Predigt "Wer einen Sohn hat, der hat das Leben"
Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herren Jesus Christus.
Der heutige Predigttext steht im ersten Johannesbrief im 5 Kapitel:
Wer den Sohn hat, der hat das Leben:
wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.
Liebe Gemeinde,
1. Wer den Sohn hat, der hat das Leben
1.1. Werbebotschaft
"Wer den Sohn hat, der hat das Leben."
Ein toller Satz, schlicht und stark, wie eine Werbebotschaft. Eine Werbebotschaft für den Glauben. Doch was verbirgt sich hinter dieser schlichten Werbebotschaft des heutigen Sonntages? "Wer den Sohn hat, der hat das Leben." Ich möchte mit ihnen heute einmal genauer hinter diese Werbebotschaft des Glaubens schauen.
Von welchen Sohn hier geredet wird ist schnell klar, es geht um Jesus von Nazareth, den Christus, den Sohn Gottes. Der ganze erste Johannesbrief wird nicht müde dieses zu betonen. Jesus von Nazareth, der an Weihnachten geboren wurde, der hier auf Erden gelebt hat, ist der Sohn Gottes.
1.2. Glauben - Haben
Was schon eher verwundert ist die Umschreibung "Wer den Sohn hat". Eigentlich würde wir doch eher hier erwarten, "Wer an den Sohn glaubt". Die beiden Begriffe "Glauben" und "Haben" meint hier das gleiche. Doch beide Begriffe haben jeweils auch eine Schwäche, sie können falsch verstanden werden, ja im Bezug auf Gott zu wenig sagen. "Glauben" meint in der Bibel nie etwas allein fürwahr halten, weil man es nicht besser weiß; sonder Glauben meint in der Bibel immer mehr, es meint ein tiefes Vertrauen auf Gott. Und ein solches tiefes Vertrauen ist nicht weniger, sondern mehr als ein reines Wissen.
So meint auch "haben" hier in unserem Text nicht ein "haben" im Sinne von "etwas besitzen", sondern ein "haben" im Sinne von "in sich haben", mit etwas verbunden zu sein. Wenn wir das alles zusammennehmen können wir unserer Werbebotschaft übersetzen mit: Wer Jesus von Nazareth, dem Sohn Gottes, vertraut, der hat das Leben.
1.3. Das Leben
Das zweite Problem der Werbebotschaft liegt nun vor uns. "Der hat das Leben" Von welchem Leben wird hier geredet? Leben meint hier mehr als unser normales Leben auf der Erde. Leben meint hier ein "Leben bei Gott", ein Leben das jetzt schon durch den Glauben mit Gott verbunden ist. Das so mit ihm verbunden ist das selbst der Tod nicht diese Verbindung trennen kann. So wird dieses Leben auch als das ewige Leben bezeichnet.
2. Eine Frage der Toleranz
2.1. Giftschrank
Doch nach dieser schlichten Werbebotschaft kommt ein Nachsatz der uns heute immer schwerer über die Lippen geht. "Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht." Dieses scheint nur die logische Konsequenz des ersten Satzes zu sein. Aber kann man einen solchen Satz noch sagen, geschweige den predigen? Eigentlich wollen wir als Christen doch als tolerant gelten und aufgeschlossen gegenüber neuem sein. Sollte man dann nicht lieber solche absoluten Sätze in den Giftschrank tun? Ich denke "Nein".
2.2. Wahrheitsanspruch
Jede Religion auch die christliche Religion hat einen eigenen Wahrheitsanspruch:
- einen Anspruch die Welt zu erklären;
so verstehen wir als Christen die Welt als Schöpfung Gottes
- die Bibel gibt uns Orientierung, wie wir ein gelingendes Leben führen können
so wie es uns Jesus Christus in der Bergpredigt beschrieben hat
- unserem Leben bekommt dadurch einen Sinn,
indem wir als Kinder Gottes leben dürfen.
Der Anspruch des christlichen Glaubens ist es: Dieses alles von Jesus Christus zu erwarten.
2.3. Ich bin der Weg ...
Wie es auch schon im Evangelium nach Johannes heißt "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich." Hier wird Jesus nicht als ein Weg unter anderen vorgestellt, sondern als der Weg zum Vater. Der Weg bei dem wir nicht beurteilt werden nach dem was wir vorzuweisen haben, sondern der Weg auf dem wir geliebt werden weil wir Gottes Kinder sind.
2.4. Toleranz kommt von tolerare
Wenn man den christlichen Standpunkt so klar bestimmt, wie in unserem heutigen Predigttext, dann hört sich das im ersten Eindruck sehr intolerant. Hier liegt aber ein Missverständnis beim Begriff Toleranz vor. Toleranz meint nicht ein Gleichmacherei nach dem Motto alle werden schon ein wenig recht haben. Sondern Toleranz kommt von dem lateinischen Begriff "tolerare" was soviel heißt wie "ertragen" oder "erdulden". Toleranz meint also die Unterschiede zu ertragen, die verschiedenen Sichtweisen zu erdulden und dem anderen, der etwas anderes glaubt, das selbe Recht zu zubilligen, wie man es auch vom anderen erwartet, nämlich geachtet und respektiert zu werden.
3. Dialog
Verstehen sie mich richtig. Dialog mit anderen Religionen und Kulturen ist heute wichtiger als je zuvor. Dazu ist auch das Bemühen den anderen zu verstehen unbedingt notwendig. Aber eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem anderen kann nur dann geschehen, wenn man eine eigenen Position hat und über seine Positionen und die des anderen miteinander spricht. Nicht um einander zu überzeugen, sondern mehr von anderen zu verstehen.
3.1. Ökumene
Diese Toleranz hat schon sichtbare Früchte in der Ökumene geschlagen. Wir als evangelische Christen sind in verschiedenen Punkten deutlich anderer Meinung als die katholische Kirche. Wir haben gemeinsam in einem langen und immer noch andauernden Prozess versucht herauszustellen, wo wir eine Gemeinsamkeiten haben, aber wir brauchen uns auch nicht zu scheuen die Unterschiede zu benennen. Und in der ökumenischen Bewegung haben wir festgestellt, das doch die beiden großen Kirchen vielmehr miteinander verbindet als trennt.
3.2. Dialog mit anderen Religionen
Ein wenig anders ist es bei den Gesprächen mit anderen Religionen. Hier begegnen sich verschiedene Deutungen der Welt. Und wir betrügen uns, wenn wir versuchen alles gleich zu machen. So haben zum Beispiel Islam und Christentum unterschiedliche Glaubensgrundsätze. Doch gerade dieses kann einem gemeinsamen Gespräch sehr gut tun. Wichtig ist immer das man dem anderen seinen Glauben lässt, so wie man es für sich auch vom anderen erwartet. Denn vor einer Gefahr will uns der heutige Predigttext auch warnen, eine Gefahr die schnell mit solchen absoluten Aussagen einher geht.
4. Bange machen gilt nicht
Der Verfasser schließt diesen Abschnitt:
"Das habe ich euch geschrieben,
damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt,
die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes."
Am Ende lenkt er den Blick wieder auf die Gemeinde und damit auf uns. Er hat diese Zeilen nicht geschrieben um anderen Angst zu machen, oder sie zu beschuldigen, warum sie nicht an Jesus Christus glauben. Dieses ist in der Kirchengeschichte oft genug geschehen und geschieht bis heute. Menschen wird Angst gemacht um sie zu überzeugen. In der christlichen Kirche wurde gern in der Mission mit der Hölle gedroht. Doch eine solche Mission mit dem Mittel der Angst widerspricht der frohen Botschaft, die nicht die Menschen in Angst halten will sondern sie gerade befreien will aus ihren Zwängen und Ängsten.
Ganz im Gegenteil der Verfasser schreibt diese Zeilen um uns gewiss zu machen, dass unser Glauben ein Ziel hat. Das unser Leben mit Gott stärker ist als alles andere, ja das selbst der Tod diesem Leben nichts anhaben kann.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft regiere und bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Christus Jesus.Amen.