Predigt "Wunder der Befreiung"
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
In vielen Ländern unserer Erde werden Christen verdächtigt, gegen die Regierungen dieser Länder zu sein. So lange aber die Christen die herrschenden Regime in Ruhe lassen, werden auch sie in Ruhe gelassen. Wenn sie es aber wagen Missstände beim Namen zu nennen, oder wenn sie es gar wagen, Miseren mit den Regierenden in Verbindung zu bringen, dann werden sie ins Gefängnis geworfen. Und wenn Menschen anderen Glaubens zum Christentum konvertieren, dann droht ihnen sogar die Todesstrafe.
Wo Diktatoren bzw. Extremisten an der Macht sind, ist das nichts Besonderes. Wir Deutschen haben dies mehrfach erlebt und andere Völker in Europa auch. Wir Christen gelten als Revolutionäre Gottes. Die Revolution Gottes ist ein Aufstand der Liebe gegen den Hass. Sie ist der Einsatz unseres Lebens gegen den Tod. Die Revolution Gottes ist die Vergebung gegen alle Härte unseres Herzens. Christen verkündigen Gottes Werk. Dieses Werk ist unsere Erlösung von Sünde, Tod und Teufel.
Genau das ist es, liebe Gemeinde, was uns ins Zwielicht bei denen bringt, die nur nach den Prinzipien der Ordnung und Sicherheit leben und denken können. Diese Denkweise und Ausübung von Macht hat uns Christen immer wieder bis heute, Benachteiligungen, Verhöre, Verfolgungen, und Gefängnis eingebracht
Paulus und Silas erging es nicht viel anders, als sie in Philippi waren. Überall, wohin sie gingen, folgte ihnen eine Frau, eine Wahrsagerin. Sie teilte den Menschen überall mit: »Diese Leute sind Diener des höchsten Gottes! Sie zeigen euch den Weg zur Rettung«. Im römischen Reich gab es viele Götter. Da der römische Kaiser in jedem Fall angebetet werden musste, war er wohl auch als der höchste Gott im Reich anzusehen.
Paulus, durch die missverständliche Aussage der Wahrsagerin genervt, sie war übrigens eine Sklavin, bedrohte den Wahrsagegeist der Frau: "Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst!" Und im gleichen Augenblick fuhr der Wahrsagegeist von ihr aus. Die Herren der Sklavin sahen sofort, dass mit dem Geist auch ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war. Sie packten Paulus und Silas und schleppten sie zum Marktplatz vor das städtische Gericht.
Sie stellten die beiden vor die Stadtobersten und erklärten: »Diese Menschen hier stiften Unruhe in unserer Stadt.
Sie sind Juden und sie wollen Sitten einführen, die gegen unsere Ordnung sind und die wir als römische Bürger nicht annehmen dürfen«. Paulus, Paulus, was hast du dir da eingebrockt! Man mischt sich doch nicht ungefragt in die Angelegenheiten fremder Leute. Und schon gar nicht, wenn es ums Geld geht.
Auch die Volksmenge war aufgebracht und verlangte ihre Bestrafung. Die Stadtobersten ließen Paulus und Silas die Kleider vom Leib reißen und gaben Befehl, sie mit Stöcken zu prügeln.
Apg 16, 23 – 34
23 Nachdem man ihnen viele Schläge verabreicht hatte, brachte man sie ins Gefängnis. Dem Gefängniswärter wurde eingeschärft, sie sicher zu verwahren.
24 Er sperrte sie darauf in die hinterste Zelle und schloss ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und priesen Gott in Lobgesängen. Die anderen Gefangenen hörten zu.
26 Da gab es plötzlich ein gewaltiges Erdbeben. Die Mauern des Gefängnisses schwankten, alle Türen sprangen auf, und die Ketten fielen von den Gefangenen ab.
27 Der Gefängniswärter fuhr aus dem Schlaf. Als er die Türen offen stehen sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten; denn er dachte, die Gefangenen seien geflohen.
28 Aber Paulus rief, so laut er konnte: "Tu dir nichts an! Wir sind alle noch hier."
29 Der Wärter rief nach Licht, stürzte in die Zelle und warf sich zitternd vor Paulus und Silas nieder.
30 Dann führte er sie hinaus und fragte: "Ihr Herren, Götter oder Boten der Götter! Was muss ich tun, um gerettet zu werden?"
31 Sie antworteten: "Jesus ist der Herr! Erkenne ihn als Herrn an und setze dein Vertrauen auf ihn, dann wirst du gerettet und die Deinen mit dir!"
32 Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus die Botschaft Gottes.
33 Der Gefängniswärter nahm Paulus und Silas noch in derselben Nachtstunde mit sich und wusch ihre Wunden. Dann ließ er sich mit seiner ganzen Hausgemeinschaft, seiner Familie und seinen Dienstleuten, taufen.
34 Anschließend führte er die beiden hinauf ins Haus und lud sie zu Tisch. Er und alle die Seinen waren überglücklich, dass sie zum Glauben an Gott gefunden hatten. (Gute Nachricht 1997)
Da lagen sie nun, Paulus und Silas, nachdem man sie hart geschlagen hatte, in einer wohl nicht sehr gemütlichen mit etwas Stroh bedeckten Zelle. Wie müssen sie sich, von allen verlassen, da gefühlt haben? Und in ihrer nicht geraden bequemen Lebenssituation wagen sie den Vorstoß nach vorne.
Um Mitternacht begannen Paulus und Silas zu beten und Gott zu loben. Und die Gefangenen hörten sie, doch nur für eine kleine Weile, denn dann wurde der Lobgesang der Apostel nicht mehr gehört. Er wurde vom Lärm und Getöse eines Erdbeben überschattet.
Das Erdbeben ist die Antwort Gottes auf den Lobgesang der Apostel Paulus und Silas. Das Erdbeben ist das Wunder der Befreiung und Öffnung. Es ist die Macht Gottes und es kündigt seine Nähe an. Es ist ein befreiendes und zugleich ein heilendes Erdbeben, denn von Tod und Zerstörung hören wir nichts. Die Türen öffnen sich und die Fesseln werden gesprengt. Das Erdbeben, liebe Gemeinde, gehört ebenso wie das eigene Gefangensein zu unserer eigenen Lebenssituation dazu. Es gibt Situationen im Leben, da kommt es einem so vor, als ob die Erde zu schwanken beginnt.
So kann es einerseits zu einer Krise werden, in der dann alle Werte und Sicherheiten ins Wanken geraten. Und andererseits kann es auch zur Befreiung, zur Öffnung und zu einer Neuorientierung führen.
Das Erdbeben ist die Antwort Gottes auf den Lobgesang der Apostel Paulus und Silas. Es ist das Wunder der Befreiung und Öffnung. Es ist die Macht Gottes und es kündigt seine Nähe an.
Wunder sind nicht erklärbar. Sie sind auch nicht greifbar und ebenso wenig darstellbar. Aber sie hinterlassen Spuren und haben Konsequenzen. Die eigentliche Konsequenz unseres Predigttextes ist nicht die Öffnung der Gefängnistüren und eine Flucht der Gefangenen, sondern die Begegnung der Apostel mit dem Gefängniswärter.
Und was tut Paulus? Er gab dem Mann nicht den Rat, doch am nächsten Sonntag einmal zum Gottesdienst zu kommen oder sich einen Termin bei ihm zu einem Gespräch geben zu lassen: "Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig." Und nach dem Gespräch mit den Aposteln ist der Gefängniswärter nicht mehr der Alte. Paulus und Silas verkündigten ihm den Weg der Rettung. - Jesus Christus, der Glaube an ihn, macht selig und frei. Liebe Gemeinde, bei ihm gibt es keine Mauern mehr, die einsperren.
Das Leben des Gefängniswärters wurde in dieser einen Nacht vollkommen umgekrempelt. Er ließ sich und sein Haus taufen und feierte mit den Aposteln ein Freudenmahl. Das Wunder der Befreiung ist an seinem Ziel angekommen. Gott will uns aus mancherlei Gefängnissen befreien, er will uns nach so mancherlei Tiefschlägen einen Neuanfang schenken und er will, dass wir Rettung und Heil erfahren.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.