Gottesdienst und Liturgie - Treffpunkt Gottesdienst 2005
1. Szene: Am Bahnhof
Ein Reisender kommt durch die Kirche nach vorne gelaufen. In jeder Hand einen (scheinbar) schweren Koffer. Vorne hält sie kurz inne und schaut sich um.
Eine Stimme aus einem Mikrophon (evtl. Nase zuhalten um Bahnhofseffekt zu erhalten):
„Der Sonderzug zum Christkindelsmarkt nach Nürnberg verzögert sich voraussichtlich um 35 Minuten.“
Der Reisende schmeißt voller Enttäuschung seine Koffer auf den Boden und geht weg.
2. Szene: Im Kaufhaus
Eine Person, überladen mit Einkaufstüten, geht vorne hektisch auf und ab.
Eine Stimme aus einem Mikrophon:
„Bitte beachten sie das Sonderangebot im 3. Stock. Weihnachts-Rentier-Socken. Das Paar für nur 4,99.“
Die Person zieht die Schultern hoch und seufzt.
3. Szene: Das Kind
Kinderstimme durch das Mikrophon:
zwischen den einzelnen Sätzen mindestens 5 Sekunden Pause.
„Wann ist denn endlich Weihnachten?
Ich will aber meine Geschenke jetzt haben!
Wie oft muss ich noch schlafen?
Warten finde ich doof!“
Begrüßung
Wir warten, Gott, auf dein Kommen,
dass du dein Volk richte mit Gerechtigkeit und deine Elenden rette.
Lass die Berge Frieden bringen für das Volk und die Hügel Gerechtigkeit.
Wir warten, Gott, auf dein Kommen,
dass Gerechtigkeit und Frieden blühen sollen,
dass Menschen sicher wohnen und arbeiten können.
Wir warten, Gott, auf dein Kommen,
dass du gnädig bist den Geringen und Armen,
sie aus Bedrückung und Frevel erlöst.
Wir warten, Gott, auf dein Kommen,
wie die Väter und Mütter des Glaubens vor unsrer Zeit,
dass dein Wort hält, was es seit so langer Zeit verspricht.
(Übertragung von Psalm 76)
Eingangsgebet
In Gedanken gehe ich zurück
in die vergangene Woche,
manches beschäftigt mich noch.
kurze Stille
Warten, oft vergebliches Warten
auf Hilfe, auf Verständnis und Geduld,
auf Liebe – Hier bin ich,
Gott, vor dir,so wie ich bin.
Mit meiner Anspannung und meiner Freude,
meiner Traurigkeit und Enttäuschung.
Mit meiner Wut und meiner Ungeduld.
Mit meinem Stolz.
Mit meiner Sehnsucht.
Gott, ich warte auf dein Erscheinen
Kyrie eleison, Gott erbarme dich!
Zuspruch
So spricht Christus:
Steht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
(Lk 21,28)
Unser Warten wird nicht vergeblich sein. Darum singen wir ihm alle Zeit unser Lob.
Zunächst wollen wir es einstimmig tun, danach dreistimmig: „Er ist die rechte Freudensonn“
Kollektengebet
Gott, gib uns in dieser Wartezeit des Advents einen langen Atem
dass wir warten können auf dein Kommen, dass wir in deinem Wort dich erkennen lernen,heute, hier, jetzt. Amen.
Schriftlesung aus Lukas 1,5-25: Die Verheißung der Geburt des Täufers
Erzähler: Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet. Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter. Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte, wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des Herrn das Rauchopfer darzubringen. Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete. Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars. Als Zacharias ihn sah, erschrak er und es befiel ihn Furcht. Der Engel aber sagte zu ihm:
Sprecher 1: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren. Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.
Erzähler: Zacharias sagte zu dem Engel:
Sprecher 2: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter.
Erzähler: Der Engel erwiderte ihm:
Sprecher 1: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft.
Erzähler: Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm. Als die Tage seines Dienstes (im Tempel) zu Ende waren, kehrte er nach Hause zurück. Bald darauf empfing seine Frau Elisabet einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte:
Sprecher 3: Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich
geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.
Predigt in drei Gedankengängen
1. Szene zum Sinn des Wartens
Nico: Ich kann nicht mehr. Ich halte es einfach nicht mehr aus, wann ist denn nun endlich Weihnachten?
Vater: Das dauert noch einige Zeit. Schau an deinem Adeventskalender sind doch erst 4 Türen auf. Also sind es noch 20 Tage bis Heilig Abend ist.
Nico: (entrüstet) 20 Tage? Das halte ich nie im Leben aus, solange noch warten zu müssen. Außerdem finde ich es langweilig so lange zu warten.
Kann Weihnachten nicht schon morgen sein?
Vater: Nico, du bist wie die meisten Menschen. Warten ist etwas ganz schreckliches. Schau dir die Menschen an der Supermarktkasse an. Wie ungeduldig die Warten, bis sie endlich an der Reihe sind. Oder die Raser auf der Autobahn, die förmlich die Krise bekommen, wenn ein langsameres Auto sie hindert Vollgas zu geben. Aber mit Weihnachten ist das doch etwas anderes? Ich bin auch sehr gespannt auf das Fest. Aber ich finde es auch schön zu warten.
Nico: Also ich nicht. Ich finde es langweilig. Ich würde lieber heute Weihnachten feiern. Aber warum findest du es denn schön zu warten, Papa?
Vater: Weißt du, warten ist für mich deshalb schön, weil man dann noch Zeit hat, über etwas nachzudenken. Zum Beispiel warum wir eigentlich Weihnachten feiern.
Vater: Wenn wir von heute auf morgen einfach feiern würden, dann würden wir doch gar nicht wissen warum. Dann würden wir nur das Fest schnell ausrichten, den einen Tag und dann wäre gleich alles wieder vorbei. Aber wenn wir warten, dann lassen wir das Fest ganz langsam auf uns zukommen. Wir machen uns unsere Gedanken, lassen die Freude in uns richtig wirken und dann ist das Fest ein richtiger Höhepunkt. Dann ist es der krönende Abschluss einer vielleicht langen, aber doch sehr gedankenreichen Wartezeit.
Nico: Also das verstehe ich nicht. Warten ist doch langweilig. Und worüber sollte ich nachdenken? Ich will doch feiern!
Vater: Aber feiern hat immer einen Grund. Und Weihnachten ist der Grund für alles hier. Die Kirche, der Glaube. All die Menschen (macht runde Handbewegung) kommen hier her, weil sie von Weihnachten wissen. An Weihnachten erinnern wir uns daran, dass uns vor über 2000 Jahren ein Kind geschenkt worden ist. Jesus der Sohn Gottes.
Ein Kind ist auch nicht auf einen Schlag da. Es braucht Zeit bis ein Kind geboren wird. Die Eltern können sich auf ihre neue Aufgabe vorbereiten, ihrer Freude über den neuen Menschen Platz geben.
So ist das auch mit Weihnachten. Wir warten, damit sich unsere Freude ausbreiten kann. Damit wir daran denken, warum wir überhaupt Weihnachten feiern und auf was wir eigentlich warten.
Nico: Nun ja, ich glaube du hast irgendwie Recht, aber meine Geschenke hätte ich trotzdem gerne schon heute.
2. Überleitung zum Text von Hans-Dieter Hüsch
Worauf warten wir? (Pausen zwischen den einzelnen Spiegelstrichen)
– Auf die Geschenke zu Weihnachten.
– Auf das große Fest mit Weihnachtsbraten und leckeren Plätzchen.
– Auf ein paar ruhige Tage nach den Feiertagen.
Worauf warten wir, wenn Weihnachten vorbei ist?
Wo finden unsere Hoffungen ein Ziel, auf dass es sich zu warten lohnt?
Wir als Christen haben eine Hoffnung, eine Hoffung nicht nur für unser persönliches Leben, sondern auch ein Hoffnung für diese Welt. Eine Hoffnung, dass die Welt nicht so bleibt, wie sie ist.
Hören sie auf Worte des Poeten Hans-Dieter Hüsch.
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Abendmahlsliturgie
Gabengebet
Gott, wir warten auf dein Erscheinen. Darum bitten wir dich:
Brot des Lebens, komm und stille unseren Hunger nach Liebe.
Quelle des Lebens, komm und erfülle unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Amen.
Pfr: Der Herr sei mit euch Gem: und mit deinem Geist
Pfr: Erhebet eure Herzen Gem: Wir erheben sie zum Herrn
Pfr: Lasset uns danksagen Gott, unserem Herrn Gem: Das ist würdig und gerecht
Gebet
Einer, der sich verschenkte, der gab, was er hatte,
der Brot wurde und Wein,
ein Stück Brot, ein Schluck Wein für alle,
die hungern und dürsten nach Liebe, nach Gerechtigkeit.
Seht, welch ein Mensch, der sich nehmen ließ,
brechen, kauen, aufzehren, Stück um Stück, Tag um Tag,
schlucken, schlürfen, ausnutzen, austrinken
bis zum letzten Tropfen seines Blutes,
bis alles vollbracht war und leer.
Ja, dieser war Gottes Sohn.
Darum singen wir mit den Engeln und Heiligen: Heilig,heilig,heilig…
Einsetzungsworte
Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.
Pfarrer und Gemeinde:
Deinen Tod, o Herr, verkündigen wir und deine Auferstehung preisen wir,
bis dass du kommst in Herrlichkeit
Vaterunser
Christe du Lamm Gottes EG 190.2
Fürbittengebet
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn wir dich suchen mit deiner Liebe.
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn uns die innere Wärme fehlt mit deinem Glauben.
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn uns der Mut zum Leben verlässt mit deiner Hoffnung.
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn wir den Leiden dieser Welt hilflos gegenüberstehen mit deiner Kraft.
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn wir uns schwach und verletzlich fühlen mit deinem Wort,
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn uns die Worte fehlen mit deiner Zukunft,
Gütiger Gott, wir warten auf dein Erscheinen.
Komm uns entgegen, wenn wir keinen Ausweg mehr sehen.
Das alles bitten wir um Jesus Christus. Amen.
Gruß für die Barbarazweige
Du Unermessliche Liebe!
Durch einen unscheinbaren Strauch
hast Du mich getröstet!
Halb abgestorben waren seine Äste;
mit Tautropfen war er übersät.
Aber ich fand ihn schön.
In ihm sah ich mich wieder:
in seinen abgestorbenen Ästen – meine Zerstörtheit;
in seinen winzigen Blättchen – meine Geringfügigkeit;
in seinen Tautropfen – meine Traurigkeit.
Wenn nun schon ich, die ich arm bin an Liebe,
Gefallen finde an einem unscheinbaren Strauch,
um wie viel mehr wirst Du Gefallen finden an mir
in meiner Armseligkeit,
Du unermessliche Liebe!

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