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Predigt - Wozu Abendmahl?

Liebe Gemeinde!

Die Katechumenen werden in diesem Gottesdienst erstmalig als Gruppe zum Abendmahl gehen. Für sie ist es ungewohnt, nach vorn zu kommen, das Brot zu teilen und zu essen, den Kelch zu empfangen und daraus zu trinken. Für sie ist es ungewohnt, ja noch mehr, unverständlich, was da geschieht. Und ich wäre mir auch nicht ganz sicher, ob die Erwachsenen sogleich die Antwort wüssten - außer der Verlegenheitsantworten: "Das gehört dazu." Oder "Jesus hat es doch auch gefeiert!" Das Gleichnis vom Abendmahl, das wir soeben gehört haben, kann uns erste Antworten geben.

Ein Gleichnis so sagt es schon der Name will etwas in Beziehung setzen, eben vergleichen. In unserem Fall. Der Mann, der ein Fest veranstalten will ist nicht irgendwer. Es ist Gott selbst. Er lädt uns ein. Darum ist es wichtig zu wissen. Nicht der Pfarrer/in, nicht der Vikar/in, nicht der Prädikant/in ist er Einladende, sondern Gott selbst ist der Gastgeber. Er will uns mit einem Fest erfreuen.

In dem Gleichnis macht der Gastgeber die Erfahrung, dass die Geladenen, als der Abend kommt, verhindert sind. Ein jede/r hat seine plausiblen Gründen. Damals wie heute. Die Katechumenen haben sie eben aufgezeigt, wie es in ihrem Alltag aussieht. Und auch wir Erwachsenen haben so unsere eigenen Entschuldigungen: "Ich fahre doch morgen in den Urlaub!" "Das kommt mir zu plötzlich! Ein anderes Mal sehr gern!" "Meine Kinder sind zu Besuch. Die kommen viel zu selten vorbei!" Und im übertragenen Sinne gilt: "Kirche ist was für Kinder und Alte." "Doch ich habe keine Zeit. Die ganze Woche muss ich früh raus. Da ist der Sonntag der einzige Tag zum Ausschlafen und für die Familie!" Und ganz Kecke äußern sich manchmal in dem Sinne. "Kann die Kirche nicht flexibler werden? Andere Zeiten - dann würde ich es mir nochmals überlegen!"

In dem Gleichnis werden nun jene eingeladen, die ansonsten keine Chance im Leben haben, da sie am Rand gedrängt sind, ausgestoßen und vergessen. Sie sitzen auf einmal an den Tischen des Gastgebers. Sie füllen die Räume des Gastgebers und erfreuen sich nun der guten Speise und Getränke.

Heute ist die Ausgangskollekte bestimmt für Kinder auf der Straße in Duisburg, wo ein Cafe als Anlaufstation eingerichtet wird. Man schätzt, dass 500 - 800 Kinder unter 14 Jahren auf der Straße leben, in leeren Fabrikhallen, alten Industrieanlagen oder unter Brücken. Sie brauchen eine Anlaufstelle, wo sie nicht vom Jugendamt oder Polizei aufgegriffen werden. Sie brauchen einen geschützten Bereich, wo Vertrauen neu wachsen kann. Sie sind heute die Menschen an den Hecken und Zäunen. Auch ihnen gilt die Zusage:
Gottes Haus hat offene Türen für jede/n.

Das Gleichnis schließt mit einer Warnung.

"Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird."
(V.24)

Darum heißt eine Liedstrophe in dem Abendmahlslied. Komm, sag es allen weiter:

"Herr, deinen Ruf verachten, das wäre unser Tod, drum hilf, dass wir beachten dein großes Angebot."

In unserer Konsum und Profit orientierten Zeit stellen sich dann gleich die Fragen: Was bietet uns Jesus an? Was habe ich davon?

Jesus würdigt uns als Person. Er beurteilt uns nicht nach unserem Aussehen, unserer Herkunft, unser Verhalten. Er beurteilt uns nach göttlichen Maßstab: Wir sind seine Kinder. Wir gehören alle zu einer Familie, zur Gottesfamilie.

Jesus schenkt uns seine Nähe nicht nur durch sein Wort, auch an seinem Tisch Gemeinschaft mit einander und mit Gott. Wenn wir das Brot weitergeben mit dem Gruß: "Der Herr sei mit dir", wenn wir den Kelch weiterreichen mit dem Wort "Friede sei mit dir", dann soll sichtbar und hörbar werden, Jesus will uns erfreuen, stärken, aufrichten. 

Martin Luther hat auf die Frage. "Wie kann leiblich Essen und Trinken solch große Dinge tun?" geantwortet:

"Essen und Trinken tut's freilich nicht, sondern die Worte, die da stehen: Für euch geben und vergossen zur Vergebung der Sünden."

Diese Worte sind neben dem Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament. Und wer denselben Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich:

"Vergebung der Sünden."

Damit weist Luther auf einen entscheidenden Grund hin. Wir brauchen auf dem Weg durchs Leben Rastplätze, wo wir uns stärken können. Wir brauchen solche Haltepunkte, wo wir uns neu orientieren können. Wir brauchen die Vergewisserung: Schuld belastet nicht mehr. Ich darf neu anfangen. 

Warum hat Jesus gerade Brot und Wein ausgewählt?
Sie sind Gaben, die Du und ich nicht selbst machen können. Auch wenn wir das Feld bestellen  oder im Keller den Wein keltern, kannst Du und kann ich doch keine Ähre und keine Trauben reifen lassen. Du und ich leben von dem, was uns geben wird, nicht von dem, was wir machen. Aber was uns gegeben wird, das setzt uns instand, Dinge herzustellen und aufzubauen, zu erfinden und zu planen, also etwas zu machen. Doch dieses beides sollen wir nicht verwechseln: Die Gaben, die wir bekommen und unser eigenes Werk. Brot und Wein sind Gaben. Sie zeigen eine Liebe an, die Du und ich nicht machen können. Diese vergebende Lebe ist immer gegeben, solange das Korn wächst und die Trauben reifen.

Bei Festen werden oftmals Erinnerungen ausgetauscht. An der letzten Geburtstagsfeier in meiner Familie habe ich Verwandte getroffen, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Da gab es viel zu erzählen. Da wurde auch manche Begebenheit von früher wieder wach. Genauso ist es beim Abendmahl. Jesus feierte mit seinen Freunden, weckte Erinnerungen, wie er sein Leben verstand, nämlich als Hingabe für andere.

Das will uns ermutigen, seinen Spuren gemeinsam zu folgen. Welche  Spuren das sind?  Paulus gibt einen sehr prägnanten Hinweis.

"Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander."
(Römer 14,19)

Auch dazu ist das Abendmahl da. Es will uns ermutigen auf dem Weg in unserem Alltag dem Frieden zu dienen.

Was die Katechumenen selbst vom Abendmahl verstanden haben, wollen sie anhand  ihrer Bilder erzählen. Amen.

Erstellt: 6.3.2005
Zuletzt aktualisiert: 3.4.2011 10:47 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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