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Predigt und Liturgie - Wir sind mit allem gesegnet!

Dialogpredigt

Eph 1,3-14: Lobpreis Gottes für die Erlösung durch Christus
3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe
5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens,
6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.
7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade,
8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.
9 Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte,
10 um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.
11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens;
12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.
13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist,
14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Liebe Jubilare! Liebe Gemeinde!

Manch einer ist ja mit allen Wassern gewaschen. Will heißen: Da kennt sich jemand aus, ist erfahren, raffiniert, schlau. Das Sprichwort stammt aus der Zeit, als Seefahrer die Meere bereisten und diejenigen waren, die von der Welt am meisten mitbekommen hatten. Sie wussten viel mehr über das Leben als der damalige Durchschnittsbürger und konnten viel Interessantes erzählen. Auf diese Redensart kam man, weil sie sich auf ihren Reisen natürlich auch waschen mussten und da wurde dann immer das Wasser des jeweiligen Landes bzw. Kontinents benutzt. So waren sie mit allen Wassern gewaschen. Heutzutage reicht das nicht mehr aus, um im Leben etwas zu erreichen. In der Wirtschaft zählt Erfahrung kaum etwas, wenn man die 50 überschritten hat. Nicht vermittelbar steht dann auf dem Stempel, den man von der Agentur für Arbeit aufgedrückt bekommt. Auch in vielen Schulen kommt man allein mit Wissen nicht durch. Mancher Schulhof ist zu einem Übungsplatz für Überlebenstraining geworden. Wer die Spielregeln der Stärkeren nicht beherrscht, muss mit Mobbing der übelsten Art rechnen. Wer kann sich noch auf den Unterricht konzentrieren, wenn der Gang ins Klassenzimmer schon zur Hölle wird? Raffinesse zahlt sich da schon eher aus. Oft ist es im Leben so, dass man sich redlich bemüht, doch vor der Unredlichkeit der Welt scheitert. Und Sie, liebe Jubilare, können davon gewiss manches aus eigenem Erleben erzählen.
Nicht umsonst führen wir in diesen Tagen eine Debatte um Werte, weil unser Wertesystem in Schieflage geraten ist. Hören wir einmal der Nachrichtensprecher/in zu.

"Mit Jesus gegen Stress und Hektik - Stressgeplagte greifen häufig zu Spiritualität und religiösen Techniken, um den Herausforderungen im Beruf zu begegnen. Auch die eigene Leistungsfähigkeit hoffen sie mit der Hilfe von Jesus oder Buddha zu steigern. Teilnehmer eines Yoga-Camps in Indien. Insbesondere unter Selbstständigen ist eine spirituelle Haltung gegenüber Lebens- und Berufsfragen vergleichsweise stark ausgeprägt. Jeder fünfte Freiberufler und Selbstständige interessiert sich für Meditation, Kontemplation oder Zen. 45 Prozent aller von der GfK Marktforschung Befragten finden, Deutschland brauche wieder mehr religiöse Werte. Jeder Dritte wünscht sich eine stärkere Bedeutung christlicher Überzeugungen in der Wirtschaft. Mehr als 20 Prozent glauben, Religion fördere den beruflichen Erfolg. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Düsseldorfer Identity Foundation in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim zum Thema 'Spiritualität in Deutschland'."
zitiert nach: http://www.ftd.de/karriere_management/management/74282.html

Wir sind mit allem geistlichen Segen gesegnet! Das ist nun keine Redensart, sondern ein biblisches Wort. Und was bedeutet es? Nun, es gibt ein Sprichwort, das uns sagt, was es nicht heißt: Von allen guten Geistern verlassen zu sein. Wir haben einen guten Geist empfangen, vergangene Woche haben wir das mit dem Pfingstfest gefeiert. Dieser Geist beseelt uns, lässt uns spüren, dass wir überall und jederzeit begleitet sind. Im Grunde genommen sind wir für diese Welt und das Leben bestens ausgerüstet. Denn auch wir wissen etwas, was andere nicht wissen können, aber vielleicht suchen: Hinter uns steht jener, der beides schuf: die Welt und das Leben. Es gibt also niemanden, der sich damit besser auskennt. Und er bemüht sich sehr und schon seit sehr langer Zeit, uns von seiner Sicht der Dinge profitieren zu lassen. Und Sie. liebe Jubilare, haben jede und jeder in ihrer/seiner Weise erfahren, dass Gottes Geist kein Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit ist. (2.Tim 1.7)

"Es «geistert» überall. Die «neue Religiosität» geht um. Bei den vielen geistigen Strömungen überhaupt noch durchblicken zu können, ist anspruchsvoll geworden. Dabei wird alles Mögliche mit dem Modewort «Spiritualität» etikettiert. Meditationsübungen, Traumwelten, Fantasiewelten, Mythen und Legenden sind wieder entdeckt worden. Und ein paar Clevere machen mit übersinnlichen Theorien, verpackt in einen Mystery-Thriller, Profit, ohne sich der großen Tragweite des gesäten Misstrauens bewusst zu sein. Sich mit übersinnlich-geistigen Welten zu beschäftigen, scheint einem tiefen menschlichen Bedürfnis zu entsprechen. Viele haben den Wohlstandsglauben einfach satt. Die Wiederentdeckung der Religiosität prägt und beschäftigt Menschen; mehr als uns das in den christlichen Kirchen bewusst ist. (...) Wer aber kann in dieser «geistgeschwängerten» Zeit noch etwas mit dem Heiligen Geist anfangen?"
(Walter Hürzeler, zitiert nach: http://www.thurgauerzeitung.ch/default2.cfm?vDest=Artikel&id=818337&re=Nachrichten)


Zunächst hat Gott sich ein Völkchen ausgesucht, das es mit sich und der Welt nun wahrlich nicht einfach hatte - und auch ihm das Leben zuweilen sehr schwer machte. Doch er ließ nichts unversucht, diesem und mit ihm auch all den anderen klar zu machen, was wirklich zählt im Leben. Sein intensivster und einzigartiger Versuch war schließlich die Sache mit Jesus. Im Epheserbrief liest man dazu etwas umständlich: "In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens". Was nichts anderes heißt, als dass Jesus die Menschen lehrte, Gott nicht nur als allmächtigen Schöpfer zu sehen, sondern vor allem als liebenden Vater. Und er war so sehr von dieser Liebe überzeugt, dass ihn selbst das Kreuz nicht davon abbringen konnte, an seiner Botschaft festzuhalten. Und heute, soll Ihnen, liebe Jubilare, diese Liebe ganz persönlich mit Ihrem Konfirmationsspruch nochmals zugesprochen werden. Er soll Sie daran erinnern, dass Sie ein Kind Gottes um Jesu willen sind und bleiben.

"Die Rückeroberung von Jesus Christus - In ganz Amerika formiert sich derzeit die 'Religious Left', die religiöse Linke. Immerhin 27 Prozent der US-Bevölkerung lassen sich laut einer Studie der University of Akron dieser Gruppe zuordnen. Damit ist sie zwar kleiner als die religiöse Rechte (38 Prozent), aber größer als das Lager der überzeugten Säkularen (21 Prozent). Kein Monat vergeht derzeit, in dem linke Christen nicht eine große Konferenz abhielten oder ein Buch darüber erschiene, wie man der Rechten die religiöse Deutungshoheit entreißen könnte: 'Sie haben uns Jesus gestohlen', lautet der Tenor der linken Gläubigen. Viel zu lange schon dominieren ihrer Meinung nach christliche Fundamentalisten, die bei Präsident George W. Bush meist ein offenes Ohr fanden, die gesellschaftspolitischen Debatten. Statt gegen Abtreibung, Schwulenehe und Evolutionslehre zu Felde zu ziehen, trommelt die religiöse Linke lieber gegen die Armut im Land, den Krieg im Irak und die Umweltverschmutzung. Und die Demokratische Partei, die zur Religion bisher reservierte Distanz hielt, entdeckt religiöse Wähler als Verbündete.
(zitiert aus: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,419376,00.html)

Viele Menschen haben den Tod Jesu nicht verstanden - bis heute nicht. Andere haben darin eine unglaubliche Zusage und Befreiung gesehen: Gottes Liebe zu den Menschen ist unverbrüchlich, sie gilt, auch wenn wir nicht vollkommen sind und Fehler machen. Der Epheserbrief drückt das so aus: "In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit." Also: Am Karfreitag sind all unsere Sünden ans Kreuz genagelt worden. Wir können sie dort jederzeit an die Nägel hängen, die Jesus bluten ließen. Wir müssen uns um ihretwillen keinen Kopf mehr zerbrechen, ob sie zwischen uns und unserem Gott stehen. Das tun sie nicht. Als Jesus auferstand, sind sie im Grab geblieben. Das drückt sich auch in dem Wort Erlösung aus: Die Sünden, die sind wir los - ein für allemal. Sie Jubilare, sind heute auch eingeladen zur Feier des Abendmahls. In ihr wird sichtbar und spürbar, dass eine jede und ein jeder bei Gott willkommen ist, eine jede und einer jeder Heil für seine Seele findet.

"Die Aufregung war programmiert, doch Madonna geht gerne darauf ein: Auf ihrer jüngst angelaufenen 'Confessions'-Tour schwebt die Sängerin unter anderem an einem glitzernden Kreuz auf die Bühne, dabei trägt sie eine Dornenkrone und singt ihren Klassiker 'Live to Tell'. Das hatte bei christlichen Verbänden in den USA und auch Großbritannien für Kritik gesorgt, der Auftritt sei eine 'banale Perversion eines großartigen Ereignisses', so der Vorwurf. (...) Nun hat Madonna selbst das Wort ergriffen, um sich zu verteidigen und spricht sogar für Jesus: 'Ich glaube nicht, dass Jesus böse wäre auf mich und die Botschaft, die ich überbringen will. Jesus hat gesagt, wir sollen unseren Nächsten lieben', zitiert der Onlinedienst 'Ananova' den Popstar. Schließlich sei die Showeinlage ein Aufruf an ihre Fans, Anti-Aids-Kampagnen zu unterstützen. Dazu zeigt Madonna auch Bilder afrikanischer Aidswaisen, bevor sie wieder die Yoga-Hüften schwingt."
(zitiert aus: www.n24.de/boulevard/vip/index.php/n2006052913182500002)

Wir feiern heute Ihr Gedenken an die Konfirmation am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit - Vater, Sohn und Heiliger ist eins, Gott sind drei. Viele Menschen können diese Vorstellung nicht nachvollziehen, geschweige denn verstehen. Vielleicht kann man das auch nicht. Deshalb sollte man erst gar nicht versuchen, die Trinität zu erklären. Wir sollten sie vielmehr als ein Geschenk ansehen, als Möglichkeit, Gott auf unterschiedliche Art und Weise zu begegnen und zu erleben. Wie wir in unserem "Nachrichtenblock" gehört haben, spielt er für viele Menschen noch eine Rolle, auch wenn er für politische Ziele, Showeinlagen und Stressbekämpfung herhalten muss. Irgendwo zwischen den Zeilen ist er dennoch zu finden: als Geist, als Sohn, als Vater. Auch und mitten in unserem Leben. Und auch Sie, liebe Jubilare, könnten ihre persönlichen Nachrichten hier einfügen, wo Gott eine Rolle spielt, wo sie erfahren haben: Wir sind mit allem geistlichen Segen gesegnet! Ist das kein Grund zum Jubilieren? Amen.

Liturgie

Wochenspruch:

Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
(Jesaja 6,3)

Kyrie:

Herr, unser Gott! Heilige sind wir nicht. Jedenfalls nicht, wenn es nach dem ginge, was wir tun, reden und denken. Tief in unseren Herzen, ja da verspüren wir diese Sehnsucht nach Vollkommenheit, den Drang nach Frieden mit unseren Mitmenschen, den Wunsch nach Geborgenheit in dir.
Doch selten, - zu selten - lassen wir das Kind in uns zu Wort kommen, das in uns steckt und dich zu unserem Vater macht. Selten geben wir die Liebe weiter, die wir von dir empfangen. Selten sind wir des Erbes würdig, das du für uns bereithältst. KYRIE ELEISON ...

Zuspruch: 

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
(Ps. 103,11-13)

Kollektengebet

Es tut gut, Vater, zu hören, dass du uns liebst. Es tut gut zu wissen, dass wir bei dir zu Hause sind. Es tut gut zu spüren, dass du unsere Nähe suchst. Wir sind und bleiben deine Kinder. Hab Dank, ewig Dank: Für deine Geduld, für deine Fürsorge, für dein Verständnis.

Fürbitten

Gott, der du Geist bist, bewege unsere Gedanken,
dass wir Phantasie entwickeln,
wenn es darum geht, das Leben zu schützen und zu fördern.
Schärfe unsere Sinne, dass wir Unrecht spüren
und jene nicht aus den Augen verlieren, die darunter leiden.
Ergreife Besitz von unseren Herzen,
dass wir unseren Mitmenschen
mit Sanftmut und Zärtlichkeit begegnen.
Gott, der du Sohn bist, lass uns den Spuren folgen,
die du in unserer Welt hinterlassen hast
und auf die Menschen zugehen, die uns brauchen.
Wie du wollen wir den Menschen,
die in unserer Gesellschaft als Verlierer gelten,
mit Liebe und Respekt begegnen.
Wie du wollen wir mit Wort und Tat
das Reich Gottes mitten im Leben bauen.
Gott, der du Vater bist, umarme uns mit deiner Liebe,
dass wir spüren, du bist bei uns.
Erfülle uns mit deiner Hoffnung,
dass wir uns auf den nächsten Tag freuen,
anstatt ihn zu fürchten.
Und segne uns mit deinem Wort,
das uns an dich glauben lässt,
auch wenn wir dich nicht immer verstehen. Amen.

Erstellt: 15.6.2006
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 17:14 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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