Vertrauen und Belohnung
Liebe Gemeinde,
die Medien bringen es Tag für Tag. Die Arbeitslosenzahlen steigen in unbekannte Höhen, die Arbeitsplätze verschwinden auf Nimmerwiedersehen ins globale Nirwana, die Altersversorgung schwankt, das Gesundheitswesen bröckelt.
Die Deutshen belasten den europäischen Solidaritätspakt durch anhaltende Schulden. Unsere Kinder sind im internationalen Vergleich schlechter gebildet... Und die Klageliste wird immer länger, denn ein jeder versucht seinen Besitzstand zu erhalten und zu bewahren.
Doch so beginnt ein neuer Teufelskreis: Immer mehr Menschen, die nur das eigene Wohl im Blick haben und das Gemeinwohl aus den Augen verlieren, die immer mehr Steuerlücken finden oder kess fordern: "Alte gebt die Löffel ab!"
Ensolidarisierung ist somit zum Kennzeichen unseres Gemeinwesens geworden, da immer mehr Einzelne den eigenen Vorteil suchen. Woran das liegt? Der Visionär Mahatma Gandhi hat wie ein Arzt mit großer Präzision die Wunden einer kapitalistischen Gesellschaft zu seiner Zeit benannt.
Politik ohne Prinzip, Wohlstand ohne Arbeit, Handel ohne Moral, Vergnügen ohne Gewissen, Erziehung ohne Charakter, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Religion ohne Opfer.
Eine Diagnose, die wir auch für unser Gemeinwesen nicht von der Hand weisen können. Die Folgen sind fehlender Mut und mangelnde Zuversicht. Dagegen empfiehlt der Hebräerbrief:
"Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat! (Hebräer 10,35)
Der Apostel erinnert an jenes Vertrauen, das erwächst aus dem Blick auf Jesus, den Gott aus dem Tod erweckte. Denn in aussichtsloser Lager erfahren die Menschen, die ihre Zukunft abgeschrieben haben: es gibt eine Hoffnung, es gibt eine Zukunft. Gott hat sie in Jesu Auferstehung eröffnet.
Das Vertrauen auf diesen Leben schaffenden Gott führte die Jünger in den Alltag zurück. Die Pfingstgeschichte erzählt es sehr einprägsam. Sie wurden ausgerüstet mit dem Heiligen Geist. Das verleiht ihnen Kraft. So tragen sie die Botschaft mit viel Energie und Beharrlichkeit in die ganze Welt. Sie erzählen, dass sie hinter dem Horizont der Welt in Gottes Zukunft geschaut haben. Gott ist der Garant der Zukunft.
Dietrich Bonhoeffer schreibt einmal: "Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren. Eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft,Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, welche die Zukunft niemlas dem Gegner überlässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt. Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht." So wünsche ich uns allen ein Pfingstfest, das uns neu begeistert und befähigt, gegen den Tod zu protestieren und für das Leben zu investieren.
Ihr Pfarrer Wolfgang Fleißner