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Predigt - Was ist Gehorsam?

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Phil 2,5-11
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
6 Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein
7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
9 Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen - alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde;
11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Gute Nachricht 1997

Liebe Gemeinde, mit Palmsonntag beginnt die Karwoche. Palmsonntag, der Name, er kommt von dem Ereignis des Einzugs Jesu in Jerusalem her. Er wurde empfangen wie ein König. Der rote Teppich des Staatsmannes waren die Palmenzweige, die die Menschen von den Bäumen abgeschlagen haben, um Jesus den Weg nach Jerusalem zu ebnen. Damals muss das ein bedeutsames Ereignis gewesen sein.

Jesus hatte einen großen Bekanntheitsgrad. Man sah in ihm einen neuen Führer in Jerusalem. Manche werden von ihm erwartet haben, dass er die politischen Verhältnisse in Jerusalem ändert. Die Römer sollten endlich aus dem Lande vertrieben werden und ihre Herrschaft sollte gebrochen werden.

Vielleicht war dies ja von Jesus zu erhoffen, vielleicht hatte er die Macht, dies zu erreichen. Einen solchen König wollten viele. Andere wieder haben mehr religiöse Gedanken gehabt. Endlich einer, der das religiöse Leben erneuert, der den Muff von vielen Jahren beseitigt, der eine neue religiöse Bewegung in gang setzt und so den jüdischen Glauben stärkt.

Andere haben vielleicht einfach nur ein wenig Hilfe von ihm erwartet. Eine Heilung, ein gutes Wort, eine gnadenreiche Begegnung mit diesem so sagenumwobenen Menschen.

Und wieder andere, die da am Straßenrand standen, waren schlicht nur neugierig, was das für einer war, von dem alle redeten, oder es waren seine Gegner, die nur darauf warteten, dass Jesus in die Stadt kam, um ihn beseitigen zu können.
In seinem Brief an die Gemeinde in Philippi schreibt der gefangene Paulus an eine verfolgte Gemeinde und tröstet sie, indem er ihr das Bild des leidenden Christus zeigt.

Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.

Vom Gehorsam ist hier die Rede, doch was genau ist denn Gehorsam?

Gehorsam ist keine Tugend. Er kann ebenso gut ein Laster sein. ─ Das Dritte Reich baute auf den beiden Lastern Raffgier und Gehorsam auf. Eine ganze Führungsclique hat sich unsäglich am Vermögen der von ihnen Ermordeten und Vertriebenen bereichert.

Dass einer oder eine von uns, an dem, was er oder sie durchmachen müssen, Gehorsam lernen sollen, wie wir es im Predigttext hörten, ist für mich ein fremder Gedanke.

Vertrauter wird mir dieser Gedanke auch nicht dadurch, dass es Jesus ist, der hier von seinem, ja, von unserem himmlischen Vater dieser Leidenserziehung unterzogen wird.

Vorbild ist Jesus ja allemal für uns, die wir seine Geschwister sind. Aber wollen wir es ihm hier gleichtun? Wollen wir auch am Leid Gehorsam lernen?

Müssen wir leiden? Ja, manche Menschen schon. Aber vielleicht würden wir doch sagen, die so richtig großes Leid haben, sind heute sicher nicht hier in der Kirche.
Denn Leid, das ist doch eher eine schwere Krankheit, ein ganz schlimmes Schicksal und große Trauer und Verlassenheit, wenn ein Mensch von uns gegangen ist, tiefe seelische Depression, Hoffnungslosigkeit vor einem ganz dunklen Verhängnis.

Wir, die heute hier sitzen, sind dagegen doch gut dran. Uns plagen vielleicht die Beschwernisse des Alters, wir machen uns Gedanken um die Ausbildung unserer Kinder oder Enkel, wir sorgen uns angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung oder um den eigenen Arbeitsplatz oder den eines Angehörigen.

Müssen wir leiden? Ja, wir alle haben Leid und es ist uns gegeben, "dass wir daran Gehorsam lernen."

Jesus hat den Gehorsam bis zum Tod am Kreuz im Garten Gethsemane erst lernen müssen. Er hat geweint, geschrien, gefleht und um ein besseres Schicksal gebetet.

Die leise Stimme Gottes oder die leise Stimme des Gewissens zu hören und ihr zu gehorchen, ist schwer und wohl auch oft mit einem schweren Kampf verbunden.

Jesu Schreien, seine Angst, sein Todeskampf waren nicht umsonst. Er ist erhört worden. Sein Tod und seine Auferstehung sind die Grundlage unserer ewigen Rettung. Er lebt, und wir sollen auch leben!
(Joh. 14,19b)

Jesus Christus, einzig geborener Sohn des Vaters, lernt durch Leiden den Gehorsam. Der Sohn gehorcht dem Vater. Und wer dem Sohn gehorcht, findet dadurch "ewiges Heil", also Glück und Erfüllung ohne Beschränkung durch Zeit oder Tod, für sein ganzes Leben.

Beim Gehorsam, liebe Gemeinde, geht es um etwas ganz anderes. Vielleicht schickt Gott uns auch hier schwere Tage, durchwachte Nächte, drückende Sorgen oder auch Zeiten der Krankheit.

Was ist in Jesus Christus zur Geltung gekommen? Sein Gehorsam Gott gegenüber, seine Liebe zu uns Menschen, ja zu allen Menschen. Wenn wir nun gesinnt sind, wie Jesus Christus es war, dann kann das für uns nur bedeuten, unser Leben auch in Gehorsam nach den Bedingungen Gottes zu leben.

Unser Leben unter seinen Willen zu stellen, das bedeutet, den Willen Gottes suchen, zu warten auf das, was Gott tut und dann tun, was Gott erwartet. Das ist alles.

Mein Gehorsam ist die Antwort auf die Liebe Gottes. In der Geborgenheit der Liebe Gottes gewinne ich die Freiheit, andere zu lieben, gewinne ich die Freiheit, nicht auf Kosten anderer leben zu müssen.

Ich gewinne die Kraft und die Sensibilität, den Freiheitsraum des anderen zu beachten und zu respektieren. Mein Freiheitsraum endet an der Grenze des Freiheitsraumes des anderen. Ich kann mich nicht auf Kosten anderer entwickeln. Ich kann die Ehre, die Würde des anderen Menschen stehen lassen.

Als Menschen werden wir ständig mit verschiedenen Gehorsamsforderungen konfrontiert. Sie mögen als verlockende Werbung gut verpackt sein, aber nüchtern betrachtet ist es so: Zu Glauben bedeutet die grundsätzliche Entscheidung:

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"
(Apg 5,29)

Liebe Gemeinde, als Christen können wir das durchaus "Gehorsam" nennen, Gehorsam gegenüber Gott. Er will ja doch, dass wir nicht bei unserem falschen Verhalten stehen bleiben - besonders da, wo es die Gemeinschaft mit anderen Menschen betrifft.

Ich bin aber davon überzeugt, dass in vielen Dingen, die wir Leid nennen, eine solche Aussicht verborgen ist, ein Handeln unsererseits, zu dem uns Gott mit dem Leiden bringen will, führen will.

Er hat nicht zuerst vor, uns zu bestrafen, unsere Sünde, unsere Fehler heimzusuchen, uns klein zu machen und seine Macht über uns zu zeigen. Gott ist unser Vater! Und der Vater will immer das Beste für seine Kinder   Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 12.10.2010
Zuletzt aktualisiert: 22.4.2011 11:39 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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