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Reformationsgottesdienst - 31. Oktober 2009

Vorspiel

Begrüßung

Abkündigungen

Fragen zu Calvin - Katechumenen

A:
Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren. Unter dem Motto „Katechumenen fragen – Reformatoren antworten“ haben wir heute einen der Gründungsväter des reformierten Protestantismus zu Gast – Herrn Johannes Calvin. Herzlich Willkommen, Herr Calvin.

Calvin:
Guten Abend.

B: Herr Calvin, sie sind am 10. Juli 1509 in Noyon Frankreich geboren. Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihre Familie.

Calvin:
Mein Vater, Gérard Cauvin, war zuerst apostolischer Notar des Domkapitels in Noyon. Er wurde dann Steuerverwalter der Grafschaft Vermandois und schließlich Sekretär des Bistums und Promotor iustitiae (Kirchenanwalt) des Domkapitels. Meine Mutter, Jeanne Le Franc, war die Tochter eines vornehmen Bürgers und ehemaligen Gastwirts von Noyon. Sie war eine sehr fromme und schöne Frau . Jeanne Le Franc starb bereits 1515, als ich gerade einmal fünf Jahre alt war. Mein Vater heiratete dann eine Witwe. Mit ihr hatte er zwei Töchter. Er starb 1531.

D:
Hatten Sie Geschwister?

Calvin:
Ja, insgesamt sechs. Mein älterer Bruder, Charles, starb 1536. François, einer meiner beiden jüngeren Brüder, ist schon früh gestorben. Der andere, Antoine, lebte später mit mir in Genf ebenso wie Marie, eine der beiden Schwestern aus der zweiten Ehe meines Vaters.

A:
Herr Calvin, wie kamen sie zum evangelischen Glauben, und gibt es da einen Zusammenhang mit Ihrer Familiengeschichte?

Calvin:
Schon früh wurde ich von Zweifeln gequält, ob ich mit meinem althergebrachten Glauben vor Gott bestehen könne. Am Schicksal meines Vaters hatte ich außerdem gesehen, wie zweifelhaft die römische Kirche handelte. Über meinen Vater war nämlich wegen einer ungeklärten Erbschaftsfrage der kleine Kirchenbann verhängt worden. Deswegen sollte er nicht auf dem kirchlichen Friedhof beerdigt werden. Unter anderem mein Vetter Pierre Robert Olivétan brachte mir dann den evangelischen Glauben nahe.

B:
Und warum haben Sie dann Ihre französische Heimat verlassen ?

Calvin:
1533 gehörte ich zu den Mitverfassern der Semestereröffnungsrede des Rektors der Pariser Universität, Nicolas Cop. Wegen seiner Sympathien für den evangelischen Glauben wurde Cop angeklagt und musste nach Basel fliehen. Auch ich sah mich genötigt, Paris vorerst zu verlassen. Ich verzichtete 1534 auf meine Pfründe in Noyon. Als Ende 1534 in Paris antirömische Plakate auftauchten, wurden die Protestanten verfolgt.Ich floh nach Basel und verfasste dort meine Institutio, in der ich gegenüber König Franz I. die Reformation verteidigte. Von nun an war es für mich lebensgefährlich, nach Frankreich zurückzukehren. Ende Mai 1536 war ich das letzte Mal in meiner Heimat. Mein Bruder Charles war damals gestorben. Ich holte meinen jüngeren Bruder Antoine und meine Schwester Marie und verließ Frankreich für immer.

A:
Nun singen wir das nächste Lied: Jauchzt alle Lande Gott zu Ehre.

Lied: Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren EG 279,1-2

D:
Herr Calvin, Sie haben Ihre Schriften in Latein verfasst. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Calvin:
Ja sicher, damals war Latein DIE Sprache der Gelehrten und der Wissenschaft, in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Englischen heute. Als Theologe benötige ich natürlich Kenntnisse der biblischen Sprachen, vor allem Altgriechisch. Wie Sie wissen ist meine Muttersprache Französisch Deutsch habe ich selbst während meiner Zeit in Straßburg kaum beherrscht, aber wie ihnen sicher schon aufgefallen ist, ist das inzwischen anders.

A:
Herr Calvin, sie waren seit 1540 verheiratet. Hatten sie Kinder?

Calvin:
Meine Frau Idelette de Bure hatte aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter Judith. Um die Tochter habe ich mich wie ein Vater gekümmert. Der ältere Sohn blieb zunächst in Deutschland. Mir gelang es, ihn nach Genf zu holen. Unser einziges gemeinsames Kind, unser Sohn Jacques, lebte nur wenige Tage. Idelette war seit dessen Geburt und Tod im August 1542 gesundheitlich in Mitleidenschaft gezogen und erholte sich davon nie mehr richtig. Am 29. März 1549 starb sie in Genf. Auch wenn ich keine Kinder großziehen konnte, so nannten mich doch viele Schüler "Vater". Drei Jahre vor meinem Tod übernahm ich die Vormundschaft über die Kinder meines verstorbenen Freundes Guillaume de Trie. Ich versprach, sie wie meine eigenen Kinder zu behandeln.

B:
Herr Calvin, sie haben mehrere Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. Haben sie Martin Luther persönlich gekannt?

Calvin:
Während meiner Zeit als Pfarrer der französischen Flüchtlingsgemeinde in Straßburg, das damals ja zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte, nahm ich an den Religionsgesprächen in Frankfurt a. M., Hagenau, Worms und Regensburg teil. Dort lernte ich einige der führenden deutschen Reformatoren kennen, unter anderem Melanchthon. Luther selbst habe ich aber nie persönlich getroffen. Seine Schriften lagen nur auf deutsch vor, und, wie ich ja schon erwähnt habe, waren meine Kenntnisse der deutschen Sprache damals sehr gering.

A:
Nun singen wir die nächsten beiden Verse.

Lied: Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren EG 279,3-4

D:
Herr Calvin, allein ihr Briefwechsel umfasst etwa 4.300 Briefe. Waren sie ein Workaholik?

Calvin:
Ja, zweifellos. Ich habe nicht nur zahlreiche Schriften veröffentlicht und einen umfangreichen Briefwechsel geführt. In meinen letzten 15 Lebensjahren habe ich auch etwa 2.300 Predigten gehalten; also etwa drei Predigten pro Woche. Regelmäßig habe ich spät abends noch gearbeitet und manchmal nur vier Stunden geschlafen. Gesund ist das natürlich nicht.

A:
Herr Calvin, verraten sie uns zum Abschluss bitte ihre Lieblingsbibelstelle?

Calvin:

1. Korinther 1,30:
"Von Gott kommt auch ihr her in Christus Jesus, welcher uns gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung."

 - das ist sicher, wenn sie es so nennen wollen, meine Lieblingsbibelstelle.

B:
Herr Calvin, an dieser Stelle möchten wir uns für Ihr Kommen ganz herzlich bedanken und wünschen der Reformation der christlichen Kirche weiterhin viel Erfolg.

D:
Gegen Ende seines Lebens konnte Calvin das Bett nicht mehr ohne fremde Hilfe verlassen, so sehr quälte ihn die Gicht in seinen Beinen. Zudem litt er unter Tuberkulose und Lungenbluten. Trotzdem versuchte er weiter, einige Arbeiten zu verrichten. In den letzten Wochen seines Lebens nahm er ausführlich Abschied von den Mitgliedern des Rates, den Amtskollegen, den Mitarbeitern und den Freunden.

Am 27. Mai 1564 starb Johannes Calvin im Alter von 54 Jahren.

Viele Genfer nutzten die Gelegenheit, seinen Leichnam ein letztes Mal zu sehen, bevor er unter großer Anteilnahme auf dem allgemeinen Friedhof von Plainpalais ohne Grabstein beigesetzt wurde.

A: Nun singen wir die nächsten beiden Verse.

Lied: Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren EG 279,5-6

Gebet

Ein unansehnliches Volk, die Kirche:
uneins, in sich zerstritten,
altersschwach und unbeweglich geworden,
ohne Hoffnung und Überzeugungskraft.
So scheint es.
Gott, du hast uns Zukunft versprochen.
Willst du dein Versprechen nicht einlösen?
Hat dich unser Misstrauen, unsere Trägheit,
unser Versagen müde gemacht?
Wir wissen, das kann nicht sein.
Du hast dein Volk bisher geführt
– auf den Höhen und durch die Abgründe seiner Geschichte.
Du hast die Kirche vor ihren Feinden beschützt
und ihre Schwächen geheilt – immer von neuem.
Erweise nun auch an uns deine Macht.
Lass deinen Geist wirksam werden in deiner Gemeinde.
Wecke die Eingeschlafenen, versöhne die Streitenden.
Füge zusammen, was auseinander gebrochen ist.
Die neuen Möglichkeiten, die auf uns warten,
hilf uns erkennen und nutzen.
Es geht um unser Heil, Gott.
Es geht auch um deine Ehre. Amen.

Lesung aus Matthäus 5,1-10 in der Übersetzung der Guten Nachricht

5 1 Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg und setzte sich. Seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie, was Gott jetzt von seinem Volk verlangt. Er sagte:
3 „Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten –
mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.
4 Freuen dürfen sich alle, die unter dieser heillosen Welt leiden –
Gott wird ihrem Leid ein Ende machen.
5 Freuen dürfen sich alle, die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten –
Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben.
6 Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten,
dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger stillen.
7 Freuen dürfen sich alle, die barmherzig sind – Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
8 Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen.
9 Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften – Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen.
10 Freuen dürfen sich alle, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will –
mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.“

Lied: Singt dem Herrn ein neues Lied EG 287,1-4

Predigt: GOTT ALLEIN DIE EHRE

Luther trifft Calvin. Eine fiktive Begegnung

Von Dietmar Adler (Pastor, Ev.-luth. Petri-Pauli-Kirchengemeinde Bad Münder)

und Martin Hoffmann (Pastor, Ev.-ref. Kirchengemeinde Hameln-Bad Pyrmont)

Beratung: Rainer Steinkamp (Intendant, Theater der Stadt Wolfsburg)

I. Szene

Moderator Guten Tag, in diesem Jahr gedenken wir des 500. Geburtstags des Reformators Johannes Calvin.

Martin Luther und Johannes Calvin sind sich unseres Wissens nie begegnet. Aber wir stellen uns heute mal vor, wie's denn gewesen sein könnte, wenn sie sich begegnet wären.

Wir schreiben das Jahr 1543, drei Jahre vor Luthers Tod.

Calvin lebt nun zum zweiten Mal in Genf und kann seine Vorstellungen vom evangelischen Glauben dort umsetzen.

Stellen wir uns vor, Calvin sei heimlich nach Wittenberg geritten, um den Mann zu treffen, dem er – bei so mancher Meinungsverschiedenheit - viel zu verdanken hat.

Luther
Seid gegrüßet, lieber Bruder im Herrn – Johannes Calvin! Herzlich willkommen in Wittenberg. Wie schön, dass Ihr gut angekommen seid nach dieser langen Reise von Genf - und das auch noch zu Pferde.

Calvin
Bonjour, lieber Vater Luther, ja, ich bin froh, dass ich jetzt hier bin. Die Reise war anstrengend und schmerzhaft wegen meiner Nierensteine. Aber da ich 26 Jahre jünger bin als Ihr, war es für mich selbstverständlich, dass ich zu Ihnen kommen würde und nicht umgekehrt. Wenn wir uns schon nicht bei den Religionsgesprächen treffen konnten – in Frankfurt, Worms und Hagenau. Als erstes aber möchte ich Ihnen meine Hochachtung aussprechen. Über das, was Ihr in Deutschland geleistet habt, als wir in Frankreich noch geschlafen haben. Und wisst Ihr - meine Glaubensbrüder in Paris und auch ich - wir wurden anfangs von unseren Gegnern als „Luthériens“, als „Lutheraner“ beschimpft. Ihr seht, wie sehr auch wir in Frankreich von Eurer Glaubenserkenntnis geprägt wurden.

Luther
Auch ich muss Euch zunächst einmal mein höchstes Lob aussprechen.

Ich hatte Euch einst grüßen lassen, denn Eure Antwort an Kardinal Sadolet hab ich mit großem Vergnügen gelesen - der Inhalt hat mir über die Maßen gefallen hat. Sadolet hatte ja einst versucht, Genf für die römische Kirche zurück zu gewinnen.

Calvin
Merci, Ihr habt Recht, wir brauchen die gegenseitige Unterstützung und Anerkennung – bei allen Unterschieden.

Luther
Jetzt müsst Ihr Euch aber erst einmal stärken. Wie wär’s mit einem Töpfchen guten Einbeck’schen Bieres? Und mit einem deftigen Essen nach deutscher Art, das uns meine liebe Käthe sicherlich gern bereiten wird.

Calvin
Gut gemeint, mon frère. Merci beaucoup. Aber ehrlich gesagt, ich würde mich mehr erfreuen an einem Stückchen Käse mit Baguette und einem guten Glase Rotwein. Obwohl ich schon so viele Jahre als Flüchtling in Genf leben muss, bin ich im Herzen immer ein Franzos’ geblieben. Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren. Auch nicht in meinem Haus in Genf - zusammen mit den vielen Flüchtlingen, die bei mir Unterschlupf gefunden haben. Ihr habt sicherlich davon gehört - von den Hugenotten, die in meiner Heimat grausam verfolgt werden. Ihr wisst wie ich: der Wein ist eine gute Gabe Gottes - wohlgemerkt, wenn er in Maßen genossen wird und nicht zur Trunksucht führt, wie in vielen Gasthäusern in Genf und anderswo.

Luther (lacht)
Ich dachte immer, ihr Reformierten tränket gar keine geistigen Getränke und wäret allen Sinnesfreuden abgeneigt.

Calvin
Non, non. Wir trinken gerne Wein. Und das nicht nur beim Abendmahl!

Luther
Abendmahl! Da sind wir ja gleich bei einem ganz heiklen Punkte…

Calvin
Das „Mahl des Herrn“ ist nicht nur menschliches Erinnern – wie manche sagen -, sondern vor allem Gemeinschaft mit dem Auferstandenen. Da sind wir beide uns doch einig. Die Frage ist doch nur, wie Christus gegenwärtig ist.

Luther
Das ist doch klar: „Cum“ – das heißt: "in, mit und unter“ Brot und Wein.

Calvin
Das kann doch nicht Euer Ernst sein. Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein. Sicherlich ist Christus gegenwärtig, jedoch vom Himmel aus mit seinem Geist. “Wer Christus in die vergänglichen Elemente dieser Welt herabziehen will, macht die Herrlichkeit seiner Himmelfahrt zunichte“. Und die Einmaligkeit. Bei allem Respekt, hier seid Ihr wohl noch all zu sehr der Lehre Roms verhaftet.

Luther
Papperlapapp!

Calvin
Allein der gesunde Menschenverstand muss es Euch doch sagen:

Der Auferstandene sitzt zur Rechten Gottes. Darum ist er nicht in jedes Stückchen Brot zu bannen, das im heiligen Abendmahl auf der Welt ausgeteilt wird. Um es noch einmal klar zu sagen: Natürlich ist Christus der Gastgeber beim Abendmahl, aber vom Himmel aus mit seinem Geist.

Luther
Ihr mit Eurer Vernunft! Es gilt, im Glauben das Geheimnis der Liebe Gottes zu empfangen, auch im Abendmahl. Hütet Euch mit aller Theorie, wie das wohl möglich sein könne, denn „sie verstehen's doch so wenig wie der Esel den Psalter“.

Calvin
Ich sehe, lieber Doktor Martinus, wir kommen hier nicht weiter. So leid mir das tut. Aber unter uns gesagt: Auf der Reise hierher, bin ich in der Nähe von Basel durch einen kleinen Ort gekommen mit Namen Leuenberg. Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich hatte plötzlich ein tiefes Ahnen, als ob es dort einmal zu einer Übereinkunft von Lutheranern und Reformierten kommen könnte - bis hin zu Kanzel -und Abendmahlsgemeinschaft. Und ich verspürte eine tiefe Sehnsucht nach der Einheit unserer Kirchen. Um die zu erreichen, würde ich sogar „zehn Meere durchkreuzen“. Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen. Ihr doch sicherlich auch?!

Luther (zögernd)
Gewiss, aber das kann dauern.

Orgel

II. Szene

Moderator: Calvin und Luther werden sicher noch so einiges miteinander zu diskutieren gehabt haben. Blenden wir uns wieder in das Gespräch ein.

Luther
Junger Freund, eins bereitet mir noch Sorge, was ich von Euch höre.

Ist es denn wahr, dass Ihr die Bilder aus den Kirchen verbannt habt?

Calvin
Ja, das stimmt. Von Euch schließlich haben wir gelernt, die Heilige Schrift ernst zu nehmen. Wie sagtet Ihr: „sola scriptura“, „allein die Schrift“. Und da finden wir das zweite Gebot, im Alten Testament, von Gott selbst dem Mose gegeben:

„Du sollst dir kein Gottesbild machen noch irgendein Abbild von etwas, was oben im Himmel, was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht dienen.“

Luther
Ach Bruder, kommt Ihr mir damit. Gewiss, dies Gebot steht da. Aber meint Ihr, Christenmenschen müssten alle Gebote aus dem Alten Testament halten?

Calvin
Aber natürlich! Wie kann man es nur wagen, eines des Zehn Gebote Gottes - in Stein gehauen für alle Zeiten – herauszumeißeln?! Gott allein die Ehre. Wer sich Bilder von Gott macht, meint vielleicht auch, er könne sich Gott in die Tasche stecken.

Luther
Nicht Bilder von Gott, Bilder von den Geschichten, die in der Bibel stehen. Vergesst nicht: Das Wort ward Fleisch. Gott wurde Mensch.

Calvin
Denkt Ihr nicht, Ihr lästert Gott, wenn Ihr Bilder anbetet?

Luther
Nicht anbeten tun wir sie. Anbetung gebührt allein Gott. Aber die Bilder können gut und nützlich sein. Denkt an all die Menschen, die nicht lesen können, so haben sie eine Bibel für die Augen. Was seid Ihr so gegen die Bilder?

Calvin
Gegen Kunstwerke hab ich nichts. Auch sie sind eine Gnadengabe Gottes. Und ich schätze als gebildeter Mensch die großen Künstler, die Maler und Bildhauer. Aber in der Kirche, da haben die Bilder nichts zu suchen, da lenken sie nur ab vom Worte Gottes. Bibel und Predigt sollen durch nichts gestört werden.

Luther
Bruder Johannes, gestattet Ihr mir ein offenes Wort - Eure Person betreffend?

Calvin
Sprecht frei heraus, denn Kummer bin ich eh gewohnt.

Luther
Ja, es stimmt. Die Leute reden dies und das, vor allem, dass Ihr ein starkes Regiment in Eurem Genfe führt - mit Kirchenzucht und schlimmen Strafen. Ehrlich gesagt, das passt so nicht ins Bild, das ich heute von Euch gewonnen habe. Ihr wirkt viel menschlicher als auf den Bildern dargestellt.

Calvin
Merci beaucoup. Ja, es ist schon wahr: zusammen mit den anderen Predigern der Stadt habe ich die „Artikel zur Ordnung der Kirche und des Gottesdienstes in Genf“ verfasst. Doch nicht, um Druck auf die Gemeinde auszuüben und sie zu überwachen. Versetzt Euch doch nur einmal in meine Lage. Seit ich in Genf bin, sind über zehntausend Flüchtlinge in diese Stadt gekommen, aus aller Herren Länder. Genf platzt aus allen Nähten, die Stadt ist um das Doppelte gewachsen - mit zunehmender Feindlichkeit uns Fremden gegenüber. „Genf den Genfern“, so rufen sie immer lauter. Ein geordnetes Zusammenleben ist von daher doch nur möglich, wenn die Gebote Gottes eingehalten werden. Sonst bricht das Chaos aus - und die ganze Reformation wäre hoch gefährdet.

Luther
Das kann ich gut verstehen. Chaos kann auch ich nicht leiden und ist gegen Gottes gute Ordnung. Aber sagt einmal, was ist denn nun mit denen, die sich nicht an Gottes Gebote halten? Welche Strafe haben sie zu erwarten?

Calvin
Also - zunächst einmal geht der Kirchenrat zu ihnen, um sie zu ermahnen und auf den rechten Weg zurückzuführen. Und um Zerstrittene wieder zusammenzubringen. Wenn das auch nach einem zweiten oder dritten Gespräch nicht möglich ist, dann droht ihnen allerdings die Höchststrafe. Nein, nicht Verbrennen oder Kerker, sondern der zeitweilige Ausschluss vom Abendmahl.

Luther
Ihr meint, dem Mahl des Herrn darf keine Schande zugefügt werden?!

Calvin
Ganz recht, es geht um Gottes Ehre. Die allein muss rein und heilig gehalten werden in seiner Kirche – in der Gemeinschaft derer, die Gott in seiner Liebe erwählt hat – „allein aus Gnaden“.

Luther
Mir ist das zu gesetzlich! Mir scheint, Ihr wolltet bereits auf Erden das Gottesreich errichten mit euern Vorschriften und Strafen.

Calvin
Comment? – mit Verlaub gesagt, lieber Bruder im Herrn, Genf ist doch nicht Münster. Und die „Réformés“, die Reformierten, sind doch nicht die Wiedertäufer!

Posaunen

III. Szene

Moderator: In vielem sind Luther und Calvin sich einig gewesen: Vor allem darin, dass der Mensch allein durch Gottes Gnade gerecht wird. Aber sie haben dann unterschiedlich weitergedacht: Wie kann man sich erklären, dass nicht alle Menschen glauben?

Luther
Daran deutelt Ihr ja auch nichts herum, Bruder Calvin, dass der Mensch nichts dazu tun kann, um Gott gnädig zu stimmen. Gott lässt sich nicht bestechen.

Calvin
Absolut nicht! Allein aus Gottes Gnade sind wir bei ihm angesehen, sehr wohl.

Luther
Und allein im Glauben können wir's empfangen. Ganz recht. Aber sagt: es gehen so Gerüchte, Ihr lehrtet: Gott habe schon vor Urzeiten vorherbestimmt, welcher Mensch denn nun erwählt sei und welcher verdammt. Das geht mir denn doch zu weit.

Calvin
Ihr selbst, verehrter Bruder, habt geschrieben:
Ob ein Mensch glaubt, das ist nicht sein Werk. Gott schenkt Glauben, wir können ihn nicht selber machen. Das habe ich nur logisch weiter gedacht: Es gibt ja Menschen, die auf falschem Wege sind. Wenn Gott es ist, der Glauben schenkt, dann muss er es auch sein, der dieses Geschenk den Ungläubigen nicht gibt und sie verwirft.

Luther
Ihr mit Eurer Logik! Damit macht ihr doch den Menschen Angst.

Calvin
Ganz im Gegenteil: Schaut, wie viele „Protestantes“ in Frankreich leiden Not um ihres Glaubens willen. Auf den Galeeren, in den Folterkammern und Gefängnissen und auf den Scheiterhaufen. Wie viele haben Angst und fragen sich, ob das vielleicht auch Strafe Gottes sein könnte, weil sie vom alten Glauben abgefallen sind. Ihnen allen sagen wir mit dem Apostel Paulus, dass nichts sie trennen kann von der Liebe Gottes, in der sie von ihm erwählt worden sind.

Luther
Vortrefflich ist's, den angefochtenen Seelen die Angst zu nehmen. Dazu freilich wählt ihr die falschen Worte. Ihr versucht Gott in die Karten zu schauen. Vielleicht gar mitzumischen. Ihr maßt euch an, die Regeln zu bestimmen. Nein, nein, das überlasst mal Gott.

Calvin
Das tue ich – von ganzem Herzen. Nur Gott allein weiß, wer erwählt ist und wer nicht. Deshalb können die Menschen nicht erkennen, auch nicht an äußerem Wohlergehen, ob jemand zu den Erwählten gehört.

Luther
Bruder, Bruder. Lasst doch Euer Spekulieren sein. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, für die fehlen uns die logischen Erklärungen. Predigt das Evangelium, erzählt den Menschen von Jesus Christus und von Gott, dem Backofen voller Liebe!

Calvin
Na, die Vernunft lass ich mir dabei nicht ausreden. Aber wo ich Euch Recht gebe: Gottes Wort zu predigen, das ist unsre Aufgabe, und Angefochtene zu trösten, so dass sie auf dem Weg der Heiligung fortschreiten können.

Luther
Moment mal, nicht so schnelle, wie ist das mit der Heiligung?

Calvin
Oui, das ist ein weites Feld – die Heiligung. Eure Frage in Eurer Anfechtung damals war doch die: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Das war der Durchbruch zum evangelischen Glauben, für den wir Euch immer dankbar sein werden. Für uns heute in Genève, in Genf, indes stellt sich die Frage anders: „ Wie können wir uns der geschenkten Gnade Gottes würdig erweisen? In der Gemeinde und in der Welt? Ich denke, wenn uns Gott die Zeit gibt und die Kraft, noch einmal einander zu begegnen, dann sollten wir dort weitermachen in unserem Gespräch. Und wenn es nicht hier auf Erden ist, dann sicherlich im Himmel.

Luther
Gewiss! Wo auch immer – so manches Gespräch muss noch geführt werden.

Calvin
etzt aber möcht’ ich gern zu Bett, da ich sehr früh am Morgen aufbrechen werde. Ihr wisst, meine liebe Frau Idelette ist schwer erkrankt an Leib und Seele - in der Trauer um unser einziges Kind, den kleinen Jacques. Den hat der Herr wenige Tage nach der Geburt zu sich gerufen.

Luther
Ich weiß, wovon Ihr sprecht. Unsern Schmerz können wir nur in Gottes Hände legen.

Calvin
Lebt wohl, Ihr "trefflichster Diener Christi, der Ihr mir immer ein stets geachteter Vater ward. Der Herr fahre fort, euch zu leiten!" Adieu.

Luther
Bleibt auch Ihr behütet, lieber Bruder Johannes Calvin.

 

Lied: Danke EG 334

Danke für unseren kleinen Luis, danke, dass du, Herr, ihn beschützt,

danke für alles frohe, Helle und für jedes Glück.

Danke für jedes Lärmen, Toben, danke für jeden lauten Schrei,

danke für jedes helle Lachen, da ist Gott dabei.

Danke, auch wenn er manchmal Müh’ macht, danke wird auch die Ruh gestört,

danke, dass er trotz mancher Sorgen nun zu uns gehört.

Danke im Kreise aller Kinder, danke, dass wir zusammen sind,

danke, wir danken mit den Eltern für dieses Menschenkind.

Danke, mein Gott, für deine Nähe, danke für jedes gute Wort.

Danke, dass deine Hand uns leiten will an jeden Ort.

Danke für das Geschenk der Taufe, danke, dass du jetzt bei uns bist.

Danke für deinen guten Segen, den du nicht vergisst.

Taufe

An dieser Stelle möchte ich recht herzlich den Täufling Louis, seine Eltern, Großeltern und Paten begrüßen.

Wenn wir als Kirche Kinder taufen, so nehmen wir auf, was Jesus gesagt hat:

„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“

Und am Ende seines irdischen Lebens sagte Jesus:

„Gott hat mir unbeschränkte Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen! Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes macht zu Jüngern und Jüngerinnen und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“
(Matthäus 28,18-20)

Gebet:

Gott, wir bringen heute Louis zur Taufe. Wir bitten dich: Begleite und beschütze ihn auf seinem Weg.
Lass ihn hineinwachsen in die Geborgenheit seiner Familie.
Schenke ihnen Freunde und gute Gemeinschaft im Kreis seiner Familie und Paten,
der Großeltern und der Nachbarinnen und Nachbarn.
Wir bitten dich, Gott: Bewahre Louis auf seinem Weg vor Schaden in der Gefahr.
Schenke ihm Freude am Leben und Ehrfurcht vor deiner Schöpfung.
Lass uns in Louis sowie in jedem Kind deine unermessliche Güte erkennen, du Gott des Lebens. Amen..

Lesung anstelle einer Ansprache

Wohin dein Lebensweg dich auf führen wird, einer ist längst da;
er ist diesseits und jenseits aller Mauern und aller Grenzen, aller Längen- und Breitengrade.
Wie immer wir die Welt aufteilen, er ist in jedem Teil.
Er ist im Norden und im Süden, im Osten und im Westen, er ist im Sonnenschein und in der Nacht.
Er ist mit dir im tiefsten Schnee, im stärksten Regen, auf den Weiten des Meeres, auf dem höchsten Berg,
überall ist er mit dir.
Er selbst ist der Tag, er ist die Nacht, kein Datum hält ihn auf, mit ihm springst du über alle Grenzen
durchschreitest alle Täler, überschreitest alle Höhen. Er ist bei dir bis ans Ende aller Zeiten. Er, dein Gott.
(Aus: F. Maibaum, Das Zeitbuch, J. F. Steinkopf 1999)

Glaubensbekenntnis mit der Gemeinde gesprochen

Frage an Eltern und Paten/Patinnen

· Deshalb frage ich euch Eltern und Paten:

wollt ihr Louis taufen lassen in die Gemeinschaft mit Gott,

die für uns erfahrbar wird in der Gemeinschaft mit Jesus Christus

und im Heiligen Geist,

so antwortet: Ja!

· Deshalb frage ich euch Eltern und Paten:

Wollt ihr Louis begleiten, dass er im christlichen Glauben erzogen werde,

damit er erfahre, auf welchem Fundament er bauen kann, so antwortet: Ja!

· Deshalb frage ich euch als Gemeinde:

Wollt ihr annehmen Louis als sei es euer eigenes Kind und ihn mit Eurem Gebet und Rat begleiten,

dass er Heimat finde in der Gemeinde, so antwortet: Ja!

Ich taufe dich Louis hinein

in die Gemeinschaft mit Gott (Wasser),

in die Liebe Jesu Christi (Wasser),

in die Macht Heiligen Geistes (Wasser).

Möge Dir Dein Taufspruch Wegweisung und Ermutigung sein und bleiben:

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
(Psalm 91,11)

Segensgebet (auch zu singen auf der Melodie Danke für diesen guten Morgen)

Glaube, das ist die Macht des Guten, Glaube hält allem Bösen stand.
Glaube gibt uns die Kraft zum Leben, führt uns Hand in Hand.

Hoffnung braucht jeder Mensch zum Leben, Hoffnung, die unser Gott uns gibt.
Hoffnung hält er bereit für jeden, der von Herzen liebt.

Liebe führt dich auf alle Gipfel, Liebe bringt dich durch jedes Tal.
Liebe, dir heut von Gott gegeben trägt dich allemal.

(Text: F. Maibaum / Melodie: M. G. Schneider)

Lied: Lass uns in deinem Namen EG 658,1-3

Fürbittengebet

Wir bitten dich, Gott, für unsere Kirche

Hilf, daß sie zu einem Ort wird,

an dem dein Wort und deine Liebe lebendig werden.

Wir bitten dich: Erneuere uns.

Wir bitten dich für das Miteinander der Völker.

Lass nicht zu, daß Misstrauen und Ungerechtigkeit

unsere Welt spalten.

Wir bitten dich: Erneuere uns.

Wir denken an die Schwachen und Kranken.

Hilf ihnen, daß sie sich ihrer besonderen Stärken bewusst werden.

Schenke uns Geduld miteinander.

Wir bitten dich: Erneuere uns.

Wir bitten dich, Gott, für alle,

die in Kirche und Gesellschaft kritisch ihre Stimme erheben.

Hilf ihnen, daß sie nicht zerrieben werden.

Lass sie für uns zu einem bleibenden Stachel werden.

Wir bitten dich: Erneuere uns.

Wir bitten für uns selbst.

Daß wir weder falschen Idealen nachlaufen noch resignieren.

Gib uns Ahnungen von deinem Weg und stärke uns für ihn.

Wir bitten dich: Erneuere uns.

Gemeinsam beten wir weiter:

Vaterunser

Segen nach Martin Luther

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

Ich danke dir, mein himmlischer Vater,

durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,

dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast,

und bitte dich,

du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe,

und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.

Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.

Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Bewahre uns, o Herr, wenn wir wachen; behüte uns, wenn wir schlafen:

auf dass wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,

Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Lied: Abend ward, bald kommt die Nacht EG 487,1-4

Einladung zum Essen

Nachspiel

Am Ausgang werden Handzettel verteilt mit Texten von Johannes Calvin

Liturgie

Vorspiel

Begrüßung

Abkündigungen

Lied:

Ein feste Burg ist unser Gott 
EG 362,1-4

Fragen zum Leben von Johannes Calvin

Lied:

Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren
EG 279,1-2

Fragen zum Leben von Johannes Calvin

Lied:

Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren
EG 279,4-5

Fragen zum Leben von Johannes Calvin

Lied:

Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren
EG 279,7-8

Gebet

Lesung

Lied:

Singt dem Herrn ein neues Lied
EG 287,1-4

Predigt: Gott allein die Ehre

Mit zwei Musikalischen Stücken von Orgel und Posaunen

Lied:

Danke für unseren kleinen
Melodie nach EG 334,1-6

Taufe

Lied:

Lass uns in deinem Namen
EG 658,1-3

Fürbittengebet

Vaterunser

Segen

Lied:

Abend ward, bald kommt die Nacht
EG 487,1-4

Einladung zum Essen

Nachspiel

Am Ausgang werden Handzettel verteilt mit Texten von Johannes Calvin

Handzettel mit Texten von Johannes Calvin

Calvin kurz und würzig

„Wir können an Christus nur soweit Anteil haben, als wir ihn in sei­nen Verheißungen erfassen.“
(Institutio II 9,3)

Christus ist "das Zentrum und die Summe der Schrift".
(zu 2.  Timotheusbrief 3,15)

"Ja, unser Glaube muss von Gottes Verheißungen wie von Flügeln getragen mitten durch alle Hindernisse hindurch bis zum Himmel hinauf dringen."
(zu Römer 8,35)

„Wer den Menschen nicht dankt, gibt damit auch seine Undankbar­keit gegen Gott zu erkennen.“
(Genfer Katechismus / alte Überset­zung)

"Gott wird seiner Herrschaft beraubt, wo das Geld regiert."
(zu Matthäus 6,24)

„Das Leben der Kirche ist nicht ohne Auferstehung, noch mehr: nicht ohne viele Auferstehungen.“
(Kommentar zu Micha 4,6)

"Wenn wir nichts ertragen können, was uns nicht behagt, so müsste jeder eine Welt für sich haben."
(in einem Brief am 24. Juni 1556 "Freiheit gibt es nur bei einem guten und aufrechten Gewissen." zu Ezechiel 14,7) 

„Ein Hund bellt, sobald er seinen Herrn angegriffen sieht. Ich wäre wohl lasch, wenn ich angesichts eines Angriffs gegen die Wahrheit Gottes verstummen würde, ohne etwas verlauten zu lassen.“
(Johannes Calvin) 

"Wo Gott erkannt wird, wird auch Menschlichkeit gepflegt;
wo aber die Menschen sich gegenseitig unterdrücken und betrügen, da kann man daraus schließen, dasss die Gottesfurcht erloschen ist."
(Johannes Calvins Auslegung des Propheten Jeremia, zu Jer 22,16, S. 332) 

 „So oft Gott uns das Brot zu essen gibt, so oft er seine Sonne schei­nen lässt, wenn er uns irgendwelche Kreatur zur Benützung überlässt, dann ist das soviel als wenn er ein Lied anstimmte, um uns zum Sin­gen seines Lobs zu bringen, so wie wenn wir einen Psalm singen: da bringt der, der ihn kann, die anderen in Schwung.“
(Predigt zu Psalm 148 am 30. September 1554 (Mühlhaupt, 43))

„Gottes Gerechtigkeit ist sein fortwährender Schutz, mit dem er über die Seinen wacht, und die Güte, mit der er sie hegt“
(Ps. 40,11 / Freudenberg)

„Ich hab’s erfahren, dass wir nicht ins Weite schauen dürfen. Als ich mir Ruhe in allem versprach, stand vor der Tür, was ich am wenigs­ten erwartet hatte. Dann wieder, als ich auf einen unangenehmen Wohnsitz denken musste, wurde mir ein Nest im stillen hergerichtet wider alles Erwarten. Das alles ist die Hand des Herrn.“
(Calvin an François Daniel in Orléans aus dem Asyl bei du Tillet in Angoulême (1534))

 „Aus ganzem Herzen glauben, heißt nicht vollkommen Christo an­hangen, sondern nur ihn aufrichtig erfassen; nicht satt sein in ihm, sondern mit brennendem Verlangen nach ihm hungern, dürsten und seufzen“
(CO I,104 / Barth)

 „Der Geist Gottes soll alles führen und solchen Eifer in uns anzün­den, dass wir brennen, unseren Gott anzurufen, anstatt so kalt zu bleiben …“
(Predigt zum Pfingsttext Apg 2,1-4, vor 1558 / Mühlhaupt)

 „Wir gehören nicht uns selbst, sondern dem Herrn.“
(Institutio III,7,1)

"Das Leben ist wie ein Wachtposten, auf den uns der Herr gestellt hat und den wir nicht verlassen dürfen, bis er uns abberuft."
(Institutio III,9,4; Freudenberg, Calvin-Brevier, 27)

„Die ganze Summe unserer Weisheit, soweit man sie als wahr und fest ansehen darf, besteht in zwei Stücken, nämlich in der Gotteser­kenntnis und der Erkenntnis unser selbst.“
(Institutio I I,1)

Wenn ich Christi Diener bin, gilt mir einzig und allein das Zeugnis meines Gewissens immer mehr als der Beifall der ganzen Welt.
(Brief an die Pfarrer in Neuchatel am 21.1.1545)

 „Kurzum, wir sind, wie es im Sprichwort heißt, Kohlensack und Kohlenträger, wir schwärzen uns gegenseitig an. Und dann scheint es uns, als seien wir aller Schulden vor Gott ledig, wenn wir nur sagen können: Oh, dieser da macht es nicht besser als ich, die Welt ist auch nicht besser als ich selbst. So hält es die Welt überall“
(Predigt über Galater 6,2-5, Frühjahr 1558 (CR 51,75) / Rogge)

Erstellt: 10.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2011 08:30 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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