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Worauf hoffen wir, und was ist unsere Hoffnung?

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde, über das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, auch Apokalypse genannt, bin ich immer wieder überrascht, was hier berichtet wird. Die Offenbarung ist ein Bericht über Visionen des christlichen Predigers Johannes, die ihm auf der Insel Patmos zuteil wurden. 

Auf dieser Insel vor der Küste Kleinasiens lebt er vermutlich in einem Konzentrationslager. Johannes, über den wir nichts Näheres wissen, lebt in einer Zeit, die von Unterdrückung geprägt ist. Den Menschen in den christlichen Gemeinden drohen den Glauben an Christus zu verlieren. 

Doch Johannes, er ist zum Schweigen verurteilt. Denn der Machthaber in Rom kann sich Aufrufe zur revolutionären Veränderung und zum Widerstand gegen die Staatsgewalt im Mittelmeer-Raum nicht leisten.

Auf der Insel Patmos hatte Johannes viele Visionen, die er niedergeschrieben hat. Oft sind diese für uns unverständlich und so benötigen wir schon eine gewisse Zeit, wenn wir das Aufgeschriebene verstehen wollen. 

Die ersten Christen, sie entdeckten schon einiges in den Niederschriften des Johannes, was den Glauben an Jesus Christus und die Hoffnung zu ihm zum Ausdruck bringt. Visionen können, so denke ich, uns helfen eine neue Identität zu finden, weil sie uns Anteil am Leben unserer Nächsten geben. 
Wir alle kennen ja Augenblicke, in denen uns die Sehnsucht überkommt, wirklich sehen und schauen zu können. Ja, mehr zu sehen, als wir augenblicklich mit unseren Augen wahrnehmen können. 

Und oft ertappen wir uns auch dabei, wie schnell wir wegsehen, übersehen und durch einen anderen Menschen einfach hindurch sehen.

Als Christen, liebe Gemeinde, sind wir allerdings miteinander und in Verantwortung füreinander verbunden.
Versuchen wir mal mit Hilfe unseres heutigen Predigttextes aus der Offenbarung des Johannes 1, 9 – 18 dieses so zu sehen.

9 Ich, Johannes, euer Bruder, bin auf die Insel Patmos verbannt worden, weil ich das Wort Gottes verkündete und für die Botschaft von Jesus eintrat. Ich bin also wie ihr um Jesu willen in Bedrängnis, aber durch Jesus haben wir alle auch Anteil an Gottes Reich und sind dazu aufgerufen, unbeirrt durchzuhalten.
10 Hier auf Patmos wurde ich an einem Sonntag, dem Tag des Herrn, vom Geist Gottes ergriffen. Ich hörte hinter mir eine Stimme, die durchdringend wie eine Posaune klang
11 und die mir befahl: »Schreibe das, was du siehst, auf eine Schriftrolle, und schicke sie an die sieben Gemeinden in ´den Städten` Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea.«
12 Ich wandte mich um, weil ich sehen wollte, wessen Stimme es war, die ich hörte, und wer mit mir redete. Da sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern jemand, der aussah wie der Menschensohn. Er war mit einem Gewand bekleidet, das ihm bis an die Füße reichte, und trug ein breites goldenes Band um die Brust.
14 Das Haar auf seinem Kopf war weiß wie schneeweiße Wolle, und seine Augen glichen lodernden Flammen.
15 Seine Füße glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht, und seine Stimme klang wie das Tosen einer mächtigen Brandung.
16 In seiner rechten Hand hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein scharfes, beidseitig geschliffenes Schwert. Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne in ihrem vollen Glanz.
17 Bei seinem Anblick fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Doch er legte seine rechte Hand auf mich und sagte: »Du brauchst dich nicht zu fürchten! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, aber jetzt lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zum Totenreich.                                                        
GNÜ2009

Rätselhaft ist dieses Buch von Anfang an. Es ist aus der Zeit der ersten Christenverfolgung in Kleinasien. Der römische Kaiser ließ sich als Gott verehren und verlangte, dass alle Menschen im römischen Reich ihn anbeteten und ihm opferten. 

Die Christen weigerten sich, das zu tun. Sie wurden deshalb mit Verbannung oder mit dem Tod bestraft. Auch der Älteste der Gemeinde, Johannes, befindet sich vermutlich in einem Konzentrationslager auf der Insel Patmos.

Ausgerechnet in einer Situation, in welcher es Johannes besonders schlecht geht, ist Jesus Christus ihm besonders nahe. Die Visionen von Johannes helfen ihm und ebenso seinen Leidensgenossen, ihr Schicksal zu tragen und Trost zu finden.

Diese Bedrängnis, wie die Bibel jene schreckliche Situation beschreibt, brachte aber nicht wenige Christen in Zweifel und Anfechtung. 

Sollte ihnen der Glaube an den auferstandenen lebendigen Herrn den Tod bringen? Ist Christus angesichts der grausamen Übermacht des römischen Staates wirklich der Allmächtige, der, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist? War nicht eher das Gegenteil der Fall?

Vor fünf Wochen haben wir die Geburt des Christkindes im Stall von Bethlehem gefeiert. In zwei Monaten werden wir an Karfreitag seines Todes gedenken, wie Jesus verraten und alleingelassen wurde, gefoltert und ohnmächtig am Kreuz stirbt. 

In unserem Predigttext, begegnet Christus uns als Herrscher über den Weltraum, der sogar die Sterne in seiner Hand hält. 

Wer ist Jesus Christus nun? 

Es gibt viele und ganz unterschiedliche Vorstellungen von Jesus Christus. Die einen sehen zuerst das Christkind von Bethlehem. Und für andere ist er der sterbende Erlöser am Kreuz von besonderer Bedeutung. 

Wieder andere sehen in erster Linie den auferstandenen und triumphierenden Sieger über den Tod. Und ältere Menschen erinnern sich gern an die Jesusbilder aus ihrer Jugendzeit, welche Jesus als den Guten Hirten zeigen, der das verlorene Schaf auf seinen Armen trägt. Manche von uns begnügen sich damit, dass Jesus von Nazareth ein großer Prediger und Heiler ist.

Jesus Christus, der Herr des Lebens, der Herrscher des Alls, ist er das auch für uns? 

Für Johannes im Konzentrationslager von Patmos, war Jesus Christus die einzige Hoffnung im Leben und im Sterben. 

Worauf hoffen wir nun? Und was ist unsere Hoffnung? 

Johannes erwartet, dass nach vielen Leiden Gott am Ende die Tränen von den Augen abwischen wird. Er erwartet, dass Gott das Leiden beenden wird und ewiges Leben in einer unvorstellbar schönen neuen Erde schaffen wird. 

Und was erwarten und hoffen wir für uns selbst? Was gibt uns die Kraft durchzuhalten? 

Es sind bestimmt nicht die Visionen des Johannes, die wir in unserem Leben gesehen haben. Und es wäre wohl auch ein Fehler, auf solche Visionen zu warten. Allein schon, weil wir in einer anderen Zeit leben und ganz andere Probleme haben.

Trotzdem gibt es so etwas wie einen Zuspruch Gottes in unserem Leben. Manchmal unüberhörbar laut, oft sehr leise, so dass sein Zuspruch leicht übertönt werden kann. 

Oft überdeckt durch viel Leid und Trauer, aber immer wieder erklingt dieser Zuspruch Gottes, der die Dunkelheit erhellt und uns klar macht, dass unser Leben ein Ziel hat.

Wer von uns kann schon sagen, dass er oder sie noch nie Angst hatte? Unsicherheit, Furcht und Ängste kommen besonders in zwei Abschnitten unseres Lebens vor; am Anfang und in den letzten Jahren und Tagen unseres Lebens. 

Am Anfang konnten wir nicht wissen, was wir so alles erleben würden. Und heute, wollen wir nicht so recht glauben, dass das Ende ein neuer Anfang werden kann.

Immer dann, wenn unsere Angst groß ist, wendet sich der zu uns, der unser Bruder wurde und der ganz anders ist, als wir es sind.

Wir sind egoistisch. Er ist die Liebe. Wir werden gerichtet werden und er ist der Richter. Wir haben Angst und Zweifel. Er ist die Hoffnung zum Leben. Wir sind vergänglich. Er aber ist auferstanden und lebt. Wir warten auf das Reich Gottes und er sitzt zur Rechten des Vaters.

Dieser Christus bietet uns in seiner Einzigartigkeit die einzige Chance zum Überleben an.   Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Erstellt: 30.1.2012
Zuletzt aktualisiert: 30.1.2012 22:26 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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