Predigt "Predigt zur Konfirmation"
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Eltern! Liebe Paten!
"Wissen die Konfirmanden eigentlich, worauf sie sich einlassen?", fragte mich dieser Tage ein besorgtes älteres Gemeindeglied. "Die haben ja einen wunderschönen Vorstellungsgottesdienst geboten. Doch was haben sie gelernt?" Und dann folgte eine lange Liste an Lernstoff, der damals vor vielen Jahrzehnten als eiserne Ration fürs Leben auswendig zu lernen galt. Dann staune ich immer wieder, wie gegenwärtig noch heute die Lieder und Bibelverse sind.
"Wissen die Konfirmanden eigentlich, worauf sie sich einlassen?" Ja, sie wissen es.
Sie haben in den vergangenen zwei Jahren schon gelernt, dass Konfirmation Bestätigung heißt. Sie sagen heute nachträglich ihr persönliches JA zur Taufe. Sie bringen das Vertrauen mit, dass dieser Gott der Bibel alles kann nur eines nicht, die enttäuschen, die ihm vertrauen.
Sie haben in den vergangenen zwei Jahren schon gelernt, dass das Leben mehr ist als Essen und Trinken, mehr ist als just for fun, mehr ist als eine Einbahnstraße von der Geburt bis zum Tod. Sie haben gelernt, dass Leben als Geschenk und Aufgabe zu verstehen.
Mit einer kleinen Geschichte möchte ich es verdeutlichen. Am Bau des Freiburger Münsters sitzen Bauarbeiter die Sandsteinblöcke behauen. Was tun Sie da? Was für eine blöde Frage! Ich arbeite, um den Lebensunterhalt für meine Familie zu verdienen, sagt der eine. Und ein anderer antwortet: Sehen Sie nicht, ich haue eine Figur aus diesem Stein. Und ein dritter - ganz versunken in seine Arbeit- sagt: Ich arbeite zur Ehre Gottes, damit Menschen sich an seiner Güte erfreuen können.
Sie haben in den vergangenen zwei Jahren schon gelernt, dass die Bibel kein verstaubtes Buch ist, das für das Leben von heute keinen Aussagewert mehr hat. Die Beschäftigung mit vielen Geschichten, die demnächst an der Bergkapelle als Bibelweg zu sehen sind, zeigt, mit welchem Ernst und Interesse die Konfis dabei waren. Sie nehmen die Umwelt in ihrer Schönheit wie in ihrer Zerrissenheit wahr. Sie spüren, wie wichtig Leitlinien fürs Leben sind. Sie fragen kritisch nach und sind hin und wieder erstaunt, wie aktuell die scheinbar uralten, verstaubten biblischen Geschichten sind. So war es der Wunsch der Konfis sich mit der Geschichte von Kain und Abel näher zu befassen. Sie haben sehr einprägsam Lernsätze vorgetragen, wie z.B.:
Ich lerne, dass man allen Menschen eine zweite Chance geben muss.
Ich schneide mir von Gott eine Scheibe ab, weil er jemanden verziehen hat, der etwas sehr Schlimmes getan hat.
Ich lerne von Kain, dass Geschwister sich vertragen sollten.
Ich lerne von Abel, dass es schön ist, jeden Tag ein Lämmchen zu opfern.
Nun ist dieser Tag, liebe Konfirmanden/innen, einerseits der Abschluss dieser beiden Jahre und Ihr freut Dich über einen freien Nachmittag mehr. Andererseits ist dieser Tag heute wie eine Schwelle, über die Ihr nun geht, die Euch in größere Selbstständigkeit entlässt. Es fällt mir wie Euren Eltern und Paten dabei nicht leicht, Euch loszulassen, Eure Wege zu akzeptieren, Eure Meinung anzuhören und ernst zu nehmen. Und doch tue ich es in der Gewissheit, dass Ihr nicht allein seid.
Ihr seid eine gute Clique, in der Ihr Euch wohl fühlt, in der Ihr bei aller Verschiedenheit lernt, miteinander auszukommen und gemeinsam viel ausrichten könnt.
Ihr seid jung genug, um voller Ungeduld neugierig aufs Leben zu sein, und Ihr habt das Recht darauf. Ihr sollt und müsst Eure Erfahrungen machen. Die Eltern und Paten haben wie wir Erwachsene insgesamt dabei den schwierigsten Part, nämlich das Vertrauen in diese jungen Menschen nicht zu verlieren, auch wenn wir hier und da enttäuscht werden sollten. Doch es sei uns gesagt: Haben wir uns nicht auch das Recht herausgenommen, unsere Wege zu gehen?
Ihr seid voller Ideen und Tatendrang. Ich freue mich, dass Ihr weiter als Jugendgruppe zusammenbleiben wollt und ich bin mir sicher, dass Ihr in unserer Gemeinde Euren Platz finden werdet.
Als ich in Eurem Alter war, da gab es eine Werbung, die hieß: Drei Dinge braucht der Mann,,. Drei Dinge möchte ich Euch heute ans Herz legen:
Mit der Einsegnung erhält jede/jeder von Euch einen Bibelspruch. Er soll Euch wie ein Wegweiser sein durch das Leben. In der Geschichte von Kain und Abel wird erzählt, dass Gott Kain wegen seines Zornes anspricht: "Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie." Damit Ihr immer wieder den Blick frei erheben könnt, dazu soll Euch der persönlich ausgesuchte Bibelspruch helfen. Er möge Euch vergewissern, dass Gott mit Euch ist. Er spricht Euch an, wann immer Ihr Orientierung braucht, wenn Ihr unsicher seid. Er hilft Euch den Blick frei zu erheben und stärkt in Euch die Kraft, das Böse mit Gutem zu überwinden.
In der Geschichte von Kain und Abel wird am Ende des Gespräches von Kain und Gott erzählt: "Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände." Auch Ihr werdet heute "gezeichnet". Nicht mit dem Kainszeichen, aber mit dem Kreuzeszeichen. Eine Konfirmandin hat im Vorstellungsgottesdienst sinngemäß gesagt: "In der Fotogruppe, die diese Geschichte in Szene setzen sollte, haben wir uns für das Kreuz entschieden, weil es das Zeichen unseres Glaubensgrundes ist." Ihr sollt wissen. Wir gehören zu Jesus Christus. Er ist unser Freund. Auf ihn ist immer Verlass. Er hat von sich selbst gesagt: "Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde." (Johannes 15,13) Und er hat dieses Wort bestätigt in seinem Leben und in seinem Sterben. Er hat erfahren, dass Gott ein Freund des Lebens ist, der keinen in Angst und Schrecken belässt und vergisst und ihn aus seiner Not erlöst, ja sogar aus dem Tod.
Nicht nur ihr, liebe Jugendlichen seid heute aufgeregt und mit Euren Gedanken vielleicht schon bei den Geschenken, auch Eure Eltern schweifen mit ihren Gedanken schon längst um die Feier, ob alles auch termingerecht klappt, ob nichts vergessen wurde, die Getränke wirklich kaltgestellt sind. Die Oma überlegt, sie dürfe die Sahne nicht vergessen, wenn sie den Kuchen von zuhause holt. Sie soll doch wegen der Frische erst kurz vorm Kaffeetrinken geschlagen werden. So hat jeder seinen eigenen Grund während der Predigt einfach mal abzuschalten. Doch niemand hat wirklich etwas verpasst, denn die Zusammenfassung der Predigt, der Zuspruch für jede und jeden, nicht nur für die zu konfirmierenden Jugendlichen, finden Sie auf Ihrem Liedblatt: "Es geht kein Mensch über diese Erde, den Gott nicht liebt." Dafür steht Jesus Christus, unser Freund, ein. Amen.