da sagen mer so: Ein Gebet, dat ist ne jroße schwarze Raum. Der hat hinten und vorne e Loch. Durch das eine Loch kommt das Gebet herein und das andere kriegen wir später."

So leicht wie bei einer Dampfmaschine, die ja eigentlich den Erklärungsversuchen von Lehrer Bömmel zugrunde liegt, scheint das mit dem Gebet nicht zu sein. Doch der große dunkle Raum in den etwas hineingeht und man sich dann nicht sicher ist was es bewirkt, scheint doch als Bild ganz gut auf das Gebet zu passen.

Denn das Nachdenken über das Gebet wirft viele Fragen auf.

Warum soll ich beten?
Für Wen soll ich im Gebet bitten?
Lohn sich Beten überhaupt?
Aber schauen wir uns das Gebet ein wenig genauer an.

Was macht ein Gebet zu einem Gebet?

Ein Gebet ist immer eine Anrede.
Ein Gebet hat immer einen bestimmten Empfänger.
Ein Gebet ist immer an Gott gerichtet und das und nur das macht ein Gebet zu einem Gebet.
Der Inhalt eines Gebetes kann hingegen sehr unterschiedlich sein.

Ein Gebet kann eine Bitte sein, für mich und die Menschen die mir am nächsten sind.
Bitte um Kraft in einer schweren Situation.
Bitte um Hilfe, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß.
Bitte um einen klaren Kopf bei der Mathearbeit.
Ein Gebet kann eine "Danke sagen" sein, in dem ich Gott für gewesenes danke.
Dank für einen gelungenen Tag.
Dank für gute Gedanken.
Dank für Freunde und Familie.
Bitte und Dank, das ist der Rahmen in dem sich die meisten unserer Gebete bewegen.

Ein Gebet kann aber auch noch mehr sein

Ein Gebet kann sich auch in eine Klage an Gott richten. Nicht wenige Psalme der Bibel enthalten solche Klagen, in denen der Beter Gott die ganzen Probleme vor die Füße schmeißt und nach seiner Verantwortlichkeit fragt. Solche Gebete sind für die umstehenden Hörer oft am schwersten zu ertragen. Besonders ich als Theologe möchte doch Dinge erklären und Gott den Menschen nahe bringen. Aber es gibt Zeiten und Situationen, da stehen wir als Menschen Fassungslos vor den Ereignissen und jede notdürftig zusammen gezimmerte Erklärung wirkt wie Hohn.

Wo ist Gott bei Tod eines Kindes?
Wo ist die Liebe Gottes in der Welt sichtbar anlässlich soviel Gewalt und Blutvergießen?

Es gibt Situationen, da will und kann ich nicht vom liebenden und allmächtigen Gott reden, sondern nur noch in die Klage vor Gott einstimmen. Oft wird eine solche Klage als der Abfall von Glauben verstanden, aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Wer Gott seine Not klagt, der bleibt an Gott dran. Der lässt nicht einfach von ihm ab, wenn nicht mehr alles so ist, wie es sein sollte. Klagen vor Gott bringen ist nicht der Abfall vom Glauben sondern vielleicht die intensivste Form des Gebetes. Im Gebet kann somit alles vor Gott gebracht werden Bitte, Dank und auch die Klage.

Nichts muss heruntergeschluckt oder verheimlicht werden.
Denn vor wem sollte ich mich verstellen im Gebet?
Vor mir selbst kann ich mich wohl schlecht verstellen und vor Gott sich zu verstellen ist ziemlich aussichtslos.
Ich brauche im Gebet keine Maske aufzusetzen, nicht den heiteren Menschen geben, der alle Probleme lösten kann.

Ich kann mich so geben, wie ich bin.
Ich kann meiner Freude und meine Sorgen offen aussprechen.
Ich kann meine Heiterkeit und Trauer herauslassen.
So kann das Gebet ein Raum der völligen Offenheit und Aufrichtigkeit werden. Schon diese Offenheit verleiht dem Gebet eine Kraft. Ehrlich vor Gott und mir selbst zu sein ist eine Kraft des Gebetes, die wir nicht unterschätzen sollten.
Aber doch bleibt da die Frage.

Nützt den das Gebet überhaupt etwas?
Hat das Gebet macht Dinge zu verändern, oder ist es nur gut das eigene Gewissen zu beruhigen?
Werden unsere Gebet erhört?

Mit der Erhöhrung unserer Gebete ist das so eine Sache. Wahrscheinlich jeder kennt die Situation für etwas inständig gebetet zu haben ohne das sich der erbetene Erfolg eingestellt hat. Und sagt nicht Jesus über das Beten:

"Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben."

Doch was wir dabei nicht vergessen sollten: Jesus stellt alle seine Gebete unter den Willen seines Vaters im Himmel, und genauso bitten wir in jedem "Vater unser", dass der Wille Gottes geschehe.

"Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden."

Erlauben sie mir das ich noch eine Anlehnung bei einem Film zu nehme. In der Komödie "Bruce allmächtig" wird auf lustige Weise der Frage nachgegangen, was denn passieren würde, wenn Gott alle menschlichen Gebete erhören würde. Ein Mensch, der sich immer wieder bei Gott über die Ungerechtigkeiten in seinem Leben beklagt, darf für ein paar Tage "Gott spielen". Anfangs macht ihm das viel Spaß, er vollbringt einige Wunder. So teilt er in einem Restaurant seine Tomatensuppe wie einst Mose das Rote Meer.

Dann aber wird er auch mit den vielen Millionen Gebeten der Menschen konfrontiert. Er erhält sie als e-mails auf seinen Computer und großzügig wie er ist, tippt er als Antwort ein: "Alle Gebete erhören." Das Problem ist nur, dass etwa 100.000 Menschen für sechs Richtige im Lotto gebetet hatten. Als ihr Gebet erhört wird, währt ihre Freude nur kurz, denn jeder bekommt jetzt nur noch wenige Dollar als Gewinn ausbezahlt.

Der Film zeigt auf nette Weise, dass Menschen oft sehr egoistisch beten und dass es einfach nicht in Gottes Interesse liegen kann, alle unsere menschlichen Wünsche zu erfüllen. Aber was können wir von Gott erwarten? Was dürfen wir von ihm im Gebet erhoffen?

Die Antwort auf diese Frage brachte Dietrich Bonhoeffer auf den Punkt. Er sagte:

"Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen."

Gott verspricht uns nicht das wir ein Leben ohne Sorge führen werden, das kein Leid uns etwas anhaben kann. Sondern Gott verheißt uns, dass er mit uns gehen will, dass er bei uns ist in schweren und in schönen Tagen und dass seine Verheißung an die Menschen der Bibel auch uns gilt. So wie Jesus es zusammenfasst kurz vor seiner Himmelfahrt:

"Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft regiere und bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Christus Jesus.

Erstellt: 8.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 4.4.2011 09:42 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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