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Wen hat Gott ausgesucht?

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.

Liebe Gemeinde, wenn wir über Gott nachdenken, dann geschieht es oft so, dass wir versuchen Gott und sein Wesen mit erstaunlichen Begriffen zu beschreiben.

Allmacht und Herrlichkeit, allumfassende Liebe und große Barmherzigkeit, Stärke und Kraft, Weisheit, Gerechtigkeit und Ewigkeit ─ was mag uns dazu nicht noch alles einfallen? 

Von meinem Gefühl her, klingt dies für mich sehr überwältigend und unfassbar. Gott, er übersteigt alles, was ich mir ausdenken kann. Gott, er kann mit meinen Worten gar nicht erfasst werden. 

Wer oder was bin ich gegenüber Gott? 

Ich bin nur ein kleiner Mensch auf dieser Erde, ja, ein kleiner Mensch inmitten eines unendlichen Universums. Ein kleiner Mensch, der eine kurze Zeit zu leben und zu wirken hat hier auf dieser Erde

Wer und was bin ich? Ja, was bin ich überhaupt auf dieser Erde? Wer von uns hat sich das nicht schon einmal gefragt? 

Wenn Gott so kraftvoll und mächtig ist, warum ist dann unser Leben so kraftlos und schwach, egal ob wir jung oder alt sind? Ist Gott so erhaben, dass er unendlich weit von uns entfernt ist?

Bevor ich auf diese Fragen weiter eingehe, möchte ich einen Blick in die Zeit der ersten Christen zurück werfen und hören, was Paulus uns in unserem heutigen Predigttext in seinem 1. Brief an die Korinther berichtet.

1. Kor 1, 26-31
26 Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft.
27 Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen.
28 Was in dieser Welt unbedeutend und verachtet ist und was ´bei den Menschen` nichts gilt, das hat Gott erwählt, damit ans Licht kommt, wie nichtig das ist, was ´bei ihnen` etwas gilt.
29 Denn niemand soll gegenüber Gott ´mit vermeintlichen Vorzügen` prahlen können.
30 Ist es bei euch nicht genauso? Dass ihr mit Jesus Christus verbunden seid, verdankt ihr nicht euch selbst, sondern Gott. Er hat in Christus seine Weisheit sichtbar werden lassen, eine Weisheit, die uns zugute kommt. Denn Christus ist unsere Gerechtigkeit, durch Christus gehören wir zu Gottes heiligem Volk, und durch Christus sind wir erlöst.
31 »Wenn also« – um es mit den Worten der Schrift zu sagen – »jemand auf etwas stolz sein will, soll er auf den Herrn stolz sein.«
GNÜ 2009

Was Paulus uns hier mitteilt, mag uns ein wenig verwundern. Die Kirche Jesu Christi bestand am Anfang nicht aus Menschen, die sich durch kluge Gedanken besonders hervorgetan haben. Nein, es waren keine Menschen aus berühmten und anerkannten Familien, deren Macht und Einfluss die Macht Gottes widerspiegelte.

Wen hat Gott ausgesucht, wen hat er von uns ausgesucht und berufen?

Gott hat für seine Gemeinde Menschen, wie sie und mich ausgesucht, ja, Menschen, die auf ihre wenigen Möglichkeiten, die sie haben, in der Welt schauen.

In unserem Leben, liebe Gemeinde, da gibt es ja die Erfahrung einer anderen Wahrheit. Mit schwachen, kleinen und geringen Leuten, wie wir welche sind, da wirkt Gott.

Gott, er tröstet uns, er hilft uns, er lässt uns seine Liebe erleben, er zeigt uns, dass er treu ist und niemanden von uns fallen lässt.

Hier, liebe Gemeinde, so denke ich, geschehen wirkliche, weltbewegende Dinge, hier wird entschieden, ob diese Welt noch zu retten ist und ob sich in ihr doch noch einmal, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Frieden durchsetzen werden.

Wir alle begegnen uns in der Hoffnung auf Frieden, Frieden für diese Erde, Frieden unter allen Völkern, Frieden für unsere Gemeinde, Frieden unter uns, Frieden in den Familien, ja, das sind Wünsche, die eine jede und jeder von uns hat.

Wen hat Gott ausgesucht, wen hat er von uns ausgesucht und berufen?

Uns alle hat er ausgesucht und berufen, uns, die wir uns nicht so wichtig nehmen, um solche Menschen kümmert sich Gott. Ja, er kümmert sich um Menschen, die ohne Macht und Einfluss sind. Denn er will uns zeigen, dass mit unserer Macht keine Gemeinschaft mit ihm zu erzwingen ist.

Wir Menschen sind von Gott berufen und wir sind von ihm erwählt. Gott hat uns in seine Liebe und Barmherzigkeit eingeschlossen.

Und weil wir Menschen sind, die vor Gott nichts vorzuweisen haben, die wir mit leeren Händen vor ihm dastehen, da wirkt Gott. Und in diese leeren Hände legt Gott seine Gaben. Ja, nur wer leere Hände hat, kann auch frei und offen empfangen, was ihm gegeben wird.

Hier, liebe Gemeinde, liegt die Weisheit und Stärke Gottes, dass seine Kraft, dass seine Weisheit in den Schwachen mächtig wird. Seine Herrlichkeit und seine Größe liegt nicht in der Herrlichkeit und Größe dieser Welt, sondern darin, dass Gott sich dem Schwachen zuwendet, dass er denen zugewandt ist, die wenig Möglichkeiten haben, die mühselig und beladen sind. Die Stärke Gottes ist seine liebende Zuwendung, die in menschlichen Augen oft als Schwäche ausgelegt wird.

Liebe Gemeinde, durch die Taufe gehören wir zu den Ausgesuchten. Dort, wo uns Gott hingestellt hat, mitzuhelfen sein Werk zu vollenden, seine Worte und seinen Trost weiterzugeben, seine Kraft weiterzuschenken, da dürfen wir spüren, dass Gott bei uns ist.

In unserer Schwäche ist seine Kraft verborgen. Durch eine kleine Geste von uns bewirkt er große und weltbewegende Dinge.

Die Herrlichkeit und Größe Gottes liegt nicht in der Herrlichkeit und Größe dieser Welt, sondern darin, dass Gott sich dem Schwachen zuwendet. Gott, er ist denen zugewandt, die wenige Möglichkeiten haben, die mühselig und beladen sind. Die Stärke Gottes, liebe Gemeinde, ist seine liebende Zuwendung,

Wir alle wissen, dass wir auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind. Alle, die im Reich Gottes mitarbeiten, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Pflegerinnen und Pfleger, Schwestern, Pfarrerinnen und Pfarrer aber auch Nachbarn, um nur einige zu nennen, sind glaubwürdig, wenn sie die Barmherzigkeit Gottes selbst erfahren haben und diese Erfahrung weitergeben.

Gott, er hat uns ausgesucht und berufen. Er hat mit uns etwas vor! Denn wo wir am Ende sind, da geht es für Gott weiter.

Wo wir uns klein vorkommen, da kann und wird er etwas machen. Jesus Christus war nicht am Ende, als alles zu Ende war.

Darin, liebe Gemeinde, liegt der Lob und Preis, mit dem wir Menschen uns rühmen können. Unser Lob und Preis liegt nicht darin, dass wir etwas sind, das wir etwas Großartiges tun.

Sondern unser Lob und Preis liegt darin, dass wir von Gott Beschenkte und von Gott Geliebte sind. Unser Lob und Preis ist nicht, dass wir Menschen herrlich sind, sondern dass Gott herrlich ist.

Mit Gottes Hilfe, liebe Gemeinde, werden wir mehr zustande bringen, als wir manchmal denken.
Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.

Erstellt: 13.1.2012
Zuletzt aktualisiert: 13.1.2012 12:37 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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