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Predigt - Wo wohnt Gott?

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.

Liebe Gemeinde,

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“

, so steht es geschrieben im 1. Mose 1, 1. Auch wir können sagen: „Am Anfang schuf Gott Raum und Zeit.“

Himmel und Erde, Raum und Zeit, diese Bereiche können wir erleben; diese Bereiche hat Gott für uns Menschen geschaffen, dass wir darin leben sollen; er selbst ist freilich nicht an sie gebunden.

Gott lässt sich schon gar nicht auf ein Haus beschränken, und sei es auch der prächtigste Tempel oder die prunkvollste Kathedrale, denn das gesamte Weltall, die „Himmel aller Himmel“, können ihn nicht fassen.

Das war dem König Salomo durchaus bewusst, als er den großartigen Tempel in Jerusalem einweihte, den er gebaut hatte.

Im Tempelweihgebet sprach er diese Worte:

„Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“

1 Kön 8, 22 - 24. 26 – 28
22 Dann trat Salomo vor den Augen der ganzen Gemeinde Israel vor den Altar des Herrn, breitete die Arme zum Himmel aus
23 und betete: »Herr, du Gott Israels! Weder im Himmel noch auf der Erde gibt es einen Gott wie dich. Du stehst zu deinem Bund und erweist deine Güte und Liebe allen, die dir mit ungeteiltem Herzen dienen.
24 So hast du an deinem Diener, meinem Vater David, gehandelt. Der heutige Tag ist Zeuge dafür, dass du dein Versprechen gehalten hast.
26 Gott Israels, lass doch in Erfüllung gehen, was du meinem Vater David, deinem Diener, versprochen hast!
27 Aber bist du nicht viel zu erhaben, um bei uns Menschen zu wohnen? Ist doch selbst der ganze weite Himmel zu klein für dich, wie viel mehr dann dieses Haus, das ich gebaut habe.
28 Herr, mein Gott! Achte dennoch auf mein demütiges Gebet und höre auf die Bitte, die ich heute vor dich bringe:
Gute Nachricht 1997

Wir beginnen jeden unserer Gottesdienste "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" und vertrauen auf seine Gegenwart.

Doch woher nehmen wir diese Gewissheit, dass Gott wirklich da ist? Ist Gott heute Morgen hier unter uns? Und, wenn ja, warum?

Weil dieses Haus halt eine Kirche ist? Weil dieses Haus ihm geweiht ist? Oder ist er vielleicht eher dort, wo man sich heute unter Bäumen und im Freien versammelt?

Findet man ihn nicht eher in der Natur, in seiner Schöpfung?

Einige unserer getauften Mitchristen, die heute den Gottesdienst nicht besuchen, würden das ausdrücklich betonen. Und die Bibelfesten werden entgegnen: Hat nicht Jesus gesagt

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."?

Und so fragt der Zweifler weiter: Sind wir wirklich in seinem Namen versammelt? Sind wir vielleicht nur aus Gewohnheit oder gar in unserem eigenen Namen da?

Heute feiern wir die Himmelfahrt Jesu Christi, und ich denke, wir sollten sie wirklich als Fest begehen, mit fröhlichen Liedern, mit einem schönen Gottesdienst, und nachher mit gutem Essen, Trinken und Beisammensein in den Familien, ohne Arbeit und den lästigen Alltagsstress.

Aber zum Feiern gehört auch die Erinnerung dazu, was es mit dem Anlass dieses Festes auf sich hat.

Mit Christi Himmelfahrt können wir uns sogar an mehrere Dinge erinnern. Erstens, hat Jesus die entsprechende Weissagung des Alten Testaments erfüllt.

Zweitens, er sitzt nun zur Rechten des Vaters, das heißt, er hat an der Weltregierung Gottes einen entscheidenden Anteil.

Drittens, Christus löst im Himmel das Versprechen ein, das er zuvor seinen Jüngern gab. Er sendet den Heiligen Geist.

Und viertens, Christus hat mit seiner Himmelfahrt das Versprechen seiner Wiederkehr am letzten Tag der Zeit verbunden.

Und so steht Salomo nicht siegessicher vor dem neuen Tempel, Gott nun endgültig zu haben und festzuhalten, sondern er bittet um seine Zuwendung.

So wie Gott seine Nähe den Vätern gnädig, geschenkt hat, so soll er es auch an diesem Ort tun. Salomo, er erinnert an den Bund, an das Versprechen, das Gott den Generationen vorher, seit Mose und Abraham, bis hin zu seinem Vater David freiwillig und unverdient gegeben hat.

Darauf soll diese heilsame Unsicherheit immer wieder aufmerksam machen. Gott ist nicht automatisch und selbstverständlich da, sondern er ist da, weil er sich von sich aus schenkt.

Ist Gott nicht überhaupt ganz außerhalb unseres Fassungs- und Denkvermögens? Ist er nicht in einer ganz anderen Dimension, für die unser Verstand überhaupt nicht geeignet bzw. gemacht ist?

Mit seiner Auferstehung und seine Himmelfahrt ist Jesus ja nicht einfach senkrecht nach oben verschwunden, sondern er hat die drei Dimensionen dieser Erde verlassen. Er steht nun auf der Seite des Schöpfers, für den die Beschränkungen der Schöpfung nicht gelten.

Stellen Sie sich einmal eine Welt aus zwei Dimensionen vor und zwar eine Welt der Fläche, die nur Länge und Breite, aber nicht die Höhe kennt.

Und nun stellen Sie sich vor, dieser zweidimensionalen Welt würde nun in Form einer Kugel, die dreidimensionale Welt begegnen. Die Geschöpfe der zweidimensionalen Welt könnten die Kugel nicht erfassen.

Sie befindet sich außerhalb ihrer Ebene und sie sehen diese gar nicht. Schneidet sie ihre Ebene, so sehen sie nur einen, sich in der Größe ändernden Kreis.

Die Vorstellung einer Kugel geht über ihren Verstand. Sie werden schlichtweg abstreiten, dass es so etwas gibt. Und begegnen sie ihr, so sehen sie doch nur die Spuren, die sie hinterlässt. Spuren, die man auch ganz anders deuten kann.

Ein Rabbi war zu Gast bei gelehrten Männern und überraschte diese mit der Frage:

"Wo wohnt Gott?"

Die gelehrten Männer, sie lachten über den Rabbi:

„Was redest du? Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!"

Schließlich beantwortete der Rabbi seine Frage selbst:

„Gott wohnt, wo man ihn einlässt."

Vielleicht ist das die tiefste aller Versuche einer Antwort. Denn: Was hilft es, wenn Gott in einem Gottesdienst da ist, weil dieser in seinem Namen gefeiert wird, aber ich als Gottesdienstbesucher ihn nicht bei mir selber einlasse?

Und was hilft es, wenn für mich andere Dimensionen und Wirklichkeiten kein Hirngespinst, sondern eine durchaus sinnvolle Denkmöglichkeit sind, aber Gott bleibt für mich nur theoretisch?

Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Gott wohnt, wo man ihm eine Tür öffnet. Er will im Alltag seinen Platz haben. Gott will zu einer ganz persönlichen Angelegenheit werden. Wer Gott so erfährt, dem kann ihm niemand mehr wegnehmen.

Aber wer garantiert einem das? Das Menschenherz ist, wie man weiß, anfällig für Versuchung. Ich kann auch für mich selber nicht die Hand ins Feuer legen. Wir neigen entweder zur Selbstherrlichkeit oder zur bequemen Anpassung.

Unser Herz ist wankelmütig. Da möchten wir, über Salomo hinaus, weiterbeten: Da müsstest du, Gott, selbst vom Himmel her einwirken, müsstest unser Herz erziehen, uns durch deinen Geist den Antrieb verschaffen, „von ganzem Herzen" dir dienen zu wollen, und selber in uns das Wollen und Vollbringen bewirken.

Auch auf diese Bitte, liebe Gemeinde, ist Gott eingegangen. Christus ist gekommen, er hat sich denen zugewandt, von denen man sagen musste: „wenn sie nur" auf ihren Weg geachtet hätten!

Aber sie sind abgewichen und sind nun verworfen. Jesus aber sprach zu diesem und jenem:

„Deine Sünden sind dir vergeben",

„dein Glaube hat dir geholfen."

Und nun feiern wir es, dass Christus, der so zu uns Menschen gesprochen hat, in den Himmel gefahren ist. Das bedeutet, dass er den ganzen Raum ausfüllt, in dem unser Denken, Suchen und Hoffen sich vortastet und in dem wir Geborgenheit suchen.

Christus, der jedem und jeder von uns, die ihn darum bitten, ein reines Herz und einen neuen, gewissen Geist zu schenken, verspricht.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.

Erstellt: 3.6.2011
Zuletzt aktualisiert: 3.6.2011 07:21 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

Kommentare [KEINE Anfragen!]

Barbara Buervenich schrieb am 06.07.11 11:52 Uhr:
Auf der Suche nach einem guten Impuls bin ich spontan auf diese seite gestoßen.Danke! Es war zwar kein neuer Gedanke aber wie oft "umkreise" ich Gott, bin auf der Suche nach ihm und hab mal wieder verpasst die "Tür" aufzumachen...Versuche es mal wieder es nun besser hinzubekommen mit dem Türe öffnen.
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